Interview mit dem Sportlichen Leiter des TSV Landsberg

Jürgen Meissner: „Ganz oder gar nicht!“

TSV Landsberg - Fussball - Jürgen Meissner
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Seit März 2021 Sportlicher Leiter beim TSV Landsberg: Jürgen Meissner.
  • Dietrich Limper
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Landsberg – Im März hat Jürgen Meissner den Job des Sportlichen Leiters beim TSV Landsberg von Muriz Salemovic übernommen. Der 42-jährige ist im Hauptberuf Elektrotechnik-Bauleiter und wohnt mit Frau und zwei Kindern Karlshuld im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Sein Heimatverein ist der VfR Neuburg, bei dem er sowohl auf als auch neben dem Platz aktiv war. Im ausführlichen Gespräch mit dem KREISBOTEN-Mitarbeiter Dietrich Limper redet Jürgen Meissner über seine fußballerische Karriere, was er mit dem TSV Landsberg erreichen möchte und seine Liebe zum FC Chelsea.

Wie ist denn deine aktive fußballerische Karriere verlaufen?

Meissner: „Ich habe in der Jugend beim VfR Neuburg und SV Karlshuld gespielt. Später dann wieder in der ersten Mannschaft des VfR Neuburg in der Bezirksliga. Wir haben damals einen richtigen Aufschwung erlebt, aber mein Problem war das linke Knie. Ich habe zwar immer wieder als Innenverteidiger ausgeholfen, aber mit 26 musste ich auf Anraten des Arztes leider aufhören.“

Dann war die aktive Zeit früh vorbei. Wie ging es danach mit dir und dem Fußball weiter?

Meissner: „Ich bin ein Fußball-Kranker und habe mir seinerzeit im Amateurbereich alles angeschaut. Einer meiner besten Freunde ist Martin Stanek und der hat mich als Mentor schließlich in die ganze Geschichte reingebracht. Für das Thema Sportliche Leitung interessiere ich mich seit vier oder fünf Jahren. Zu dieser Zeit war Martin Sportlicher Leiter beim VfR Neuburg und ich war quasi sein Assistent. Ich war bei jedem Spiel und Training dabei und habe eine Menge gelernt.“

Deine erste Station als Offizieller war beim FC Pipinsried als Betreuer für die Sponsoren?

Meissner: „Ja, den Laden habe ich dann mit Roman Plesche eineinhalb Jahre geschmissen. Wir sind in der Zeit aus der Regionalliga abgestiegen und danach haben Roman und ich den festen Entschluss gehabt, direkt wieder aufzusteigen. Und wo der Verein jetzt steht, kann jeder sehen. Pipinsried wird erneut aufsteigen. Ich denke, da haben wir gute Arbeit geleistet.“

Im Winter 2019 habt ihr aber bei Pipinsried aufgehört...

Meissner: „Roman und ich hatten das Angebot, die Sportliche Leitung bei einem Bayernligisten zu übernehmen und wir wollten gerne wieder was gemeinsam machen. Wir waren uns mit dem Verein so gut wie einig, aber dann bekam Roman eine Offerte vom Drittligisten Türkgücü München. Es war klar, dass er das machen musste.“

Du hast dann im März 2020 bei deinem Heimatverein als Sportlicher Leiter angefangen. Das ging aber auch nicht lange gut. Nach drei Monaten war Schluss.

Meissner: „Ich möchte dazu nur so viel sagen: Entweder mache ich eine Sache ganz oder ich mache sie gar nicht. Beim VfR Neuburg hat es einfach nicht gepasst. Außerdem hat mich zu dieser Zeit auch schon Muriz Salemovic angerufen und wollte mich nach Landsberg locken. Wir kannten uns von Pipinsried und er hat mir geschildert, welche Pläne der TSV hat. Ich musste dann doch länger überlegen, auch weil die Entfernung zu meinem Wohnort eine Rolle spielt und schließlich habe ich zu Muriz gesagt: Also wenn ich komme, dann möchte ich Gas geben. Die folgenden Gespräche mit Sebastian Gilg und Muri verliefen gut. Und seit Juli 2020 bin ich nun hier.“

Wie hast du den TSV Landsberg kennengelernt? Es war ja alles Neuland für dich.

Meissner: „Genau. Ich konnte Dennis Hoffmann und Sebastian Hollenzer als Verstärkungen von Pipinsried mitbringen, aber ansonsten kannte ich außer Muri niemanden. Die Anlage und das Umfeld hier sind hervorragend, aber die Spieler konnte ich ja gar nicht richtig kennenlernen. Es gab ein paar Vorbereitungs- und Ligaspiele, aber dann kam der nächste Lockdown. Und seit November letzten Jahres gebe ich Vollgas.“

Seitdem hat sich beim TSV dann auch viel verändert.

Meissner: „Das kann man wohl sagen. Ich habe Gespräche mit den Leuten geführt, die hier sind und mit vielen neuen Leuten. Ich habe Muri ganz klar gesagt, was ich vorhabe. Es soll nicht mehr gegen Abstieg gespielt werden, damit möchte ich nichts zu tun haben. Das ist ganz klar mein Ziel. Ich behaupte mal, dass ich in den letzten Monaten gute Arbeit geleistet habe.“

Es gibt jedenfalls viele neue Namen im Kader.

