Kein Abbruch für die aktuelle Saison. Aber:

Fußball im Landkreis Landsberg: Die Saison 2020/21 fällt aus

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In der nächsten Saison bleibt der Ball wohl liegen.

Landsberg/München – Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat in der vergangenen Woche weitreichende Entscheidungen getroffen: Die Saison 2019/20 wird nicht abgebrochen, die Saison 2020/21 hingegen fällt aus. Ein zusätzlicher Ligapokal ist noch nicht beschlossen, sondern liegt nur als Vorschlag auf dem Tisch. Eine Petition im Internet, die Unterschriften für den Abbruch der aktuellen Saison sammelt, wird wahrscheinlich wirkungslos bleiben.

Überraschend kam die Entscheidung am vergangenen Freitag nicht mehr, aber sie bleibt kontrovers. Die Saison 2019/20 wird definitiv zu Ende gespielt. Zunächst wird der Spielbetrieb am 1. September wieder aufgenommen und läuft bis Ende Oktober. Nach der Winterpause werden die restlichen Spiele im April und Mai 2021 über die Bühne gebracht. Der BFV begründet das in einer Presseerklärung: „Ein Abbruch hätte mit Aufsteigern aus den beiden Bayernligen zu einer Aufstockung der Liga auf mindestens 19 Vereine bedeutet, was im Umkehrschluss eine Saison mit mindestens 38 Spieltagen (ohne Nachholtermine, Relegation, Toto-Pokalwettbewerb) bedeuten würde. Ein auf dieser Basis vom BFV vorgestellter Rahmenterminkalender wurde von keinem Verein infrage gestellt – jedoch als nicht machbar eingestuft. Die Entscheidung beinhaltet auch, dass das Saisonfinale im Erwachsenenbereich in jedem Falle im Frühling 2021 durchgeführt wird und somit den Vereinen und deren Zuschauern gesicherte Termine für die attraktivsten Spiele des Jahres geboten werden.“

Auch wenn viele Vereine diesem Modell schon vor Wochen zugestimmt haben, bleibt Unmut zurück. Beim TSV Landsberg etwa hatte man sich für die Bayernliga Süd eine andere Vorgehensweise gewünscht. Abteilungsleiter Sebastian Gilg erklärt: „Wir hätten uns den Saisonabbruch gewünscht, aber akzeptieren nun die Entscheidung. Wir betrachten den Re-Start im September praktisch als neue Saison und werden uns auch so darauf vorbereiten.“

Fraglich bleibt allerdings die Situation um den Wechsel von Muriz Salemovic. Gilg gibt sich allerdings hoffnungsvoll: „Das Wechselfenster wird nun behandelt wie die Transfers im Winter. Wir brauchen also die Zustimmung des FC Pipinsried. Da die aber sicher aufsteigen werden, hoffen wir auf ein Entgegen­kommen von deren Seite.“

Ligapokal mit Aufstiegschance

Die vom BFV ins Leben gerufene Lösungs-Arbeitsgruppe (LAG) „Spielbetrieb Liga und Pokal Verbandsebene“ erarbei­tete nun einen weiteren Vorschlag. Sie empfiehlt staffel–interne Ligapokale mit Vor-, Zwischen- und Finalrunde, die während der spielfreien Zeiten des Ligaspielbetriebs ausgetragen werden und an deren Ende die jeweiligen Sieger (Bayernliga Nord und Süd) in einem Finalspiel um einen direkten Aufstiegsplatz in die Regionalliga Bayern spielen. Zudem ist eine Verzahnung mit der Saison 2021/22 im Toto-Pokal-Wettbewerb auf Verbandsebene angedacht.

Verbands-Spielleiter Josef Janker dazu: „Der Ligapokal wäre aus meiner Sicht ein sehr attraktives Zusatzangebot, der durch den Regionalliga-Aufstiegsplatz und die direkte Verknüpfung mit dem Toto-Pokal-Wettbewerb ohne Frage einen hohen sportlichen Wert besitzt. Das sehen auch die Vereine der Bayernliga so. Die Resonanz auf den in der LAG erarbeiteten Vorschlag war sehr positiv – kein einziger Klub hat sich gegen die Durchführung eines Ligapokals ausgesprochen.“

Dem stimmt Sebastian Gilg zu: „Ich finde diesen Pokal gut, denn wenn wir nun bis Juni 2021 nur zwölf Spiele hätten, wird es schwer die Spannung innerhalb der Mannschaft beizubehalten. Immer nur Training reicht irgendwann nicht mehr. Die Jungs sind Fußballer und wollen den Wettbewerb. Für uns stellt der Ligapokal einen weiteren Anreiz dar.“

Petition als Stimmungsbild

Dass keineswegs alle Vereine mit der Fortsetzung der Saison einverstanden sind, zeigt eine Petition im Internet. Unter der Überschrift „Abbruch der Saison 2019/2020 in den bayerischen Amateurfußball-Ligen“ sucht Dirk Schaefer nach Gleichgesinnten. Der Abteilungsleiter beim niederfränkischen FC Stein initiierte diese Umfrage. Das Ziel von 7.500 Unterschriften wurde relativ zügig erreicht. Stand 15. Juni haben 8.071 Menschen dieser Forderung zugestimmt. Rechtliche Auswirkungen hat diese Petition freilich nicht, wie Schaefer einräumt: „Wir könnten theoretisch auch eine Million Stimmen haben, aber wenn der BFV sagt, dass er seine Entscheidung getroffen hat, dann ist das so. Wenn allerdings mehr als 1.500 bayerische Vereine, also ein Drittel, unterschreiben würden, gäbe es die Möglichkeit einen außerordentlichen Verbandstag einzuberufen.“ Aktuell wäre man froh, eine Stellungnahme des BFV zur Petition zu erreichen.

Schaefer fährt fort: „Uns war von Anfang an klar, dass wir mit dieser Petition nur wenige Chancen haben werden, weil ja vom BFV schon Entscheidungen getroffen worden sind. Wir möchten aber deutlich machen, dass gerade die kleinen Vereine mehr mit ins Boot geholt werden müssten.“

Die BFV-Pressestelle auf Anfrage des KREISBOTEN: „Wir kennen die Petition, nehmen sie ernst und stehen auch mit dem Initiator in Kontakt. Es ist uns klar, dass wir es nicht allen recht machen können. Unsere Entscheidungen geben das aktuelle Meinungsbild der Mehrheit der Vereine wider. Die Petition wird keinen Einfluss mehr auf unsere Entscheidungen haben.“ Dirk Schaefer bedauert das: „Was nun stattfindet, ist Wettbewerbsverzerrung. Es werden Mannschaften gegeneinander spielen, die dann völlig anders besetzt sind, als in der Vorrunde.“

Alle Planungen hängen natür­lich grundsätzlich davon ab, wie sich die Corona-Pandemie entwickeln wird.
Dietrich Limper

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