Julian Nagelsmann im Interview:

»Auf der Insel der Glückseligen«

Julian Nagelsmann
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Da geht‘s lang! Julian Nagelsmann ist mit RB Leipzig bereits dritte Kraft in der Fußball-Bundesliga und blickt zuversichlich nach vorne. Der Erfolgstrainer liebt es, mit jungen Spielern zu arbeiten, die er noch formen kann.
  • Toni Schwaiger
    vonToni Schwaiger
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München/Issing – Mit gerade mal 33 Jahren ist Julian Nagelsmann einer der begehrtesten Trainer im Weltfußball. Derzeit sorgt er mit RB Leipzig für Furore – nicht nur in der Bundesliga. Seinen familiären Lebensmittelpunkt hat er derzeit in München – aus seiner Sicht nur einen Steinwurf entfernt von der alten Heimat Issing. Für den KREISBOTEN sprach Manuel Bonke mit dem Erfolgs­trainer.

Herr Nagelsmann, Sie wohnen mit Ihrer Familie in München. Durch ihren Job haben Sie die vergangenen Jahre in Hoffenheim und Leipzig gelebt. Wann wird ein Ort für Sie zur Heimat?

Nagelsmann: „Wenn man sich an diesem Ort wohlfühlt und sich auch ein bisserl auskennt. Man kann sich irgendwo schnell heimisch fühlen, aber es gehört mehr dazu, etwas seine Heimat zu nennen. Wenn ich etwas als Heimat bezeichne, dann weiß ich: Wo kann ich hin, wenn ich zum Einkaufen, ins Schwimmbad, zum Sport oder mit den Kindern auf den Spielplatz will? Diese alltäglichen Dinge, gepaart damit, sich an Ort und Stelle wohlzufühlen – das ist für mich Heimat. Und auch Leipzig macht es einem einfach, sich wohl zu fühlen. Leipzig ist eine tolle, interessante Stadt mit sehr netten Menschen.“

Was macht München für Sie zur perfekten Heimat?

Nagelsmann: „Meine Frau und ich sind dort in der Region geboren und aufgewachsen. Dann darf man die Schönheit der Stadt auch nicht außer Acht lassen und die vielen Freunde, die in und um München leben. Ich liebe auch die Nähe zu den Bergen und den Kontrast, den diese Stadt bietet: Auf der einen Seite das Großstädtische und auf der anderen Seite das viele Grün durch den Englischen Garten oder die Isarauen.“

Sie werden, neben Ihren Fähigkeiten als Trainer, auch wegen ihrer Münchner Heimat immer wieder als Bayern-Trainer der Zukunft dargestellt. Nervt das?

Nagelsmann: „Grundsätzlich ist der FC Bayern ein Riesen-Verein und der erfolgreichste Klub Deutschlands. Wenn dein Name da genannt wird – auch wenn es nur medial ist – ist es ja besser, als wenn dein Name nicht genannt wird. Nerven tut es nicht, da das alles sehr abstrakt ist.“

Warum?

Nagelsmann: „Oft liest man im Fußball ja, dass etwas schon viel konkreter gewesen wäre, als es wirklich war. Außerdem hat Bayern München in Hansi Flick, zu dem ich einen sehr guten Draht habe, einen sehr erfolgreichen Trainer. Er macht einen Top-Job.“

Dann bleibt es bei der einzig bekannten Bayern-Anekdote, dass Ihnen Dietmar Hopp zu Hoffenheimer Zeiten einen Wechsel in die Jugendabteilung des FCB verwehrte.

Nagelsmann: „Das war damals noch nicht abzusehen, dass die Entscheidung, die absolut richtige werden würde. Zu diesem Zeitpunkt waren es in beiden Klubs ähnliche Voraussetzungen. In die Heimat zurückzukommen und eine gute U17-Mannschaft bei Bayern München zu trainieren, wäre reizvoll gewesen. Ich bin aber froh, dass Alexander Rosen und Dietmar Hopp damals die Weitsicht hatten und mir den Cheftrainer-Weg schon prognostiziert haben. Das bedurfte großen Mut von ihnen und ein gewisses Vertrauen in meine Person. Aber auch Vertrauen in sich selbst, die Idee durchzuziehen. Darum war es am Ende der bessere Weg, als nach München zu gehen.“

Ist trotz Ihrer Zeit in Hoffenheim und Leipzig noch etwas typisch münchnerisch?

