Karatesportler Claus Fröhlich

Wenn sich Karate und Jura ergänzen

Karate Landsberg Claus Fröhlich
+
Wäre er Fußballer, könnte er eine Bundesligamannschaft trainieren: Claus Fröhlich, Karate-Trainer (6. Dan) und -Abteilungsleiter beim TSV Landsberg.
  • Toni Schwaiger
    VonToni Schwaiger
    schließen

Landsberg – Es ist nicht zu glauben, dass der heute 49-jährige Modellathlet Dr. Claus Fröhlich in jungen Jahren ein unsportlicher Bub war. Der gebürtige Landsberger versuchte sich beim Basketball, American Football, in der Leichtathletik und beim Fußball, aber er war „zu groß und ungelenk“, sagt er selbst. Mit 15 entdeckte er Judo und kam darüber zwei Jahre später zum Karate in der Abteilung des TSV Landsberg. Hier blühte er auf und war in seinem Element. Im vergangenen Jahr legte er in Berlin die Prüfung zum 6. Dan (Meistergrad) in der Stilrichtung Shotokan ab. Nur eine Handvoll Sportler in Bayern habe es so weit gebracht. Und Fröhlich wiederholt dies Leistung heuer im Stil Kyusho-­Jitsu, wo er nun ebenfalls den 6. Dan hält.

Parallel zu seiner sportlichen Karriere studierte Fröhlich Jura in München und Augsburg, wo er 2007 promovierte. Er lernte die englische Justiz in London und Newcastle kennen und machte den Master, arbeitete kurz in einer Kanzlei in München, bevor er 2008 damit begann, in seiner Heimatstadt zu praktizieren. Derzeit arbeitet Claus Fröhlich mit Nachdruck an der Qualifikation zum Fachanwalt für Arbeitsrecht. Die Abteilung Karate beim TSV Landsberg und leitet er seit nunmehr 20 Jahren. Im Gespräch mit dem KREISBOTEN berichtet der 49-Jährige von seinem sportlichen Werdegang und welchen Einfluss die Kampfkünste auf seine Arbeit als Anwalt hat.

Herr Fröhlich, wie sind Sie nach den Ausflügen zu anderen Sportarten zum Karate gekommen?

Fröhlich: „Zunächst habe ich durch einen Schulfreund Judo kennengelernt, aber weil ich dort der Größte war, musste ich immer mit dem Trainer auf die Matte. Das hat mir nicht besonders gefallen und ich bin zum Taekwondo gewechselt. In der gleichen Halle beim TSV war aber auch die Karate-Abteilung unter der Leitung von Dr. Nicotra. Nachdem ich das ausprobierte hatte, wusste ich: das ist es!“

Was genau ist denn Karate? Ein Kampfsport oder eine Kampfkunst?

Fröhlich: „Man kann es sowohl Sport als auch Kunst nennen. Es ist ein komplexes und vielschichtiges Thema. Wäre es nur Sport, dann müsste man zwischen 15 und 25 Jahren auf dem Höhepunkt seines Könnens sein. Mein Lehrer in Italien ist aber 86 Jahre alt und der macht das immer noch. Davor habe ich extremen Respekt und man kann sagen, dass der Sport nur einen Ausschnitt der Kampfkunst abbildet.“

Wie nahm dann die Karriere bei Ihrem Trainer Dr. Nicotra ihren Lauf?

Fröhlich: „Ich wohnte in der Nähe der Halle und bin sehr oft zum Training gegangen. Die ersten Gürtel habe ich relativ schnell gemacht, aber bis zum 1. Dan dauerte es acht Jahre. Das war dann der Knackpunkt, wo sich gezeigt hat, dass ich vielleicht ein bisschen mehr Talent als die anderen hatte. Ich habe einige Trainer-Aufgaben übernommen und im Jahr 2000 hatte Dr. Nicotra keine Zeit mehr und ich wurde in Abwesenheit, denn ich war in London, zum Abteilungsleiter gewählt.“

Wie und wo haben Sie weitere Trainerlizenzen und Ausbildungen gemacht?

Fröhlich: „Ich habe mich beim Deutschen Karate Verband und Olympischen Sportbund weiter entwickelt. Die A-Lizenz kann man damit vergleichen, dass ich beim Fußball eine Bundesligamannschaft trainieren dürfte.“

Wie kam es dann 2019 zu ihrer Prüfung im 6. Dan?

Fröhlich: „Es gibt im Karate durch die historische Entwicklung verschiedene Stilrichtungen und Schulen mit anderen Techniken und Formen. Ich habe mich für Shotokan entschieden und da ist es sehr selten, dass man bis zum 6. Dan kommt. Die Zulassung zu dieser Prüfung ist ungefähr genauso schwer, wie die Prüfung selbst. Nur einmal im Jahr tagt die Bundesversammlung und entscheidet, wer zur Prüfung antreten darf. Nachdem ich diese Schwelle überschritten hatte, dauerte es noch einmal zwei Jahre bis zur eigentlichen Prüfung, aber diese Vorbereitungszeit konnte ich auch brauchen.“

Ein Jahr später folgte dann auch noch der 6. Dan Kyusho-Jitsu. Was stellen wir uns darunter vor?

