Wenn die Magerwiese aufblüht

In Ellighofen werden Magerwiesen seit 30 Jahren vom LBV Landsberg gepflegt

Magerwiesenfläche in Ellighofen
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Unspektakulär, könnte man meinen. Aber auf der Magerwiesenfläche in Ellighofen sind zahlreiche Tiere und Pflanzen der Roten Liste – zum Beispiel die kleine Traubenhyazinthe oder die Arzneischlüsselblume – zu finden.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Ellighofen – Der Name „Magerwiese“ ist eigentlich irreführend. Denn ‚mager‘ ist das tierische Leben auf diesen Flächen ganz und gar nicht – vor allem, wenn sie gehegt und gepflegt werden. So wie beispielsweise eine 500 Meter lange und 20 Meter breite Fläche bei Ellighofen, die die Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) nun schon seit 30 Jahren betreut. Und auf der sich inzwischen zahlreiche tierische und pflanzliche Arten tummeln, die auf der Roten Liste stehen.

„Die Magerwiesen, die der LBV bei Ellighofen betreut, gehören Landwirten, die die Flächen aber nicht nutzen“, erklärt Natur- und Umweltpädagogin Thea Wolf vom LBV Landsberg. Denn die Wiesen liegen am Lechhang, relativ steil – landwirtschaftliche Nutzung ist da eher mühsam. Aaber auch die Pflege der Magerwiesen durch den LBV ist nicht ohne. Den Start machte 1991 Landschaftsökologe Gerhard Suttner mit der Kartierung des Gebietes. Zugeordnet wurde das Gelände den Kalkmagerrasen, extensiv genutzte, arten- und blütenreiche Grasland- oder Grünland-Biotope, deren Vegetationsbestand inzwischen durch das Naturschutzgesetz geschützt ist. Die Qualität des Geländes sei damals aber noch ziemlich schlecht gewesen, erinnert sich Sutter: „Das war eher ein komplett verfilzter Altgrasbestand.“

Nach der Kartierung fragte die Untere Naturschutzbehörde den Gartenbauingenieur Hans Streicher – inzwischen im Ruhestand –, ob er die Fläche pflegen könne. Streicher stimmte zu. Am Anfang habe er dort aber erst einmal Müll weggeräumt, erzählt Sutter. Damals sei man eben noch nicht so sorgsam mit der Entsorgung gewesen.

„Hans Streicher hat das Gelände 20 Jahre fast allein gepflegt“, sagt Wolf. Erst in letzter Zeit bekomme er Hilfe. Die ist nötig, denn die Magerwiesen müssen mit einem Balkenmäher gemäht werden, erklärt Claudia Thornton vom LBV – am steilen Hang eine nicht ganz so einfache Arbeit. Und danach muss das Mähgut ja auch noch abgerecht werden.

Gemäht wird die gesamte Fläche einmal pro Jahr, aber in drei bis vier zeitlich versetzten Etappen, sodass immer genug Brachestreifen für Insekten stehenbleiben. Vor allem in der kalten Jahreszeit müssen die Tiere ausreichend Lebensraum zum überwintern haben. „Streicher schaut sich den Pflanzenstand auf den Flächen vor jedem Mähen deshalb genau an, bevor er beschließt, was wann und wie gemäht wird“, sagt Thornton. Manchmal tue das schon weh, die bunten Wiesenpflanzen abzumähen. „Aber es muss sein.“ Jede Pflegemaßnahme störe auch, sagt Suttner. Aber wenn so eine Magerwiese nicht gepflegt wird, verbuscht sie – und entwickelt sich letztendlich zu Wald. Das Gebiet in Ellighofen habe man gerade noch rechtzeitig erwischt.

Zauneidechse: auf der Roten Liste Bayern als gefährdet eingestuft.


Um andere Magerwiesen aufzupäppeln, auf denen der Pflanzenbestand nicht so reich ist wie in Ellighofen, werden die Samen mittels einem speziellen Gerät abgebürstet und gesammelt. Mit diesem Saatgut könne man andere Flächen „beimpfen“, sagt Suttner. Allerdings regional stark eingeschränkt, da die Vegetation ja doch unterschiedlich ist – weshalb das Saatgut aus Ellighofen vom LBV auch nur im allerengsten Umkreis ausgebracht wird. Zum Beispiel auf der Fläche oberhalb des Hanges, die Hans Streicher zum Abpuffern der Magerwiese gegen die dortigen Ackerflächen gekauft hat.

Auf dem Lechfeld werden einige Gebiete mit Schafen beweidet. Früher hätten das Wanderschäfer gemacht: „Die Schafe haben auf dem Gelände nur gefressen und waren abends auf einem Acker im Pferch.“ Weshalb nicht allzu viel Kot auf der Wiese liegenblieb. Der Acker sei dabei schön gedüngt worden: „Damit haben Schäfer Geld verdient.“ Den Streifen in Ellighofen zu beweiden, sei aber schwierig, sagt Suttner. Dazu müsste er abgezäunt und die Schafe müssten über die umliegenden Wiesen und Äcker getrieben werden – was natürlich nicht möglich ist.

Der Lechhang setzt sich auch über die 500 Meter LBV-Magerwiese fort. Eine direkte Erweiterung ist aber nicht möglich. Denn teilweise hat sich dort schon Laubwald gebildet, den zurückzuroden mache keinen Sinn, sagt Suttner. „Aber Richtung Norden und im Süden gibt es noch geeignete Magerwiesenflächen.“ Die mit in die Pflege aufzunehmen, wäre „durchaus überlegbar.“

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