Der HC Landsberg in der Eishockey-Oberliga

Wenn die dummen Sprüche des Gegners nerven

Markus Jänichen - HC Landsberg
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Markus Jänichen geht auch in der nächsten (Oberliga-)Saison für die Riverkings des HC Landsberg aufs Eis.
  • Dietrich Limper
    VonDietrich Limper
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Landsberg – Im Hauptberuf arbeitet Markus Jänichen als Fachlehrer in München und unterrichtet Sport, Wirtschaft und Technik, in seiner Freizeit geht der 31-Jährige für die Riverkings des HC Landsberg aufs Eis – zuletzt in der Oberliga. Im Gespräch mit dem KREISBOTEN lässt er die vergangene Spielzeit Revue passieren: Über Strafzeiten, persönliche Ziele, fehlende Zuschauer und die Stimmung in der Kabine.

Seine Eishockeykarriere begann Jänichen mit vier Jahren in Landsberg, wechselte 2006 zur U20 nach Königsbrunn und war danach in Germering, Memmingen und erneut Königsbrunn, bevor er 2019 von den Schongau Mammuts zurück nach Landsberg kam. Wenn er nicht auf dem Eis steht, spielt er gerne eine Runde Golf mit Teamkollege Tobias Wedl, segelt auf dem Ammersee oder bringt Kids in Ferien-Camps Fußball bei. In der abgelaufenen Saison der Oberliga Süd, die die Riverkings auf dem letzten Platz beendeten, absolvierte er 33 Spiele. Er kam auf vier Assists, einen Treffer und verbrachte 50 Minuten auf der Strafbank, was ihm im ligaweiten „Bad Boy Ranking“ den 7. Platz einbrachte.

Die Saison ist gespielt. Die River­kings sind mit sieben Punkten abgeschlagen Letzter geworden. Welches Gefühl bleibt nach dieser Spielzeit?

Jänichen: „Erst einmal bin ich froh, dass die Saison vorbei ist, denn die körperliche Belastung war doch sehr hoch. Für mich persönlich gehe ich mit einem guten Gefühl aus der Spielzeit. Sportlich und mannschaftlich war es sicher etwas schwierig. Der Tabellenplatz ist natürlich ein harter Brocken, aber wir haben viel mitgenommen und einiges gelernt.“

Es ging Anfang November los mit der Oberliga, wo du auch noch nie gespielt hast. Wie war die Vorbereitung für dich?

Jänichen: „Es war erst einmal ein gutes Gefühl, denn wir hatten schon öfter gegen Oberligisten gespielt. Aber dann stimmte die Motivation und ich habe oft meine besten Spiel abgeliefert. Und natürlich musste ich mich fragen, ob ich in meinem Alter diesen Schritt noch einmal wagen soll. Aber ich habe es mir zugetraut und mir auch viele Ratschläge geholt. Im Sommer habe ich mit meinem Vater Sondertrainings absolviert und das war der Grundbaustein für mich. Wenn ich es angehe, dann auch richtig.“

Wie waren die ersten Spiele?

Jänichen: „Gerade zu Saisonbeginn war die Fitness enorm wichtig. Das Spiel ist einfach schneller. Aber man darf dann auch nicht nur rennen, denn das bringt nichts. Es muss mehr mit dem Kopf gearbeitet werden und man muss alles dosieren, damit man nicht zu viele Fehler macht. Wir sind mit viel Euphorie in die Saison gestartet und haben gedacht, dass es in die richtige Richtung gehen könnte.“

Einer Heimniederlage zum Auftakt gegen Füssen, folgte der 7:1-Auswärtssieg in Lindau. Alles schien gut...

Jänichen: „Im ersten Spiel sind wir überrannt worden und waren ein bisschen geschockt. Wir haben uns dann zusammengesetzt und über Wille, Kampfgeist und Emotionen gesprochen. In Lindau lief es dann wirklich gut und danach haben wir gedacht: Es kann losgehen. Wir sind in der Oberliga angekommen. Aber dann kam die zweiwöchige Zwangspause und wir bekamen einen wahnsinnigen Knick in der Leistung. Als wir wieder aufs Eis durften, war es wie ein neuer Saisonstart.“

Dann hattet ihr alle drei Tage ein Spiel und es begann die Phase der vielen Strafzeiten. Ward ihr gelegentlich auch übermotiviert?

