Exklusiv-Interview

Muriz Salemovic: „Landsberg wird ein Top-Team!“

Muritz Salemovic - TSV Landsberg
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Muriz Salemovic (rechts) hat rund 200 mal in der Regional- und Bayernliga gespielt. Jetzt will er mit der Zweiten des TSV Landsberg aufsteigen.
  • Thomas Ernstberger
    VonThomas Ernstberger
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Landsberg – Früher hießen seine Gegner TSV 1860 München und FC Bayern II (mit Memmingen in der Regionalliga) oder SV Pullach (mit dem TSV Landsberg in der Bayernliga). Jetzt geht’s gegen Finning, Schwabhausen oder wie zuletzt gegen Breitbrunn (5:2 mit dem 1:0 von ihm). Edeltechniker Muriz Salemovic (33) spielt seit der Rückrunde nur noch in der Zweiten des TSV in der A-Klasse. Dabei, und da sind sich alle Experten einig, hätte der Mittelfeldspieler mit der Erfahrung aus über 200 Regional- und Bayernligaspielen und seinen „tödlichen Pässen“ dem Bayernliga-Team in den letzten Wochen gut zu Gesicht gestanden. Das Exklusiv-Interview mit dem gebürtigen Montenegriner, der mit Ehefrau Jasmin und Tochter Alida (1 1/2) im Fuchstal wohnt.

Macht es Spaß, in der A-Klasse zu spielen?

Salemovic: „Ein ganz klares Ja. Das ist ja für mich auch keine völlig neue Erfahrung – von der C-Klasse bis zur Regionalliga habe ich schon alles gespielt. Vor einigen Jahren war ich in Landsberg auch schon in der Zweiten im Einsatz – vier Spiele, vier Tore. Und es macht einfach Spaß, mal wieder nur Spieler zu sein und auf sich zu schauen. Ich bin ja auch ein Spaßvogel – das ist als Spielertrainer aber ein bisschen schwierig…“

Für A- oder Kreisklasse sind Sie doch „überqualifiziert“…

Salemovic: „Stimmt. Ich bin auch immer noch sehr ehrgeizig, aber ich muss niemand mehr etwas beweisen. Im Moment sind einfach andere Dinge wichtiger.“

Welche denn?

Salemovic: „Die Familie. In nächster Zeit steht da einiges an. Wir ziehen um und im Herbst kommt das zweite Kind.“

Eine Frage, die immer wieder gestellt wird: Wie kam’s genau zu Ihrem freiwilligen Rückzug? Das hat viele überrascht, immerhin waren Sie 2021 noch Sportlicher Leiter und in der Vorrunde Spielertrainer der Ersten.

Salemovic: „Das wäre ich immer noch, wenn es gepasst hätte. Aber ich war ja eigentlich nie ein Fan von Spielertrainer-­Lösungen. Ich bin schon im Dezember auf den Verein zuge­gangen, weil ich ein bisschen weniger machen wollte. Dieser Wunsch wurde zunächst abgelehnt. Da ich aus verschiedenen Gründen oft nicht da war, hat Mike Hutterer dann 90 Prozent der Winter-Vorbereitung gemacht. Er wollte auch mehr Verantwortung und eigene Ideen einbringen. Der Verein hat schließlich unseren beiden Wünschen entsprochen und den Weg für Mike freigemacht – als beste Lösung für den TSV, davon bin ich überzeugt.“

Es gab also keinen Krach mit einigen Spielern, denen Ihr Training zu hart und Ihre Ansprache zu direkt war?

Salemovic: „Nein. Mit den meisten Jungs habe ich sogar noch immer regen Kontakt.“

Aktuell werden überall die Mannschaften neu zusammengestellt – und die Gerüchteküche brodelt. Sie sollen unter anderem schon bei Türkspor Augsburg unterschrieben haben…

Salemovic: „Es ist immer das Gleiche – ich habe angeblich schon bei sechs Vereinen unter­schrieben. Es ist müßig, über diese Thematik zu sprechen. Mein Herz hängt an Landsberg und ich habe in Pippinsried gesehen, dass ich den Aufwand und die Fahrerei nicht mehr haben möchte. Zudem fühle ich mich mit den aktuell Verantwortlichen beim TSV sehr wohl. Ich möchte hier mal ganz klar sagen, dass die Zusammenarbeit mit Hauptsponsor 3C Carbon, einem ganz wichtigen Faktor für Landsberg, und dem Hauptverein einfach großartig ist. Hier ist in den letzten Jahren so viel Positives passiert.“

Was denn alles?