Nagelsmann (schmunzelt): „Zu meinem Spieler Christopher Nkunku sage ich ,Griaß di‘, wenn ich ihn sehe und ,Pfiat di‘, wenn ich gehe. Er sagt das dann in seinem französischen Akzent zurück – das ist ganz witzig. Meine Liebe zur Weißwurst ist nach wie vor ungebrochen. Das gleiche gilt für meine Liebe zu den Bergen.“

Heimat ist da, wo man sich wohl fühlt, sagt Julian Nagelsmann, und kommt gerne nach Issing zurück, um dort etwa beim Hobbyturnier den Sieger zu küren.

Warum sind Sie so ein Bergkind?

Nagelsmann: „Meine Familie hatte eine Hütte in den Bergen. Da waren wir jedes Wochenende, wenn es die Zeit zuließ. Die Berge geben einem ein demütiges Gefühl: Diese schiere Größe, diese unglaubliche Ruhe, die dort herrscht. Die Berge können dir den Tod bringen, aber dir gleichzeitig zu innerem Frieden verhelfen. So geht es mir zumindest. Kein Müll, keine Menschenmassen, keine Autos: Diese Reinheit und Freiheit, das liebe ich einfach.“

Was ist Ihr Hausberg?

Nagelsmann (überlegt): „Grundsätzlich das Ochsenälpe­leskopf in dem Ammergauer Alpen, wo unsere Hütte war. Das ist jetzt kein spektakulärer Berg, aber daran habe ich einfach sehr viele Kindheitserinnerungen – vor allem an meinen Papa, weil wir dort gemeinsam viel Zeit verbracht haben. Für mich war das ein sehr prägender Berg. Die Alpspitze finde ich auch wunderschön zum Hochgehen. Das ist ein Klassiker, aber immer wieder beeindruckend.“

Und wenn Sie mit dem Mountainbike in den Bergen unterwegs sind: Lieber Berg rauf oder Berg runter?

Nagelsmann: „Die Mischung macht‘s! Ich würde jetzt nie mit der Gondel hoch und mit dem Mountainbike runter – oder umgekehrt. Es hängt immer ein bisserl von der Tagesform ab: Ich quäle mich gerne den Berg hoch und versuche, dort an die Grenzen zu gehen. Wenn ich das mache, ist die Abfahrt meistens nicht so spektakulär. Wenn ich bergauf Kraft spare, versuche ich eine Abfahrt zu wählen, die etwas spektakulärer ist. Man darf nicht vergessen, dass Berg runter fahren auch sehr anstrengend sein kann, wenn man es gescheit macht.“

Neben dem Bergsport wird ihnen auch eine große Leidenschaft für Eishockey nachgesagt.

Nagelsmann: „Ich bin in Landsberg geboren und habe beim damaligen EV Landsberg drei Jahre lang bei den Knaben gespielt. Als ich schon beim FC Augsburg Fußball gespielt habe, bin ich parallel zum SV Apfeldorf in die Natureis-Liga gewechselt. Das war cool: Während der Fußballspiele unter der Woche hatte ich am Wochenende dann noch ein Eishockeyspiel.“

Wo haben Sie die ersten Erfahrungen im Eishockey gesammelt?

Nagelsmann: „Wir hatten in Issing, wo ich groß geworden bin, so einen typisch bayerischen Weiher, der früher den ganzen Winter über zugefroren war. Dort hat sich in den Weihnachtsferien das ganze Dorf getroffen und den ganzen Tag gehackelt, bis es dunkel wurde. Ein geiler Sport, der sehr viel Action bietet, cool zum Anschauen ist – aber noch cooler zum selber spielen!“

Wie schwierig ist es in der aktuellen Zeit, wenn Sie den Großteil der Zeit in Leipzig verbringen und die Familie in München nicht sehen?

Nagelsmann: „Ich glaube, für mich ist es manchmal leichter als speziell für meinen Sohn. Natürlich ist es nett, wenn wir uns via Facetime auch mal über die Distanz sehen können. Aber für beide ist es schöner, wenn ich bei ihm bin und wir zusammen etwas unternehmen. Das ist schon hart. Er fragt manchmal, warum ich Fußballtrainer bin und keinen anderen Beruf habe. Ich kann es nachvollziehen, weil es für ihn nicht einfach zu verstehen ist, warum der Papa so viele Tage im Jahr nicht daheim ist. Das ist dann nicht immer super angenehm, das ist klar. Manchmal tut es schon weh, wenn man sieht, dass er am Telefon traurig ist und du nicht unterstützend bei deiner Familie sein kannst.“

Die Corona-Pandemie erschwert das Familienleben zusätzlich.

