50 Jahre Frauenfußball in Dießen

Die Fußballnarrischen und ihr Weg in die Landesliga

MTV Dießen - Damenmannschaft - Landesliga
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Die aktuelle Landesliga-Damen-Mannschaft des MTV Dießen mit Trainer Nico Weis - hier im Trainingslager in Wangen im Allgäu
  • Thomas Ernstberger
    VonThomas Ernstberger
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Dießen – Ein runder Geburtstag ohne Feier? Seltsam, aber in Zeiten der Pandemie durchaus möglich. Die Abteilung Frauenfußball im MTV Dießen wird in diesem Jahr 50. Maria Steinle (67) war vom ersten Tag an dabei, war die treibende Kraft bei der Gründung 1971 und von Beginn an Kapitän sowie Herz und Seele des Teams. „Am Anfang haben uns die Fußball-Experten höchstens ein Jahr gegeben“, blickt sie zurück. Aus diesem Jahr sind fünf Jahrzehnte geworden. „Schade nur“, bedauert die gebürtige Dießenerin, „dass wir wegen Corona nicht wissen, ob wir unser Jubiläum auch feiern können.“

Sie erinnert sich noch ganz genau an die Anfänge: 15 junge Damen um Maria Steinle waren es, die sich damals in den Kopf gesetzt hatten, Fußball zu spielen. „Fußball war zu dieser Zeit eine ausgesprochene Männer-­Domäne, da wurde unsere Idee mit viel Skepsis betrachtet. Wir ließen uns aber nicht abwimmeln, waren hartnäckig und fanden in Johann Lindner einen Mann, der uns half, eine Damenmannschaft zu gründen. Er war auch unser erster Trainer“, erzählt Steinle. „Es war zunächst eine holprige Angelegenheit“, gibt sie zu – „sowohl fußballerisch als auch im Kampf um die Anerkennung im eigenen Verein. Wir wurden belächelt und der allgemeine Spruch war: Die Weiber gehören hinter den Herd und nicht auf den Fußballplatz.“ Doch die Dießener „Weiber“ setzten sich durch. Steinle: „Wir haben bewiesen, dass man Kochen, Wäsche waschen, Bügeln, Kinder kriegen und Fußballspielen unter einen Hut bringen kann.“

Fans statt Gaffer

Das Interesse und die Neugier waren von Anfang an groß, die Dießener kamen zahlreich – was nicht zuletzt am damaligen Outfit der Damen lag: „Wir trugen ein eng geschnittenes Trikot und kurze, knackige Hosen. Die Augen der Männer wurden immer größer, die Blicke streiften unsere Beine und sie wollten unsere Busen hüpfen sehen. Das war wichtig. Es wurde getuschelt und gelacht, aber mit der Zeit wurden die Gaffer weniger und die Zuschauer, die sich für den Frauen-Fußball interessierten, immer mehr.“

Die Dießener Fußball-Frauen im Jahr 1975. Von links: Maria Steinle, Christiane Schaake, Renate Beausencourt, Heidi Höchst, Gudrun Aschauer, Andrea Bergmann, Elke Läpple, Rosi Rid, Anneliese Kain, Ramona Kain, Rosemarie Reize, Erika Heel und Brigitte Hartmann.

Im April 1972 starteten die MTVlerinnen nach einigen Freundschaftsspielen in ihre erste Punktrunde. Die Gegner in der Kreisklasse, Gruppe 3, hießen FV Walleshausen, VfL Kaufering, SV Kottgeisering, FT Starnberg und SV Söcking. „Anfang der 70er Jahre boomte der Frauenfußball. In den drei Kreisklassen im Kreis Zugspitze spielten immerhin 19 Mannschaften“, erinnert sich Steinle, die sich selbst als „einfach fußballverrückt“ bezeichnet. Die Fußballerinnen vom Ammersee beendeten die erste Saison auf dem respektablen dritten Tabellenplatz mit 13:7 Punkten und 28:11 Toren.

Es folgten Aufstiege in die Bezirksliga (1975) und die Verbandsliga, damals die höchste Klasse bei den Damen (1980). Nach drei Jahren ging’s wieder runter in die Bezirksliga. Steinle: „Wir haben nie niedriger gespielt. Das ist ein toller Erfolg, das macht mich genauso stolz, wie meine zahlreichen Spiele für die Oberbayerische und Bayerische Auswahl.“

Steinle beendete 2000 ihre aktive Laufbahn – mit 46 Jahren und nach rund 1.000 Spielen für den MTV. Sie war später Trainerin und Betreuerin und schaut der aktuellen Landesliga-­Mannschaft von Trainer Nico Weis (normalerweise) bei jedem Spiel und so manchem Training zu. Sie kommt ins Trainingslager, macht Linienrichterin, sammelt Spenden ein – und fiebert mit ihren Nachfolgerinnen. „Im Hintergrund zittere ich immer noch mit“, gibt sie zu.

Ein Leben ohne Fußball? Für Maria Steinle ist das einfach unvorstellbar.

Auch wenn Corona das in den letzten Monaten unmöglich macht. „Da fehlt einfach was, ich vermisse diese sozialen Kontakte“, sagt sie. Denn: „Der Damen-Fußball ist halt immer noch mein Baby. Ich finde es sensationell und bin sehr glücklich darüber, dass es ihn in Dießen schon so lange gibt“, freut sie sich im Jubiläumsjahr. Ob, bzw. wie der 50. Geburtstag ihres längst erwachsenen „Babys“ gefeiert werden kann, ist im Moment aber noch völlig unklar. Coach Weis: „Es macht im Moment leider keinen Sinn, irgendetwas zu planen.“

Die „Mutter“ des Dießener Frauenfußballs war Kassenverwalterin in der Marktgemeinde. Seit 2017 genießt sie an der Seite ihrer Lebenspartnerin Elke (spielte von 1975 bis 2001 an Marias Seite für den MTV Dießen) ihren Ruhestand. Mit dem neuen Wohnmobil geht’s auf Reisen, die E-Bikes sind immer mit an Bord. „Ich freue mich sehr, dass die Mädels den Klassenerhalt geschafft haben. Das war eine tolle Nachricht, das hat sich die Truppe redlich verdient“, sagt sie. Noch ein Grund zum Feiern...

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