Eisstocksport

„Das Ziel ist Olympia 2026“

eisstock deutsches team in China 2019
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Im Reich der Mitte Werbung für den Eisstocksport betrieb unter anderem Olympiakader-Mitglied Matthias Peischer (hinten, 3. von rechts) vom FC Penzing mit IFI-Präsident Christian Lindner (2. von rechts).

Penzing/Region – Zum wohl unglücklichsten Zeitpunkt – im März 2020, als die Corona-Pandemie auch in Europa zu Lockdowns führte – hat Christian Lindner den Vorsitz des Eisstock-­Weltverbandes (IFI) übernommen. Der 48-jährige Bauleiter ist bis April darüber hinaus noch Vorsitzender des Deutschen Eisstock-Verbandes (DESV), nachdem die Wahl eines Nachfolgers wegen Corona nicht stattfinden konnte. Im KREISBOTEN-Interview spricht der Buchloer, der seit Jahren für den TSV Peiting aktiv ist, über die angespannte Lage bei den Stockschützen, Ziele und die Olympia 2026, wovon auch Matthias Peischer vom FC Penzing träumt. Er ist aktuell Mitglied des deutschen Olympiakaders.

Herr Lindner, wann hatten Sie das letzte Mal selbst einen Eisstock in der Hand?

Lindner (lacht): „Das ist eine gute Frage. Das war bei der Deutschen Meisterschaft im Mixed in Ruhpolding im Februar 2020. Es ist also bald ein Jahr her, das fühlt sich nicht gut an.“

Wie blicken Sie aus sportlicher Sicht auf das Jahr 2020 zurück?

Lindner: „Für die Vereinsmannschaften war es ein ganz trauriges Jahr, da sie seit Januar nicht mehr spielen durften. Als DESV-Präsident blicke ich mit der Weltmeisterschaft im März allerdings auch auf ein herausragendes Jahr. Denn das Abschneiden der deutschen Mannschaft war so gut wie nie zuvor. Dass in der zweiten WM-Hälfte infolge der Corona-Pandemie keine Zuschauer mehr zugelassen waren, war umso trauriger.“

Wie stellt sich die Lage für die Stockschützen derzeit dar?

Lindner: „Wir versuchen, wie es in anderen Sportarten auch geschieht, unsere Spitzensportler spielen zu lassen. Am kommenden Wochenende tragen wir in Klobenstein am Ritten in Italien die Europameisterschaft im Weitenwettbewerb aus. Daran nehmen rund 100 Sportler teil, die abgeschottet in einer sogenannten Blase leben und mehrmals getestet werden.“

Und wie steht es mit den die Breitensportlern?

Lindner: „Die durften und dürfen größtenteils nicht mal trainieren, weil die Hallen, die meist in kommunaler Hand sind, nicht geöffnet waren und nach wie vor sind.“

Sind die Auswirkungen im Hinblick auf Mitgliederzahlen schon sichtbar?

Lindner: „Bisher können wir nur spekulieren. Ich gehe aber davon aus, dass ein Mitglieder­schwund eintritt. Sichtbar wird das erst in einigen Jahren sein. In Deutschland erhält ein Stockschütze das Spielrecht immer für zehn Jahre. Wir merken meist also nicht, wenn er aufhört. Erst, wenn das Spielrecht ausläuft und neu beantragt werden müsste, können wir sinkende Mitgliederzahlen feststellen. Ich betreibe das Stockschießen mit viel Herzblut. Andere, die aber nicht so dafür leben, und jetzt nicht spielen dürfen, verlieren die Lust.“

Wie steuern Sie dem entgegen?

Lindner: „Das ist für alle Funktionäre die große Aufgabe. Wir müssen an der Basis ständig Kontakt zu den Stockschützen halten. Bei uns im Verein rufen wir die Mitglieder regelmäßig an und schreiben Nachrichten. An Weihnachten haben wir ein Geschenk vorbeigebracht.“

Machen wir einen Sprung weg von der Basis: Seit März sind Sie Weltverbandspräsident, der Start hätte besser laufen können, oder?

