Moto2-WM-Pilot Marcel Schrötter im Interview

"Künftig kann ich befreiter fahren"

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Einfach nur happy: Motorrad-WM-Pilot Marcel Schrötter hat in San Marino seinen ersten Podestplatz in der Moto2-WM erzielt. In der Serie liegt er jetzt auf Rang 7.

Pflugdorf – Der Bann ist gebrochen. Moto2-Pilot Marcel Schrötter (25) erkämpft sich beim Grand Prix von San Marino erstmals einen Platz auf dem WM-Podium, wird Dritter. Am Tag nach seinem großen Triumph gibt er auf vier Rädern Gas, düst an der spanischen Küste entlang zur nächsten WM-Station im spanischen Alcañiz. Zwischen Kurven und Tunneln – inklusive Funklöchern – nimmt sich der Pflugdorfer Zeit für den KREISBOTEN. Im Interview spricht er über seine Gefühle nach dem Rennen, seine Zeit in der Heimat und die Rambo-Aktion von WM-Kollege Romano Fenati.

Herr Schrötter, haben Sie die Feierlichkeiten nach dem größten Erfolg Ihrer Karriere gut überstanden?

Schrötter: (lacht) „Die Party nach dem Rennen ist nicht so groß ausgefallen, wie Sie sich das vielleicht vorstellen. Ich bin lediglich gemeinsam mit dem Team noch etwas länger in der Box gesessen, habe im kleinen Rahmen etwas gefeiert. Aber nichts Wildes. Die Saison ist noch nicht zu Ende. Und ich habe noch einiges vor.“

Party auf Sparflamme also. Dafür dürfte Ihr Handy nach dem Rennen aber so richtig Alarm gemacht haben?

Schrötter: „Es war der Wahnsinn. Ein paar Stunden nach dem Rennen hatte ich schon 190 Nachrichten drauf. Über den Abend verteilt sind noch viele dazu gekommen. Insgesamt dürften es gut über 250 Nachrichten gewesen sein. Da merkt man erst, wie viele Leute die Rennen wirklich verfolgen, mit einem mitfiebern.“

Gab’s auch Glückwünsche von Ihren alten Spezln aus der Heimat?

Schrötter: „Die gab’s. Ich habe immer noch viele gute Bekannte hier. Als ich in meiner Jugend noch bei der EA Schongau Eishockey spielte, habe ich ja von Oktober bis Februar quasi in Schongau gelebt (lacht). Ich spiele übrigens immer noch ein bisserl Eishockey. Bei einer Hobby­mannschaft in Landsberg.“

Wie wichtig war der erste Podestplatz für Sie persönlich?

Schrötter: „Ich war einfach nur erleichtert, es endlich geschafft zu haben. Natürlich auch happy. Aber das Gefühl der Erleichterung hat überwogen. Ich bin heuer schon so oft ganz nah dran am Podest, im Training immer sehr schnell gewesen. Ich wusste auch immer, dass ich die Pace habe, um in die Top-3 zu fahren. Nur hat es im Rennen nie gereicht. Bis jetzt. Ab sofort wissen auch alle, dass mit mir ganz vorne zu rechnen ist.“

Fährt es sich mit Platz 3 im Rücken künftig auch etwas entspannter?

Schrötter: „Auf jeden Fall. Bisher war es oft so, dass ich meine Position abgesichert habe, vielleicht nur 98 Prozent gegeben habe, weil ich keinen Ausfall riskieren wollte. Auch am Sonntag. Ich hätte vielleicht sogar gewinnen können, wollte aber unbedingt den Podestplatz absichern. Künftig kann ich befreiter fahren.“

Hinter Ihnen im Feld gab es eine irre Aktion: Der Italiener Romano Fenati* griff bei einem Überholmanöver bei 217 km/h seinem Landsmann Stefano Manzi in die Vorderradbremse. Ihr Urteil?

Schrötter: „So etwas zu machen, ist lebensgefährlich. Ich habe auf der Strecke zwischendurch auf die Monitore geschaut und da wurden die zwei einge­blendet. Ich habe mir schon gedacht, das machen sie nicht ohne Grund, da beide hinten lagen. Nach dem Rennen war die Aktion Gesprächsthema Nummer eins. Alle haben nur darüber gesprochen. Ich habe mir dann in der Box die Wiederholung angeschaut. Wahnsinn. Er geht eindeutig gezielt auf die Bremse und spielt mit dem Leben des anderen. Er hätte sich überschlagen können. Die Strafe (Fenati wurde für zwei Rennen gesperrt, die Red.) ist zu gering. Für mich müsste er die gesamte Saison gesperrt werden. Außerdem sollte er eine saftige Geldstrafe erhalten.“

Als Laie fragt man sich, wie ist eine derartige Aktion bei dieser hohen Geschwindigkeit überhaupt möglich?

Schrötter: „Das Rübergreifen an sich ist kein Problem. Das geht schon. Die Bremse so stark zu greifen, ist das Gefährliche. Unsere Bremsen sind sehr empfindlich eingestellt, man muss mit viel Gefühl arbeiten. Wenn man voll zugreift, wie in dieser Aktion, verliert man die Kontrolle. Und dann geht alles ganz schnell. Es kann alles mögliche passieren.“

Thomas Fritzmeier

* Anmerkung der Redaktion: Romano Fenatis Team „Marinelli Rivacold Snipers“ hat seinen Skandal-­Piloten vergangene Woche gefeuert. Auch seine Sponsoren haben sich abgewendet, Verträge gekündigt. Genauso wie sein geplanter Arbeitgeber ab 2019, das „Forward Racing Team“. Daraufhin erklärte Fenati seinen Rückzug aus dem Motorradrennsport.

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