Nagelsmann: „ Wir müssen ja alle einen Weg finden, mit der Corona-Pandemie umzugehen. Es ist für uns alle schwer. Wir alle schaffen das nur gemeinsam und daran glaube ich auch fest. Und mir ist bewusst: Es gibt Schicksale und Familien, die es deutlich schlechter haben als wir.“

Sie haben einen Teil Ihres Gehalts schon vor Corona durch Ihr Engagement bei Common Goal gespendet.

Nagelsmann: „Mir ist das wichtig, weil ich einschätzen kann, dass ich auf einer Insel der Glückseligkeit leben darf. Ich habe einen tollen Job, der viel Interesse nach sich zieht, durch den man viele Vorteile hat. Und natürlich habe ich auch eine monetäre Situation, die außergewöhnlich ist. Viele Menschen stehen vor großen Problemen, nicht nur monetär, sondern auch gesundheitlich oder psychisch. Demnach finde ich es wichtig, dass Menschen, denen es besser geht, soziale Verantwortung zeigen

Bei Common Goal engagieren sich bereits viele Profi-Fußballer.

Nagelsmann: „Das war auch ein Grund, warum ich mich Common Goal angeschlossen haben. Es ist eine ziemlich große Bewegung und somit steckt dort eine gewisse Power dahinter. So kann man große Projekte unterstützen, weil auch viel Geld zur Verfügung steht. Ich spende aber auch darüber hinaus regelmäßig etwas und versuche, einen persönlichen Bezug zu den Leuten zu haben, denen ich etwas spende. Wenn in meinem Umfeld etwas passiert, versuche ich auch hier meine Mitmen­schen zu unterstützen. Weil ich weiß, dass es mir besser als Vielen geht und ich nicht alles brauche, was ich habe. Dieses Glück möchte ich teilen.“

Finden Sie, dass der Fußball seine Wucht genutzt hat, um soziale Aufmerksamkeit während er Corona-Pandemie zu generieren?

Nagelsmann: „Es waren viele gute Aktionen dabei. Ich glaube aber auch, dass viele Fußballer oder Sportler sich engagieren, ohne dass sie in der Öffentlichkeit erscheinen – weil nicht jeder darüber sprechen will oder muss. Trotzdem ist es ab einem gewissen Punkt aber auch wichtig, Dinge öffentlich zu machen. So wie es Joshua Kimmich und Leon Goretzka mit ,We kick Corona‘ gemacht haben. Um einfach Aufmerksamkeit herzu­stellen und andere Leute zu animieren, bei solchen Aktionen mitzumachen. Das war das richtige Zeichen. Ich finde es auch gut, dass der Fußball auf Basis des Hygienekonzepts stets versucht hat, weiterzuspielen.“

Warum?

Nagelsmann: „Wenn die Leute jetzt im Lockdown wieder zu Hause bleiben müssen, können sie zumindest Bundesliga anschauen. Für viele ist Fußball ein begeisternder Sport und eine extreme Leidenschaft, der zumindest für 90 Minuten ablenken kann. Klar, wenn sich jemand nicht für diesen Sport interessiert, kann er es nicht nach­vollziehen, warum Fußballer ihren Beruf ausüben dürfen und manch andere Leute nicht. Das verstehe ich auch.“

Dreht sich das Rad im Fußball durch Corona langsamer?

Nagelsmann: „Die finanziellen Einbußen sind im Fußball, wie auch in anderen Branchen, nicht von der Hand zu weisen. Die grundmonetäre Voraussetzung ist im Fußball oft eine andere gewesen und das ist der springende Punkt, weshalb Bundesliga-Klubs aktuell noch besser überleben können als andere Wirtschaftsunternehmen. Weil in dieser Branche einfach unglaublich viel Geld vorhanden ist. Trotzdem muss auch der Fußball seine Lehren aus der Krise ziehen. Ich habe schon das Gefühl, dass sich alles etwas langsamer dreht und trotzdem dreht sich das Rad noch weiter. Das ist für uns das bedeutende und wichtige. In Zukunft werden viele Klubs aber mit mehr Bedacht agieren.“

Können Sie der Corona-Pandemie etwas Positives abgewinnen? Was ist Ihr Lichtblick im Lockdown?