Jänichen: „Es war vieles ungeschickt und wir Spieler haben auch manche Situation falsch eingeschätzt. Wir wollten viel leisten, Gas geben und körperlich spielen, aber das alles muss man dann auch richtig einsetzen. Wir sind vielleicht mit zu viel Power und Aggressivität in die Spiele gegangen. Ja, man kann das auch übermotiviert nennen.“

Es gab dann ein paar deftige Packungen, wie gegen Rosenheim, Füssen und Peiting. Habt ihr da nicht auch mal gedacht: Was soll der ganze Quatsch? Was machen wir in dieser Liga?

Jänichen: „Ganz so extrem war es nicht, aber wir hatten mal ein echtes Tief nach einem Spiel gegen Peiting. Danach haben wir uns zusammengesetzt und gesagt: So kann es nicht weitergehen! Natürlich hat man gemerkt, dass die Ergebnisse an der Psyche nagen. Aber wir haben nie komplett den Glauben verloren, denn wir wussten, dass wir uns in die Saison rein arbeiten und etwas lernen mussten. Wir haben mehr mit uns gehadert, weil wir wussten, dass wir es besser können. Wir haben auch einfach nicht verstanden, wieso manche Spiele innerhalb weniger Minuten komplett gekippt sind. Das kannten wir aus der Bayernliga nicht. Die Qualität ist dann in der Oberliga doch eine andere: Da werden Großchancen einfach genutzt.“

Ihr habt als Amateure auch oft gegen Profis gespielt. Das merkt man dann auch, oder?

Jänichen: „Wir sind ja fast eine Juniorenmannschaft, die gegen Erwachsene spielt. Da fehlte gerade den jungen Spielern auch ein bisschen die Präsenz auf dem Eis. Das war für uns alle neu, denn auch wir älteren Spieler hatten kaum Oberligaerfahrung.“

Wie sehr konnte der Trainer euch überhaupt noch motivieren? Im Grunde ist es doch immer die gleiche Ansprache: Lasst euch nicht hängen! Oder musste sich die Mannschaft selbst anspornen?

Jänichen: „Beide Trainer mussten sich mit der Situation auseinandersetzen und daran wachsen. Sie haben immer versucht, uns einen positiven Impuls zu geben. Wir wussten genau, welche Fehler wir abstellen mussten. Wir mussten die einfachen Dinge richtig machen, aber das war für viele Spieler schwierig umzusetzen. In der Defensive haben wir zu oft gegnerische Spieler frei stehen lassen. Und in der Offensive habe ich immer gesagt: Wir müssen ein ganzes Haus bauen, um ein Tor zu schießen, während wir an die Gegner Geschenke verteilen.“

Stand überhaupt noch Zeit für Spielanalysen zur Verfügung? Ihr seid ja eigentlich von Spiel zu Spiel gehetzt.

Jänichen: „Doch, doch. Die Trainer haben sich da sehr viel Mühe gegeben und wir haben Videos analysiert. Außerdem gab es Einzelgespräche vor und nach den Spielen. Die Trainer sind daran verzweifelt, dass viele Dinge besprochen, aber einfach nicht umgesetzt wurden. Oftmals klappten die Vorgaben auch eine ganze Weile während eines Spiels und wir dachten, wir könnten mitspielen, aber das ging dann nach hinten los. Jeder muss einfach seine Aufgaben erledigen und darf nicht anfangen, was Besonderes machen zu wollen. Und dann kam noch dazu, dass wir unsere Chancen nicht genutzt haben, wodurch die Gegner mental stärker wurden und sich dachten: Die Riverkings schießen hier eh kein Tor. Das war dann der Genickbruch für uns in vielen Spielen.“

Durftet ihr euch denn dumme Sprüche von den Gegnern anhören?