Fröhlich: „Bei diesem Stil handelt es sich um eine übergreifende Kampfkunst, die viele Elemente aus der chinesischen Medizin beinhaltet. Man lernt alles über Energie- und Vitalpunkte und wie man Techniken effizienter einsetzen kann. Salopp gesagt kann mit dieser Kampfkunst ein eher schmächtiger Mensch gegen einen viele Kilo schwereren Kontrahenten gewinnen, indem er die Stellen am Körper kennt, die besonders empfindlich sind.“

Sie trainieren seit vielen Jahren in Italien. Wie kam es dazu?

Fröhlich: „2005 habe ich auf einer Veranstaltung eben jenen 86-jährigen Japaner Hiroshi Shirai kennengelernt, den man getrost als lebende Legende bezeichnen darf. Er ist Gründer des ,SCI Shotokan Cultural Institute‘ in Italien und hält den 10. Dan. Er ist einer der letzten authentischen Meister des Shotokan und der Lehrer, bei dem ich viele Prüfungen abgelegt habe.“

Ich habe gelesen, dass sie auch noch „Chief Instructor“ für die Stilrichtung Kobudo sind. Um was handelt es sich dabei?

Fröhlich: „Kobudo lehrt Karate mit dem Einsatz von historischen Waffen des Alltags. Warum soll ich nur mit den Händen kämpfen, wenn ich einen Stock benutzen kann? Hier halte ich seit 2016 den 3. Dan und bin Mitbegründer, Landesrepräsentant sowie Technischer Direktor für Deutschland der ,IMKA International Matayoshi Kobudo Association‘.“

Haben Sie denn auch schon eine Reise nach Japan unternommen? In das Heimatland all dieser Stilrichtungen?

Fröhlich: „Diese Reise war für 2021 geplant, denn Karate sollte zum ersten Mal Teil der Olympischen Spiele in Japan sein. Leider hat mir Corona nun ein Strich durch die Rechnung gemacht, aber dieser Trip wird so schnell wie möglich nachgeholt.“

In Deutschland engagieren Sie sich außerdem als Gewaltschutztrainer für Kinder und Jugendliche. Was machen Sie da genau?

Fröhlich: „Wir gehen zum Beispiel in Schulen und bringen den Kindern durch Rollenspiele bei, wie sie in unangenehmen Situationen bestehen können. Dabei müssen sie ohne Körperkontakt lernen ‚Nein‘ zu sagen und sich nicht einschüchtern zu lassen.“

Welchen Einfluss hat der Sport auf ihren Alltag und das Berufsleben als Rechtsanwalt? Profitieren Sie davon?

Fröhlich: „Natürlich, denn bei Karate geht es ja auch besonders um die Psyche. Ich kann mich sehr klar auf unterschiedliche Situationen einstellen und darauf konzentrieren. Ich kenne und akzeptiere meine eigenen Schwächen. Und die Situation bei Gericht ist einem Wettkampf ähnlich: Es gibt einen Kontrahenten und einen ,Kampfrichter‘. Ich beobachte und setze meine Strategien so ein, dass sie zur Situation passen. Disziplin, Ausgeglichenheit und Respekt sind immer hilfreich. Und im Alltag ist man generell selbstbewusster und kann sicherer auftreten, wenn man weiß, dass man sich auch körperlich verteidigen kann.“

Bei all diesen Aktivitäten muss natürlich die Frage gestellt werden, ob Sie überhaupt ein Privatleben haben?

Fröhlich (lacht): „Zum Glück tickt meine langjährige Lebensgefährtin Julia Kienzl genau wie ich und hat selbst den 3. Dan Karate, den 3. Dan Kyusho Jitsu und den 1. Dan Kobudo. Anders würde das auch nicht funktionieren. Ich möchte mich aber trotzdem für ihre Geduld mit mir bedanken. Und beim TSV Landsberg möchte ich mich bedanken, dass ich seit vielen Jahren dort arbeiten und trainieren darf. Leider haben wir in unserer Abteilung durch die Pandemie rund 25 Prozent der Mitglieder verloren. Aber ich hoffe auf bessere Zeiten.“

Herr Fröhlich, wir bedanken uns für das überaus interessante Gespräch.
Dietrich Limper

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Judoka Thomas Zrenner ist Deutscher Meister
Landsberg
Judoka Thomas Zrenner ist Deutscher Meister
Judoka Thomas Zrenner ist Deutscher Meister

Kommentare