Über den Landsberger Wolken

Geratshofer Segelflieger langsam wieder im Aufwind

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Traum-Flugwetter in Zeiten von Corona: Marc Hafenmayer (vorne) steuert sein Fluggerät über Unterdießen (rechts unten) in Richtung Segelflugplatz Geratshof.
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Das Briefing zu Beginn der "Saisoneröffnung" läuft - natürlich mit Maske und auf Abstand.
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Der Check vor dem Start ist Pflicht.
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Weiß-blau der Himmel über Landsberg - worauf also noch warten?
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Weiß-blau der Himmel über Landsberg - worauf also noch warten?
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Das Segelflugplatz Geratshof aus der Vogelperspektive.
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Traumhaft: Über den Wolken...
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Nichts für schwache Nerven: Auch kopfüber fliegt sich's ganz gut.

Landsberg – Es ist schon fast ein feierlicher Moment, als sich vor Kurzem das erste Mal nach Lockerung der Corona-Verordnungen wieder ein Segelflieger am zwischen Ellighofen und Unterdießen gelegenen Geratshof in den weiß-blauen Landsberger Himmel erhebt, verfolgt von den dankbaren Blicken der anwesenden Piloten.

„Als ich meinen Saisonabschlussflug 2019 machte, hätte ich nicht gedacht, dass dies der letzte Start für die kommenden sieben Monate sein würde“, erzählt Dirk Küpper, Fluglehrer bei den Geratshofer Segelfliegern. Und dabei sah alles noch so gut aus, Ende Februar: die Piloten waren hoch motiviert, die Wartung der Flugzeuge pünktlich abgeschlossen, das Gelände frisch gewalzt; man ging wegen des milden Winters diesmal sogar von einem früheren Saisonbeginn aus. Doch weit gefehlt. Der Lockdown stoppte alles – auch die Nutzung von Vereinsanlagen und somit den Flugbetrieb am Geratshof.

„Der Wert Freiheit ist bei uns Fliegern mit Sicherheit besonders stark ausgeprägt, und nicht fliegen zu können, insbesondere nach der langen Zeit der Winterpause, das war natürlich erst mal hart“, beschreibt Gerhard Schufmann die Situation. Er leitet am Geratshof die Ausbildung.

„Und dann war ausgerechnet noch genau in der Zeit, in der wir am Boden bleiben mussten, optimales Segelflugwetter – es wäre vermutlich einer der besten Saisonstarts seit langem geworden“, ergänzt LSV-Pressesprecher Janik Eggler.

Der Lockdown war für die Luftsportler aber nicht nur ein emotionales Thema, sondern vor allem ein ganz rationales: Auch wenn kein „fliegerischer Umsatz“ entsteht, laufen die fixen Kosten für den Verein weiter – etwa für die Versicherungen der Flugzeuge oder die Infra­strukturpacht. Darüber hinaus bestand die Gefahr, dass die Mitgliedsbeiträge auf Grund wirtschaftlich bedingter Kündigungen hätten einbrechen können. Beides habe der LSV Geratshof bis jetzt auf Grund einer soliden finanziellen Situation und des familiären Miteinanders der Mitglieder im Griff behalten.

Keine Langeweile

Der Einfallsreichtum und der Optimismus der Segelflieger-­Community ließ auch in der Bodenzeit keine Langeweile aufkommen: Digital vernetzt ging man ersatzweise per Segel­flugsimulator in die Luft, es gab online Unterricht, Sicherheitsbriefings und Vorträge.

Ein weiteres Lockdown-Problem war der Verfall von Flugli­zenzen: Piloten müssen im Zweijahresturnus bestimmte Flugzeiten, Startzahlen und Checkflüge absolvieren, damit ihre Flugscheine gültig bleiben. „Durch die Zwangspause wäre das für einige bei uns eng geworden – ebenso für einen Teil unserer Flugschüler, denen bereits geleistete Prüfungen verfallen wären. Hier sind uns zum Glück die Behörden durch pragmatische Regelungen, die uns allen viel Aufwand erspart haben, entgegen gekommen“, so Gerhard Schufmann.

Spannend wurde es noch mal, als sich abzeichnete, dass im Rahmen der Lockerungen der Flugbetrieb bald wieder möglich sein würde: „Ein guter Trainingsstand ist für die Sicherheit beim Fliegen enorm wichtig. Nach der langen Pause war also die große Frage, ob es im Rahmen der Lockerungen möglich sein würde, die dringend nötigen zweisitzigen Check- und Sicherheitsflüge mit den Piloten absolvieren zu dürfen“, erläutert Janik Eggler. Allerdings: Der Abstand im Cockpit beträgt, ähnlich wie in einem Auto, etwas weniger als 1,5 Meter. „Das wurde dann zum Glück mit Maske erlaubt – vor allem dank des engagierten Einsatzes des Luftsportverbandes Bayern beim Innenministerium des Freistaates.“

Etwas unbeholfen und unge­wöhnlich war der Flugbetriebsstart für die Segelflieger dann schon, angefangen von der physisch-distanzierten Begrüßung nach so langer Zeit, über das Abstandhalten, bis hin zum Erfüllen aller Sonderauflagen, wie dem Desinfizieren der Flugzeugcockpits bei Pilotenwechsel, dem Führen von Teilnehmerlisten oder der bereits genannten Maskenpflicht. „Die ersten Flüge haben dann aber einfach nur dankbar gemacht, für alles entschädigt und den Blick auf die schönen Dinge gelenkt, wie zum Beispiel die bunten Frühlingsfarben des Alpenvorlandes und die leuchtend türkise Farbe des Lechs. Und zu sehen, dass die Welt, zumindest aus der Vogelperspektive, immer noch die Gleiche ist, tat gut“, freut sich Eggler.

Weitere Lockerungen

Auch für die Besucher gibt es momentan noch Auflagen am Geratshof: Das Vereinsgelände und die Flugzeuge dürfen zur Zeit ausschließlich Mitglieder betreten und nutzen, im Bereich des Platzes sind die Verantwortlichen des Vereins ange­halten, Zuschaueran­sammlungen zu vermeiden. „Wenn hoffentlich bald weitere Erleichterungen kommen, freuen wir uns dann um so mehr, unseren Sport mit unseren Besuchern wieder teilen zu dürfen“, so Pressesprecher Janik Eggler.

Übrigens: Auch im Rahmen der Corona-­Auflagen seien Interessenten für die Segelflugausbildung, die man schon mit 14 Jahren beginnen darf, am Geratshof willkommen.

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