Nagelsmann: „Wenn man sieht, wie viele Menschen weltweit unter der Corona-Pandemie gesundheitlich leiden, gar sterben oder unverschuldet in wirtschaftliche Not geraten, dann kann man dem Ganzen nichts Positives abgewinnen. Wenn überhaupt, dann dass der Großteil der Bevölkerung versucht zusammenzustehen. Der Großteil versucht, diese Krise gemeinschaftlich zu lösen.

Natürlich gibt es Demonstra­tionen von Leuten, die es anders sehen und diese Meinungen auch kundtun. In den meisten Fällen ist es ja befruchtend, dass es unterschiedliche Meinungen gibt, sie diskutiert werden und man irgendwann einen Konsens findet. Dadurch steigt grundsätzlich das Niveau der Meinung. Aber ich bin froh, dass sich in Deutschland gefühlt 99 Prozent an die Maßnahmen halten und man merkt, dass man gemeinschaftlich auch eine Krise überwinden kann.

Das sollte man als Positives aus der Corona-Krise mitnehmen: Dass man auch in guten Zeiten, wenn die Pandemie hoffentlich bald überstanden ist, gemeinschaftlich Dinge voranbringen kann. Und nicht nur zusammensteht, wenn ein rauer Wind weht. Das ist mein Lichtblick im Lockdown.“

Profisportler dürfen ihrem Beruf nachgehen, viele andere Menschen nicht: Wissen Ihre Spieler, wie privilegiert sie sind oder müssen Sie manchmal nachhelfen?

Nagelsmann: „Das wissen sie schon. Man muss zwei Dinge beachten: Wir haben ein Hygienekonzept an das sich die Vereine zu 100 Prozent halten und es auch zu 100 Prozent bezahlen. Wir sind seit fünf Monaten mit den gleichen 30 Personen zusammen – und andere dürfen nicht in unsere Blase rein. Es gibt einige Spieler, die haben seit einem Jahr ihre Eltern und Familien nicht gesehen, weil sie schlichtweg nicht nach Hause reisen durften. Der Fußball ist privilegiert, er tut aber auch etwas dafür.“

Sind Sie überrascht, dass sich RB Leipzig so schnell als dritte Kraft in der Bundesliga etabliert hat?

Nagelsmann: „Es ist natürlich rasend schnell gegangen und auch nicht nur mit finanziellem Impact, wie viele meinen, sondern auch mit vielen richtigen Entscheidungen. Wenn man unseren Kader sieht: Forsberg, Poulsen und Sabitzer und viele weitere sind schon ewig hier. Unsere komplette Startelf hat so viel gekostet, wie Paul Pogba damals Manchester United. Da sieht man schon, dass es völlig verschiedene Welten sind. Klar weiß ich auf der anderen Seite aber auch, dass gerade zu Zweitliga-Zeiten in einem Jahr mehr Geld investiert wurde als bei allen anderen Zweitliga-Klubs zusammen.“

Das muss sich RB häufig von Kritikern vorwerfen lassen: Dass Geld keine Rolle spielt.

Nagelsmann: „Klar, du kannst gewisse Entscheidungen nur treffen, wenn du einen gewissen monetären Hinter­grund hast. Aber: Du kannst mit diesem monetären Hintergrund auch viel Geld verblasen, wenn du die falschen Entscheidungen triffst. Oliver Mintzlaff und Ralf Rangnick haben einfach sehr viele gute Entscheidungen in den vergangenen Jahren getroffen. Deswegen entwickelt es sich auch in die richtige Richtung. Trotzdem glaube ich, dass es vermessen wäre zu sagen, man hat damit kalkuliert, dass RB in vier Jahren dreimal international spielt und bis ins Champions-League-Halbfinale kommt. Das wäre blauäugig gewesen.“

Stichwort Champions-League-­Halbfinale: Warum passen Julian Nagelsmann und RB Leipzig so gut zusammen?

