Eishockey-Einsatz unter den fünf Ringen

Als "Referee Supervisor" zu Olympia

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Bei den Olympischen Winterspielen in Turin war Bianca Piechaczek noch als aktive Schiedsrichterin dabei und traf am Rande der Band auch Prinz Alberg von Monaco.

Landsberg – Es gibt Zusammenhänge, die erschließen sich erst viele Jahre später. Hätte etwa der TSV Peißenberg in den 1980er-Jahren eine Frauen-Eishockey-Mannschaft gehabt, wäre Bianca Piechaczek jetzt womöglich nicht unterwegs zu ihrem nächsten Karrierehöhepunkt – als höchster „Referee Supervisor“ zum Olympischen Eishockey-Turnier der Damen in Pyeong­chang/Südkorea.

Denn anstelle einer aktiven Karriere mit Schläger und Helm blieb der heute 46-Jährigen damals „nur“ der Eiskunstlauf. Ihren schlittschuhläuferischen Fähigkeiten war das zwar durchaus zuträglich, die wahre Liebe gehörte aber dennoch immer mehr dem Eishockey. 

1995 tat sich für die sportliche junge Frau dann doch noch die Möglichkeit auf, ihren Lieblingssport ausüben zu können: „Über einen Bekannten bin ich zu meinem ersten Schiedsrichterlehrgang gekommen“, sagt sie – was daraus werden würde, konnte zu dieser Zeit allerdings noch niemand absehen.

Bis 1999 pfiff sie im Bereich des Bayerischen Eissport-Verbandes (BEV), damals lernte sich auch ihren heutigen Mann Daniel kennen. Der ist inzwischen selbst einer der bekanntesten deutschen Eishockey-Schiedsrichter und vielfacher WM- und Olympiateilnehmer (in der laufenden Woche pfeift er das Finale der Eishockey-Champions-League). Aber auch mit seiner Frau ging es steil bergauf: Ab 2000 wurde sie in den DEB-Bereich berufen, zunächst als Linien-, dann als Hauptschiedsrichterin und sehr bald durfte sich auch international für den Eishockey-Weltverband IIHF Spiele leiten.

„Völlig überraschend“, wie sie heute sagt, kam dann 2006 die Nominierung als Schiedsrichterin für die Olympischen Spiele in Turin. Piechaczek: „Ich war völlig überwältigt, das war ein unglaubliches Gefühl“. Die naheliegende Konsequenz war das Ende der aktiven Karriere. „Ich wollte auf dem absoluten Höhepunkt aufhören, es war mir klar, dass das der richtige Moment war.“

Doch es kam, wie es bei Sportlern, die mit dem Eishockey-Virus infiziert sind, so oft kommt – so ganz lässt einen „das Hockey“ dann doch nicht los. Zwei Jahre nach dem Rücktritt vom aktiven Sport bewarb sich Bianca Piechaczek beim DEB als Schiedsrichter-Beobachterin; was folgte, war die zweite erfolgreiche Laufbahn im Dameneishockey. 2010 wurde sie in das Trainee-Programm der IIHF aufgenommen und besuchte dann die WM in den USA, über die U18-WM (2012) und die Olympia-Qualifikation in Polen (2013) ging es als Supervisor zu den Weltmeisterschaften 2015, 2016 und 2017, bis jetzt im vergangenen September die Nominierung für die Olympischen Spiele in Südkorea ins Haus flatterte.

Nun ist die Schiedsrichterei im Hause Piechaczek (die Eheleute wohnen übrigens beide seit Jahren in Landsberg und sind treue Mitglieder des HC Landsberg) ohnehin tief verankert, Bianca hat aber auch nicht vergessen, dass sie ihren Aufstieg zumindest in Teilen einer regelrechten „Legende im gestreiften Trikot“ zu verdanken hat, die seit vielen Jahren Schiedsrichter-Obmann im DEB ist: „Ohne Gerhard Lichtnecker wäre ich nicht da, wo ich bin“.

Mit zum Erfolgsrezept gehört aber auch ein Arbeitgeber, der die Freiheiten einräumt, die die Nominierungen zu den Großereignissen erfordern. Und da ist die 46-Jährige als Führungskraft bei der DB Security gut aufgehoben, wie sie sagt. Zwar muss sie die fast dreiwöchige Abwesenheit für den Einsatz bei Olympia über Überstunden oder Urlaub ausgleichen, „aber ich werde im Betrieb toll unterstützt. Viele wünschen mir Glück und gratulieren mir, das passt alles.“

Eine Erholungsreise steht allerdings nicht an, wenn es über Frankfurt nach Pyeongchang geht, das Programm für den höchsten Schiedsrichterbeobachter ist gedrängt und das Aufgabengebiet breit: Treffen und Regelbesprechungen mit Nationaltrainern, mit Schiedsrichterinnen und Supervisoren, Anwesenheit bei den Spielen und deren Nachbesprechung, die Tätigkeit als Video-Schiedsrichterin, Meetings mit den Direktorenboards und nicht zuletzt viel Papierarbeit – die kommenden Tage dürften für Bianca Piechaczek durchaus auch anstrengend werden.

Eine Hoffnung hegt die sympathische Landsbergerin dennoch: „In Turin war ich doch sehr durch meine aktive Tätigkeit auf dem Eis nur mit dem Eishockey beschäftigt. Ich möchte diesmal möglichst die Gelegenheit nützen, andere Sportler und Wettbewerbe zu sehen und viel von dem olympischen Gefühl mitzunehmen.“

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