Salemovic: „Als ich 2008 gekommen bin, hat Landsberg vor 50 Zuschauern im alten Sportzentrum gespielt. Der Verein war in der Bezirksoberliga und hatte keine Jugendmannschaften. Die Spieler haben die Wurstsemmeln für die Halbzeitpause noch selbst geschmiert. Jetzt sind wir in der Bayern­liga etabliert, spielen im neuen Sportpark, haben einen Schnitt von 400 Zuschauern und eine hervorragende Nachwuchsarbeit mit D- und C-Jugend in der Bezirksoberliga und sind zusammen mit Kaufering DFB-Stützpunkt. Es ist bemerkenswert, was hier alles geschehen ist. In der Summe sind wir auf einem sehr guten Weg.“

Diesen Weg wollen Sie weiter mitgehen – wie sehen Sie Ihre Zukunft beim TSV Landsberg?

Salemovic: „Ich werde einige Aufgaben im Nachwuchsbereich übernehmen und künftig eine Jugendmannschaft trainieren. Es kommt in den nächsten Jahren eine ganze Reihe sehr guter Jugendspieler nach. Die möchte ich gerne auf den Herren-Bereich vorbereiten. Ziel ist ganz klar, Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die erste Mannschaft zu bringen. Ich werde zudem Nachwuchs-Koordinator, also das Bindeglied zwischen A-Jugend- und Herrenbereich. Ich habe richtig Bock darauf, die Jungs besser zu machen. Außerdem werde ich in der Zweiten weiterspielen, um sie nach oben zu bringen. Ich bin überzeugt davon, dass wir heuer aufsteigen, dass ich hier meinen vierten Aufstieg packe. Wir müssen nach oben, um einen vernünftigen Unterbau für die Erste zu schaffen und jungen Spielern, die nicht sofort in die Bayernliga spielen können, eine Perspektive im Herrenbereich zu bieten.“

Und wie wird die Zweite aufgestellt – mit Ihnen allein sind Ziele wie Kreis- oder sogar Bezirksliga ja auch nicht zu erreichen?

Salemovic: „Marko Braovac und Alex Buschel machen einen überragenden Job in diesem Bereich. Sie haben mit den Trainern ein ein tolles Team geformt und es sind immer 25 Mann im Training. Es kommen sicher weitere Verstärkungen.“

Sie wollten „vorübergehend kürzentreten“. Ist ein Comeback in der Bayernliga für Sie ein Thema?

Salemovic: „Aktuell nicht. Ich habe schon nach einigen Partien als Spieler gemerkt, dass es mir in der Zweiten sehr viel Spaß macht. Ich will noch einige Jahre spielen – in welcher Liga auch immer. Da will ich aber nichts ausschließen…“

Mit der Verpflichtung von Ex-­Bundesliga-Profi Sascha Mölders als Spielertrainer, gemeinsam mit Mike Hutterer, hat der TSV gerade ein Ausrufezeichen in Richtung Regionalliga gesetzt. Kann der Aufstieg in der neuen Saison schon klappen?

Salemovic: „Ich denke schon – auch wenn Aufstieg immer extrem schwierig ist, wie man in dieser Saison gesehen hat. Nicht zuletzt, weil auch zweite Mannschaften wie Regensburg und Ingolstadt dabei sind, die unter Profi-Bedingungen trainieren. Aber ich sehe bei uns in Landsberg eine positive Entwicklung, zudem bringt Sascha viel Erfahrung und den Killerinstinkt vor dem Tor mit. Nach diesem Knipser sehnen wir uns seit einem Jahr.“

Ihre Prognose für 2022/23?

Salemovic: „Landsberg wird definitv zu den besten Mannschaften der Liga gehören.“

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