Jänichen: „Ja, besonders gegen Peiting gab es immer wieder die Kommentare, dass wir doch in der Bayernliga besser auf­gehoben seien. Aber das ist Alltagsgeschäft. Gegen Füssen und Memmingen kam das auch mal vor, aber von den anderen Teams gab es Lob und das hat uns mental gut getan. Wir wussten dann, dass wir nicht völlig neben der Spur sind.“

Die letzten Wochen waren allerdings ganz ordentlich. Es gab weniger Strafzeiten und ihr wirktet konzentrierter.

Jänichen: „Das war ein Lernprozess, der leider länger gedauert hat. Irgendwann kam dann das Geschick hinzu, dass wir wussten, wie wir uns besser verhalten können. Es gab auch Spiele, wie gegen Regensburg, wo wir Spielzüge gezeigt haben, die das ganze Jahr nicht zu sehen waren. Auf einmal ist das Selbstvertrauen wieder da und man geht positiv aufs Eis. Und wir hatten auch genug Erfahrung mit Niederlagen gesammelt, die haben uns nicht mehr so beeinflusst (lacht).“

Es ist schon erstaunlich, dass ihr euch trotz der Niederlagen immer wieder aufgerafft habt. Ich denke, das hat jeder irgendwie bewundert.

Jänichen: „Für mich war das auch komisch. Wenn ich in den Jahren davor so viele Niederlagen kassiert hätte, wäre ich vielleicht auch mal an den Punkt gekommen und hätte gesagt: Es reicht! Jetzt habe ich keinen Bock mehr! Vielleicht war es aber auch die Ausnahmesituation mit Corona. Wir waren alle einfach froh, dass wir überhaupt spielen konnten. Deshalb waren wir immer wieder bereit, aufs Eis zu gehen und zu arbeiten.“

Wie sehr haben euch die Zuschauer gefehlt?

Jänichen: „Enorm. Gerade ich habe das immer geliebt, egal ob zuhause oder auswärts. Ein volles Stadion ist für mich eine starke Motivation. Es hat echt weh getan, wenn ich aufs Eis gefahren bin und es war nichts los.“

Hättet ihr mit Zuschauern mehr Punkte geholt?

Jänichen: „Die Frage haben wir uns in der Kabine auch immer wieder gestellt. In manchen Spielen hätten uns die Zuschauer sicherlich geholfen. Aber es gab auch Partien, da hätte uns der Unmut der Zuschauer vielleicht noch mehr in die Niederlage getrieben.“

Deine persönliche Entwicklung wurde vom Verein honoriert, du wirst weiter für den HCL spielen.

Jänichen: „Nach den ersten schwierigen Wochen, war es für mich eine positive Entwicklung. Ich habe gemerkt, dass ich in der Oberliga mitspielen kann und fühlte mich nicht verloren auf dem Eis, nach dem Motto: Was mache ich hier!? Ich habe mental einen großen Schritt nach vorne gemacht. Ich bin froh, dass die Gespräche mit den Verantwortlichen so gut gelaufen sind und ich noch ein weiteres Jahr für meinen Heimatverein auflaufen kann.“

Was bleibt hängen von der Saison? Gibt es Momente, an die du dich gerne erinnern wirst?

Jänichen (lacht): „ Ja, wir sind nicht die schlechteste Mannschaft, die je in der Oberliga gespielt hat. Das haben wir vermieden. Natürlich denke ich an die zwei Siege zurück, aber das schönste war es, mit alten Teamkameraden und Freunden noch einmal in Landsberg gespielt zu haben. Und die Mannschaft war in sich geschlossen und hat zusammengehalten. Wir haben uns auch manchmal gefragt, ob der Teamgeist wirklich so gut ist, wie er nach außen kommuniziert wurde. Wenn wir uns untereinander noch gestritten hätten, wäre die Saison anders verlaufen. Es sind Freundschaften entstanden. Wir sitzen in einem Boot und müssen zusammenhalten.“

Markus, wir bedanken uns für dieses Gespräch und wünschen alles Gute für die nächste Saison in der Oberliga!

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