Landsberger Fitness-Studios im Lockdown

„Die Hilfen vom Staat kommen zu langsam“

Florian Möger - Hardy‘s Fitness-Studios
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Florian Möger: „Jeder Monat wird ein bisschen zäher.“
  • Toni Schwaiger
    VonToni Schwaiger
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Landsberg – Seit November stehen im Lockdown viele Räder still. Das gilt auch für Fitness-Studios und Kampfsport Dojos. Wie kommen die Betreiber damit klar? Welche Hilfen vom Staat haben sie bekommen? Laufen ihnen die Mitglieder davon? Welche Alternativen haben sie während der Corona-Pandemie entwickelt? Und wie schauen sie voraus? Für den KREISBOTEN hat Dietrich Limper telefonisch nachgefragt und mit Florian Möger (Hardy’s), George Strakovits (Crossathletic Landsberg) sowie Benny Stangl (Center Gym) gesprochen.

Seit knapp drei Monaten sind Ihre Studios geschlossen. Wie geht es Ihnen im Moment?

Strakovits: „Ohne unseren treuen Mitglieder wäre es schwer geworden, aber wir haben zum Glück eine sehr solidarische Community. Wir haben vielleicht eine Handvoll Mitglieder verloren, die meisten bleiben uns aber noch treu.“

Möger: „Jeder Monat wird ein bisschen zäher, denn wir verlieren immer um die drei Prozent unserer Mitglieder. Das ist eigentlich normal, aber nun kommen keine neuen Mitglieder dazu. Wenn wir also im März oder April wieder öffnen dürfen, haben wir zehn bis 15 Prozent unserer Mitglieder verloren. Ein erstes Corona-Opfer ist unser geplantes Studio in Starnberg. Das wird in diesem Jahr nicht mehr eröffnet.“

Stangl: „Ich bin natürlich nicht glücklich, denn irgendwann werden die Rücklagen aufgebraucht sein. Die Stammkunden bleiben uns zwar noch treu, aber natürlich schließen keine neuen Kunden Verträge ab. Für mich fallen auch die Kurse bei der Volkshochschule und die meisten Personal Trainings weg. Der Oktober im vergangenen Jahr lief eigentlich wieder gut an, aber schon bald standen die neuen Mitglieder vor verschlossenen Türen.“

Welche Alternativen bieten Sie nun Ihren Mitgliedern?

Möger: „Wir haben unsere eigene App und bieten rund 20 Kurse pro Woche an. Es ist aber schwer, die Leute zu motivieren. Eine Umfrage des Verbands hat gezeigt, dass nur wenige Menschen bereit sind, die digitalen Angebote zu nutzen. Gezieltes Muskeltraining geht daheim überhaupt nicht. Die Menschen möchten in den Club. Wir arbeiten nun viel mit Gutscheinen, aber die werden dann in der Zukunft auch mal eingelöst und niemand wird uns Geschenke machen.“

Strakovits: „Wir hatten unsere Lektion aus dem ersten Lockdown gelernt und konnten zum Glück schnell reagieren. Wir bieten Online-Kurse an und denken uns jede Woche neue Features aus. Es gibt Workouts per Zoom und wir betreiben einen eigenen Channel bei Youtube. Aber das Training mit der Community ist nicht zu ersetzen, denn die Leute möchten den Kontakt mit den Trainern und viele können sich daheim nur schwer aufraffen.“

George Strakovits: „Wir haben zum Glück eine sehr solidarische Community“.

Stangl: „Ich mache noch Personal Training per Video und gebe Tipps zur Ernährung. Es gibt doch einige Leute, die nach Weihnachten ihr Hüftgold loswerden wollen. Aber Reha-Maßnahmen sind per Video nicht machbar und vor allem ältere Leute bleiben auf der Strecke. Ich habe auch viele Schreiben von Menschen in Kurzarbeit bekommen, denen nun langsam das Geld ausgeht. Die können ihre Beiträge einfach nicht mehr bezahlen.“

Haben Sie denn schon die zugesagte Hilfe vom Staat bekommen?

