Sebastian Bonfert sagt „Servus!“

Der Kapitän des Bayernligisten TSV Landsberg geht von Bord

Sebastian Bonfert - TSV Landsberg - Abschied
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Sebastian Bonfert möchte nicht mehr für den TSV Landsberg spielen.
  • Dietrich Limper
    vonDietrich Limper
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Landsberg – Diese Nachricht wird bei den Fußballfans des TSV Landsberg wahrscheinlich einschlagen wie eine Bombe: Der langjährige Kapitän und die Identifikationsfigur Sebastian „Bonfi“ Bonfert verlässt den Verein auf eigenen Wunsch. Das letzte Angebot des Sportlichen Leiters Jürgen Meissner lehnte er ab.

209 Punktspiele hat der heute 33-jährige Landsberger für den TSV bestritten. Dabei kam er auf 88 Tore, 33 Assists und trug viele Jahre die Kapitänsbinde des Bayernligisten. Der schlaksige Mittelfeldspieler war ein echter Stratege und Dirigent, mit einem guten Blick für den Mitspieler. Er konnte ein Spiel lesen und war dabei stets torgefährlich und zweikampfstark. Mit Sebastian Bonfert verliert der Verein eine Ikone und einen Kicker, der auch neben dem Platz stets engagiert war und unverhohlen seine Meinung kundtat.

Auf die Verantwortlichen des TSV Landsberg ist Bonfi nicht mehr gut zu sprechen: „Es ist einfach traurig, dass sich niemand an die Abmachungen erinnern möchte, die wir vor eineinhalb Jahren getroffen haben. Ich wollte meine Karriere sehr gerne beim TSV beenden und mich anschließend in der sportlichen Leitung einbringen. Von all dem konnte Jürgen Meissner natürlich gar nichts wissen, als er mir ein Angebot gemacht hat. Jürgen möchte ich da wirklich ausnehmen, aber andere Leute haben mir klare Zusagen gemacht, die nun nicht mehr gelten.“

Bereits in der Saison 2007/08 bestritt Bonfert seine ersten Spiele für den TSV, bevor er kurz für den FC Memmingen aktiv war. Von 2008 bis 2012 erlebte er den Aufstieg der Lechstädter in die Landesliga, kickte anschließend erneut für den FC Memmingen, sogar in der Regionalliga, bevor er 2016 wieder zurück nach Landsberg kam. Sein Blick geht nicht im Zorn zurück, sondern ist eher von Traurigkeit geprägt: „Alles, was nun im Verein passiert, ist einfach nicht mehr mein Ding. Mir blutet bei diesem Abschied mein Herz, aber wenn man sieht, dass der TSV in 24 Spielen drei Trainer verschlissen hat, dann kann irgendwas nicht stimmen. Man sagte mir zwar, dass man mit mir plant, aber dann werden dauernd neue Leute für zentrale Positionen verpflichtet. Die Bedingungen passen einfach nicht mehr. Und wenn ich mich wirklich überwinden muss, um zum Training zu fahren, dann musste ich die Sache beenden.“

Er habe durchaus Verständnis für den Weg, den die neue Vereinsführung einschlagen möchte, aber der habe nichts mehr damit zu tun, was noch vor wenigen Monaten verkündet worden war: Es sollte mit jungen Spielern aus der Region etwas aufgebaut werden, auch um für Identifikation zu sorgen. Sebastian Bonfert sieht für sich keine echte Perspektive mehr beim TSV und bemängelt den Umgang mit altverdienten Spielern. „Von der alten Mannschaft ist doch bald niemand mehr da. Statt dessen wird ein Spieler zurückgeholt, von dem man einmal gesagt hat, dass er nicht zum TSV passen würde. Dann gibt es Leute im Verein, die ihre Funktion und Position nach Lust und Laune wechseln können, und die Außendarstellung war in der letzten Zeit auch eher miserabel. Nein, das ist nicht mehr mein TSV. Ich bin im Moment einfach nur sehr traurig darüber, dass es so ein Ende nimmt.“

Bonfert vermutet, dass er der letzte auf der Personalliste für die Kaderplanung war, mit dem gesprochen wurde. Und das auch nur telefonisch, obwohl er nur zehn Minuten vom Vereinsheim entfernt wohnt. Der Umgang miteinander habe sich in den letzten Monaten sehr verändert: „Der TSV Landsberg kann diesen Weg gerne gehen, aber ohne mich. Wohin meine Reise geht, weiß ich noch nicht. Erst einmal freue ich mich jetzt auf die Zeit mit meinen drei Mädels daheim. Fußball ist nicht alles im Leben.“

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