Meissner: „Ich verfüge über ein sehr gutes Netzwerk in Ingolstadt und München. Augsburg baue ich mir gerade auf und ich denke, ich bin auf einem guten Weg. Dafür gebe ich aber auch jeden Tag Vollgas. Ich gehe normal acht Stunden arbeiten, habe zwei kleine Kinder daheim und widme mich dennoch täglich dem TSV und tele­foniere abends sehr viel. Und ich hoffe, dass sich mein Einsatz am Ende auch auszahlt.“

Können denn alle im Verein dein Tempo mitgehen? Ziehen da alle mit?

Meissner: „Muri, Basti und Mike Hutterer ziehen auf jeden Fall mit. Wir sind zu viert auf einem guten Weg. Wenn man sich die Neuzugänge anschaut, dann kann sich jeder denken, wo es langgehen soll.“

Wie überzeugt man einen Steffen Krautschneider von einem Wechsel nach Landsberg?

Meissner: „Ich habe ihn im Herbst letzten Jahres einfach mal angesprochen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich nicht geglaubt, dass er wirklich kommt. Ich bin aber ein Typ, der nicht locker lässt – und irgendwann kam von ihm die Aussage, dass er sich diesen Wechsel vorstellen könnte. Der Rest war dann einfach harte Arbeit, denn wir waren ja nicht die einzigen, die ihn haben wollten.“

Eigentlich sind ja auch die Spieler, die letzten Sommer gekommen sind, noch Neuzugänge. Viel gesehen hat man von ihnen ja noch nicht.

Meissner: „Das stimmt. Lutz, Nikolic, Hoffmann – das sind für mich wirklich alles noch neue Spieler. Wenn man mal die Mannschaft und das Trainerteam von vor einem Jahr mit der heutigen vergleicht, da gibt es dann doch ein paar Änderungen.“

Nun gab es natürlich auch ein paar Abgänge, die nicht ganz geräuschlos waren.

Meissner: „Ich möchte wirklich lieber über die Zukunft reden als über die Vergangenheit. Aber wenn wir das Beispiel Martin Hennebach nehmen: den hätten wir unheimlich gerne behalten. Ein Super-Typ. Aber leider war es für ihn beruflich nicht zu machen. Für Julian Birkner gilt dasselbe. Wir konnten nicht alle Spieler halten, dann hätten wir einen Kader von 30 Spielern und das bringt nichts.“

Inzwischen ist zu erfahren, dass Kapitän Sebastian Bonfert auch nicht mehr für den TSV Landsberg auflaufen wird. Der Mann ist ja fast eine Ikone im Verein. Wie kam es dazu?

Meissner: „Bonfi hätten wir auch sehr gerne behalten. Es war seine Entscheidung, dass er nicht mehr für Landsberg spielen möchte. Nach den Gründen sollte man ihn besser selber fragen. Ich habe lange mit ihm telefoniert, aber konnte ihn nicht umstimmen.“

Muss denn der Kader jetzt noch verändert werden oder steht die Mannschaft soweit?

Meissner: „Auf der rechten Außenbahn muss noch was passieren und wir sind in Gesprächen mit verschiedenen Spielern. Aber im Moment kann ich dazu nichts Neues verkünden. Ansonsten sind wir überall gut besetzt. Ein oder zwei Spieler kommen vielleicht noch.“

Wie sind denn nun die Ziele des TSV Landsberg, wenn es denn mal wieder losgehen sollte? Im Moment darf man ja anhand der Inzidenzen vorsichtig optimistisch sein.

Meissner: „Also mein Ziel ist es ganz klar, dass wir nicht mehr in den Tabellenregionen spielen wie in den letzten Jahren. Mit dem Abstieg dürfen wir nichts mehr zu tun haben. Bei allen anderen Zielen bin ich vorsichtig, da möchte ich nach außen nicht zu viel kommunizieren. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen mal auf dem Platz stehen dürfen, damit sich die Spieler überhaupt kennenlernen können.“

Du bist ja sehr energisch und durchsetzungsstark. Damit müssen die Spieler und alle anderem im Verein auch erst einmal zurechtkommen.

Meissner: „Ich bin meiner Linie einfach treu, ziehe meinen Weg durch und lasse mich davon auch nicht abhalten. Ich sage jedem meine Meinung, aber ich bin immer offen für andere Meinungen. Wenn jemand ein Problem mit mir hat, kann er jederzeit auf mich zukommen. Nur wenn das hinten herum passiert, gefällt mir das nicht. Aber darüber brauchen wir gar nicht groß reden, das ist verschwendete Lebenszeit. Es herrscht Aufbruchsstimmung bei TSV Landsberg und wir setzen auf die Leute, die dabei mitmachen wollen.“

Dann noch eine unverfängliche Frage: Bist du Fan einer bestimmten Mannschaft?

Meissner: „Oh, das darf ich wahrscheinlich gar nicht sagen. Ich bin seit 1997 Mitglied beim FC Chelsea in London und durch und durch Fan. Mein Nachbar ist Engländer und der hat mich einmal zu einem Spiel mitgenommen. Das war ein Fehler, denn aus der Sache bin ich nicht mehr rausgekommen. Heute habe ich nicht mehr so viel Zeit, aber früher bin ich zu vielen Spielen geflogen.“

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen dir und dem TSV Landsberg alles Gute!

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