Kickt David Anzenhofer wieder am Lech?

Landsberg, Florida, Schwaben und wieder zurück

David Anzenhofer - TSV Landsberg
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Immer Vollgas, nicht nur im Trikot der Fighting Knights: David Anzenhofer, der zum TSV Landsberg zurückkehren will.
  • Toni Schwaiger
    vonToni Schwaiger
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Landsberg – Muriz Salemovic ist ein optimistischer Mensch. Der sportliche Leiter der Fußballabteilung des TSV 1882 Landsberg plant unverdrossen für den Rest der Saison und sogar schon darüber hinaus. Für den Fall, dass die Pandemie ihren Griff lockert und der TSV wieder in den Spielbetrieb kommt und den Abstieg aus der Bayernliga vermeidet, hat er einen Spieler an der Angel, der in Landsberg bereits deutliche Spuren hinterlassen hat.

An David Anzenhofer erinnern sich Fans und Verantwortliche des TSV Landsberg sicherlich gerne. Der Innenverteidiger erreichte in der Aufstiegssaison 2018/2019 eine schier unglaubliche Bilanz: Er leistete sich bei 34 Spielen in der Landesliga Bayern Südwest keinen einzigen Fehlschuss bei 17 Elfmetern und kam insgesamt auf 23 Treffer. Wohl gemerkt – als Innenverteidiger! Es wäre untertrieben, zu sagen, dass er unter dem damaligen Spielertrainer Muriz Salemovic erheblichen Anteil am Aufstieg in die Bayernliga hatte. Und die Ironie der Geschichte verlangt es, dass er sich mit einem verschossenen Elfmeter aus Landsberg verabschiedete.

Natürlich ließ man den heute 27-Jährigen nur ungern ziehen, aber der Verein war machtlos, denn Anzenhofer hatte ein Sportstipendium in Florida, USA, erhalten. Fortan schnürte er seine Schuhe für die Fighting Knights der Lynn University, 30 Kilometer nördlich von Miami, und studierte außerdem Unternehmensmanagement. „Es war eine echt coole Zeit“, erinnert er sich im Telefongespräch mit dem KREISBOTEN, „morgens ein paar Stunden an der Uni. Danach sechsmal die Woche um 13.30 Uhr zum Training und den Abend zur freien Verfügung. Und eigentlich schien immer die Sonne.“

Immer Vollgas

Kein Wunder – im sogenannten „Sunshine State“ Florida. Kaum begann die Saison, spielte er als Stammspieler zwei- bis dreimal pro Woche und das war durchaus kräftezehrend, wie er berichtet: „Die Regeln sind in den USA ein bisschen anders. Die Spieler können aus- und wieder eingewechselt werden. Also rannten die Stürmer wie die Verrückten bis sie platt waren. Dann kam ein frischer Mann, gab auch wieder Vollgas, und wenn er müde wurde, kam der erholte Stürmer wieder zurück. Und da ich fast immer 90 Minuten durchgespielt habe, war das eine harte Nummer.“

Trotzdem war Anzenhofer mit den Knights erfolgreich und nachdem er diverse regionale Titel gewonnen hatte, flog die Mannschaft schließlich im Privat­jet zum Halbfinale der National Championship nach Pittsburgh. Das Spiel auf ungewohntem Kunstrasen ging mit 1:3 verloren, aber die Erfahrungen möchte Anzenhofer nicht missen: „Das Niveau kann man mit der Bayernliga vergleichen, aber das Tempo ist durch die besagte Regel natürlich viel höher. Es war eine fantastische Zeit und ich habe viele tolle Menschen kennengelernt.“

Nachdem die Saison im Winter 2020 beendet war, zog es ihn, vor allem der Freundin wegen, wieder zurück in die Heimat nach Wertingen im Landkreis Dillingen an der Donau. Mit seinem Coach bei den Knights in Florida war vereinbart, dass er zum Saisonstart im Sommer wieder in die USA reisen würde. Doch dann kam Corona und auch jenseits des großen Teichs wurden alle Wettbewerbe verschoben.

Schwere Verletzung

Im Frühjahr 2020 arbeitete David Anzenhofer hauptberuflich in einer Spedition und kickte derweil beim FC Gundelfingen in der Landesliga Bayern Südwest. Die Mannschaft eilte von Erfolg zu Erfolg und führt die Tabelle derzeit mit sechs Punkten Vorsprung an. Nach der Corona-­Pause verletzte sich der Innenverteidiger in einem Testspiel schwer: Kreuzbandriss – der absolute Albtraum für jeden Fußballer. Seit der Operation im September vergangenen Jahres befindet er sich in der Reha und hofft darauf, im Mai wieder voll angreifen zu können.

Und dann rief sein alter Kumpel Muriz Salemovic aus der Lechstadt an und versuchte, ihm ein erneutes Engagement beim TSV Landsberg für die Saison 2021/22 schmackhaft zu machen. Anzenhofer erzählt: „Er hat es schließlich geschafft, mich zu überzeugen, aber es war wirklich eine sehr schwere Entscheidung. Den Ausschlag hat schließlich die Tatsache gegeben, dass ich wieder mit meinen alten Kumpels Sebastian Schmeiser, Branko Nikolic und natürlich Muriz kicken kann. Wir haben ja schon beim FC Memmingen in der Regionalliga gemeinsam auf dem Platz gestanden.“

Bayernliga muss sein

Der sportliche Leiter ist begeistert: „David ist schnell, zweikampfstark und hat eine überragende Mentalität. Er geht auch in jedem Training voran und ist einfach eine tolle Persönlichkeit. Wir können uns glücklich schätzen, dass er im Sommer wieder zu uns kommen will.“ Doch einen Haken hat der Transfer, wie Anzenhofer sagt: „Wenn der TSV aus der Bayernliga absteigt, wird nichts aus dem Wechsel. Das ist so vereinbart. Ich fahre nur die weite Strecke zum Training, wenn Landsberg weiterhin in der Bayernliga spielt.“

Muriz Salemovic hat die passende Antwort: „Ich bin noch nie in meinem Leben mit irgendeinem Team abgestiegen. Das soll auch so bleiben.“ Alle Fans des TSV Landsberg klopfen nun wohl dreimal auf Holz und hoffen, dass die Corona-Pandemie eine Fortsetzung des Liga­betriebes im April überhaupt möglich macht. Darauf hat Salemovic ausnahmsweise mal keinen Einfluss.
Dietrich Limper

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