Nagelsmann: „Weil ich gerne mit jungen Spielern zusammenarbeite. Ich lieb‘s, wenn Spieler noch nicht komplett fertig sind und man sie noch entwickeln kann. Und die Spieler wiederum bereit sind, neue Dinge und Entwicklungen anzunehmen. Und wir uns dann zusammen weiterentwickeln. Ich glaube, dass der Übernahmezeitpunkt auch ein sehr guter war, weil der Klub mit einer sehr stringenten Art Fußball zu spielen sehr erfolgreich wurde und jeder auch Lust hatte, neue Dinge zu lernen, die wir mit reingebracht haben. Das haben die Jungs erreicht, weil sie hungrig sind, immer mehr wollen und nie zufrieden sind. So wie ich. All das zusammen macht uns erfolgreich.“

Hoffenheim und Leipzig sind junge Vereine, in denen man Dinge auch gut vorantreiben kann. Können Sie sich trotzdem vorstellen, auch mal für einen Klub zu arbeiten, dessen Strukturen festgefahren sind?

Nagelsmann: „Das wird früher oder später zwangsläufig mal so kommen, dass bei mir auch mal ein Klub dabei ist, der andere Strukturen hat als Hoffenheim oder Leipzig. Ich habe Leipzig nicht ausgewählt, weil es ein junger Klub ist, sondern weil hier die Chance groß ist, etwas bewegen zu können. Aber nur weil ein Verein eine langjährige Tradition oder hunderttausend Mitglieder hat, heißt das nicht, dass er sich nicht weiterentwickeln kann. Das ist immer abhängig von den handelnden Personen und deren Mut, gewisse Pfade zu verlassen und neue zu entdecken. Es gibt ja auch Traditionsvereine, die immer wieder neue Wege gehen.“

Inwiefern?

Nagelsmann: „Das kann unterschiedlich aussehen. Angefangen beim Spielstil bis hin zur Struktur im Klub, wo man neue Entwicklungen zulässt. Ich glaube selbst die Geschäftsstelle des FC Bayern erlebt immer mal wieder eine kleine Revolution. Dort ist auch nicht mehr alles so, wie es vor sieben oder acht Jahren war. Wenn ein Klub mit einer großen Tradition neue Impulse zulässt, kann das auch eine große Power entwickeln. So wie es unser Achtelfinal-Gegner Liverpool vorlebt.“

Was gefällt Ihnen am Verein von Jürgen Klopp?

Nagelsmann: „Sie haben eine große Anhängerschaft in Europa und auf der ganzen Welt – und dementsprechend eine riesige Tradition. Sie haben aber auch einen Investor. Irgendwann hat der Verein angefangen, sich zu öffnen und gesagt: Jürgen Klopp, komm zu uns, bring neue Ideen und ein Team mit – und verändere vielleicht die Stimmung in der Geschäftsstelle. Versuche, deinen größtmöglichen Impact zu haben. Trotz Tradition. Und das macht am Ende des Tages vielleicht einen erfolgreichen Klub aus.“

Geht‘s Ihnen eigentlich manchmal zu schnell mit Ihrer Trainerkarriere? Immerhin mussten Sie bisher kaum mit Rückschlägen umgehen.

Nagelsmann: „ Naja, ich habe Hoffenheim damals in einer Mega-Krise übernommen und wir hatten elf Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Da war jetzt nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen. Es herrschte ein enorm psychischer Druck. Also bin ich schon mal damit umgegangen, kann in Zukunft aber gut und gerne darauf verzichten. Natürlich weiß ich, dass meine Karriere steil verläuft und in die richtige Richtung geht. Ich weiß aber auch, dass ich viel dafür investiere und mir nicht alles in den Schoß fällt.“

Was ist Ihnen wichtiger: Die Stärken des eigenen Teams herausstellen oder den Gegner umfassend analysieren?

Nagelsmann: „Das Wichtigere ist, die Stärke der eigenen Mannschaft herauszustellen. Dafür bedarf es aber einer Gegner-Analyse. Wenn ich mich jetzt vorm Spiel entscheiden müsste, ob wir uns auf unsere Stärke oder die des Gegners konzentrieren, würde ich mich für unsere Stärke entscheiden. Auch, weil die Spieler damit komfortabler sind und mehr Vertrauen in sich haben. Ab einem gewissen Niveau eines Klubs oder eines Spielers, den du trainierst, ist die eigene Stärke wichtiger als die größte Schwäche des Gegners. Ich sage immer: Ich analysiere den Gegner, um unsere Philosophie in einer maximal hohen Effizienz auf den Platz zu bringen.“

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