Lindner: „Mein Vorgänger als IFI-Vorsitzender, Manfred Schäfer, hat schon Mitleid mit mir. Die Corona-Pandemie hat den Verband viel Geld gekostet. Die Einnahmen sind weggebrochen und die Ausgaben gleich geblieben. In einem WM-Jahr kommt der Weltmeisterschaft natürlich der Hauptteil der Kosten zu und die sind schon vor der Pandemie angefallen. Unter anderem mit Hilfe anderer Organisationen können wir das aber ausgleichen. Ich denke, dass wir Ende dieses oder spätestens nächstes Jahres wieder auf Null stehen.“

Welche Aufgaben haben Sie als IFI-Vorsitzender?

Lindner: „Genau so, wie ich als DESV-Präsident Kontakt zu kleinen Vereinen und Verbänden in Deutschland suche, muss ich weltweit betrachtet die kleinen Nationalverbände im Blick haben und sie betreuen. Das ist aufwendig. Hauptziel ist, den Weg fortzuführen, den Manfred Schäfer vorbereitet hat. Das heißt, dass 2026 Stockschießen bei Olympia stattfindet. Eine große Hilfe ist mir dabei unsere Generalsekretärin Silke Bernardi.“

Wie stehen die Chancen, dass das klappt?

Lindner: „Vorläufiges Mitglied beim IOC sind wir seit ein paar Jahren. Im November haben wir alle Unterlagen für die Aufnahme als festes Mitglied abgeben müssen. 900 Seiten waren das, die ehrenamtlich mit viel Aufwand verfasst worden sind. Aus verschiedenen Kriterien erstellt das IOC dann ein Ranking mit allen Sportarten. Schon als vorläufiges Mitglied wurden wir in der Rangliste geführt und haben uns im Mittelfeld einsortiert. Die neuen Ergebnisse gibt es noch nicht, aber ich gehen davon aus, dass wir unter den vorderen 30 Prozent landen.

Im April oder Mai werde ich beim Olympischen Komitee vorsprechen. Und wenn alles gut läuft, darf ich bei den Sommerspielen in Tokio die Urkunde für die Aufnahme entgegennehmen. Die Entscheidung fällt auf jeden Fall dieses Jahr. Die Wettbewerbe müssen ja geplant werden.“

2019 waren Sie in China, um dort den Eisstocksport bekannter zu machen. Ist Stockschießen weltweit betrachtet populärer geworden?

Lindner: „Auf jeden Fall. Das ist aber nicht nur mein Verdienst. Manfred Schäfer hat das schon die vergangenen zehn Jahre gepusht. Derzeit gehören 48 Nationen dem Eisstock-Weltverband an. Führend sind Deutschland, Österreich, Italien und die Schweiz. In Australien, Brasilien, Litauen, Belarus und Kanada wird der Sport mittlerweile aber auf einem guten Niveau betrieben, sodass mit Glück sogar Medaillen bei Titelkämpfen rausspringen können. In Gabun, Kenia und Namibia wird ein unglaublicher Aufwand betrieben, um den Sport voranzutreiben. Ebenso in Indien. Neu mit dabei sind Bangladesch, Pakistan, Nepal und die Dominikanische Republik.“

Was ist der Auslöser für diese Entwicklung?

Lindner: „Ich bin überzeugt, das wird von der Aussicht auf Olympia entfacht. Die Spiele locken neue Nationen an.“

Da Sie Manfred Schäfer zur Hälfte seiner Amtszeit abgelöst haben, stehen schon 2022 die nächsten planmäßigen Wahlen zum IFI-Vorsitzenden an. Werden Sie dort wiedergewählt?

Lindner: „Ich kann derzeit nichts dazu sagen. Es ist aber so, dass ich angetreten bin, um den Weg zu Olympia zu vollenden.“

Werden wir Sie dann auch noch als Spieler sehen?

Lindner: (lacht): „Nein, definitiv nicht. Ich werde auch bei keiner Deutschen Meisterschaft mehr spielen. Nur noch in der zweiten Mannschaft des TSV Peiting. Das reicht.“

Herr Linder, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen viel Erfolg!
Phillip Plesch

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