Strakovits: „Wir haben bald Februar und nun trudeln so langsam die November-Hilfen ein. Das Geld kommt einfach viel zu spät und ohne unsere treuen Mitglieder hätten wir die Monate nicht überbrücken können. Unser Steuerberater bearbeitet die ganzen Anträge und bleibt da dran.“

Stangl: „Ja, ich habe mal einen kleinen Betrag bekommen, aber das dauert alles viel zu lange. Bei mir werden die meisten Verträge mit den Mitgliedern im Januar und Februar geschrieben und da passiert nun natürlich gar nichts.“

Benny Stangl: „Noch bleiben uns die Stammkunden treu“.

Möger: „Wir haben erste Abschlagszahlungen von November bekommen, aber das sind vielleicht zehn Prozent der Gelder, auf die wir warten. Wir überleben durch die Jahresbeiträge der Kunden, aber ich frage mich, wie kleinere Studios drei oder vier Monate überbrücken sollen?“

Fühlen Sie sich vom Staat im Stich gelassen? Wurden die Versprechungen eingehalten?

Möger: „Was der Staat da teilweise macht, passt gar nicht. Wir fallen unter die Kategorie ‚Freizeitvergnügen‘ und selbst die Bordelle durften beim ersten Lockdown früher öffnen als wir. Das muss man sich mal vorstellen! Gesundheitlich wird dieser Lockdown zu vielen Kollateralschäden in der Zukunft führen. Einerseits sollen sich die Menschen fit halten und ihre Abwehrkräfte stärken, aber andrerseits lässt man sie nicht in die Fitness-Studios. Ein Widerspruch in sich. Zwölf bis 15 Prozent aller Deutschen betreiben organisierte Fitness. Die Langzeitschäden werden kommen. Und die Hilfen wurden als schnell und unbürokratisch angekündigt, aber das Gegenteil ist der Fall.“

Strakovits: „Wenn ich mir anschaue, was in anderen Ländern passiert, dann können wir dem Staat schon dankbar sein, dass er uns überhaupt unterstützt. Aber ich frage mich, warum die Zeit zwischen den beiden Lockdowns nicht besser genutzt wurde. Ich vermisse einfach einen klaren Fahrplan. Gesundheit ist relevant und die Spätfolgen werden kommen.“

Stangl: „Nein, im Stich gelassen fühle ich mich nicht, da sind wir in Deutschland noch gut dran. Aber die Antragsprüfung dauert einfach zu lange. Das haben wir aber auch den vielen schwarzen Schafen zu verdanken, die nun schnell ein Gewerbe anmelden und Hilfen beantragen. Die müssen aussortiert werden und wir alle leiden darunter. Die Fitness-Studios haben bundesweit alle Auflagen eingehalten und werden nun so bestraft.“

Wie schauen sie in die nahe Zukunft? Wie lange halten Sie noch durch?

Strakovits: „Den Februar stehen wir noch durch, aber im März muss unbedingt etwas passieren, sonst wird es eng. Der Lockdown ist gut und richtig, man hätte ihn sogar noch strenger machen sollen, aber auch mit unseren sehr solidarischen Kunden halten wir nicht ewig durch.“

Stangl: „Ich bin noch ein bisschen optimistisch und halte noch ein Weilchen durch. Und sobald es wieder losgeht, werde ich alten und neuen Kunden finanziell etwas entgegenkommen. Mir tun gerade viel mehr die älteren Menschen leid, die ihre Abwehrkräfte stabilisieren wollen und nichts machen können.“

Möger: „Nicht alle Mitglieder, die uns verlassen haben, werden wiederkommen, wenn wir dann endlich mal öffnen dürfen. Ich rechne mit 15 bis 20 Prozent Umsatzeinbußen in diesem Jahr. Dank unserer Mitglieder mit Jahresbeiträgen kommen wir noch eine Weile zurecht, aber wer meint, dass wir durch den Lockdown reich werden, der liegt falsch.“
Dietrich Limper

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