Training mal ganz anders

Triathlet ohne Freiflauf: Virtuell nach Alp d‘Huez

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Noch läuft er. Der Kauferinger Triathlet Tom Weikert vor kurzem im Trainingscamp auf Lanzarote.

Kaufering/Landsberg – Eigentlich hatte Tom Weikert (46), Bereitschaftspolizist, große Pläne für dieses Jahr. Doch dann kam das Corona-Virus und die damit verbundenden Beschränkungen. Im Gespräch mit dem KREISBOTEN erzählt der Triathlet von geplatzten Träumen und einer gespenstigen Hotelanlage auf den Kanaren.

Herr Weikert, Sie sind seit vielen Jahren aktiver Sportler. Wie kamen Sie zum Triathlon?

Weikert: „Ich habe wie die meisten mit Fußball angefangen, außerdem Tennis und Tischtennis gespielt. Irgendwann bin ich dann durch die Arbeit bei der Polizei zum Triathlon gekommen. Und nachdem ich beim Fußball vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert werden sollte, hat mir Triathlon besser gefallen. 1995 habe ich in Türkheim an meinem ersten Wettkampf teilgenommen. Und 1996 ging es dann richtig los.“

Wie ging es weiter?

Weikert: „Ich habe am Liga­betrieb teilgenommen und war 1999 in der 1. Bundesliga. Mit im Team war unter anderem Faris Al-Sultan, der 2005 als dritter Deutscher den Ironman-Triathlon auf Hawaii gewann.“

Sie sind nun 46. Sind Sie nun bei den Senioren?

Weikert: „Es gibt natürlich verschiedene Altersklassen, aber ich versuche gerne, die jungen Burschen zu ärgern. Bei ländlichen Wettbewerben schaffe ich es immer noch unter die ersten Drei in der Gesamtwertung. Und im letzten Jahr habe ich mich noch für die WM in Nizza qualifiziert, das war ein Riesen-Event. Es geht schon noch was, wenn man ein bisschen nach Plan trainiert.“

Was stand für dieses Jahr auf dem Programm?

Weikert: „Es sollte ein sehr wichtiges Jahr werden. Mein Ziel war der Ironman in Frankfurt, wo ich mich für Hawaii qualifizieren wollte, denn da war ich noch nie. Das war mein großes Ziel. Es lief auch alles gut, meine Trainingsleistungen stimmten und mein Trainer war zufrieden. Ich bin 2020 insgesamt 60 Kilometer geschwommen, 2.300 km auf dem Rad gesessen und 600 km gelaufen. Das wäre sicher noch mehr geworden, aber nun ist durch die aktuelle Situation die Luft raus. Der Wettbewerb in Frankfurt ist zwar noch nicht abgesagt, aber darauf läuft es hinaus. Nun widme ich mich der Familie, vor allen Dingen dem Sohnemann.“

Wie halten Sie sich in Zeiten der Krise fit?

Weikert: „Ich laufe mal eine Runde, um auf andere Gedanken zu kommen. So halte ich mich fit und es stärkt das Immunsystem. Radeln kann ich mittlerweile virtuell im Keller. Da gibt es eine Trainingsplattform, die momentan von vielen genutzt wird. Ich kann da auch Radrennen fahren. Wenn ich wollte, alle 24 Kehren von Alpe d‘Huez.“

Die Auswirkungen von Corona haben Sie in den letzten Wochen hautnah erlebt...

Weikert: „Genau. Ich war als einer von vier Trainern mit 34 Schützlingen in einem Triathlon-­Trainingslager auf Lanzarote. Das sollte vom 13. bis 27. März gehen, aber schon am 15. März trat die Ausgangssperre für ganz Spanien in Kraft. Natürlich galt die auch für die Kanaren. Ab dem zweiten Tag konnten wir also nicht mehr aus der Anlage raus. Damit hatte sich Radfahren erledigt. Wir hatten zwar ein 25-Meter-Becken mit sechs Bahnen, aber Schwimmen wurde einen Tag später auch noch verboten. Wir mussten dann irgendwie die Leute bei Laune halten. Lauftraining in der Hotelanlage und so weiter. Und wir haben versucht, die Leute auf andere Gedanken zu bringen, damit die nicht dauernd am Handy hängen und über Corona lesen. Die große Frage war, ob wir überhaupt noch heim kommen.“

Ihr habt dann bis 27. März durchgehalten?

Weikert: „Viele Leute haben sich selbst um Transfer und Rückflug gekümmert. Es wurden nach und nach immer weniger in der Anlage. Schließlich waren wir nur noch zwölf Gäste. Es war surreal. Kein Buffet mehr im Speisesaal, viel Abstand zwischen den Tischen. Ich bin am 23. März mit der letzten Gruppe abgereist.“

Haben Sie sich erst einmal freiwillig in Quarantäne begeben?

Weikert: „Ja, ich bin erst einmal zwei Wochen auf Abstand gegangen und habe außerhalb der Familie mit niemandem Kontakt gehabt. Das Robert-Koch-Institut hatte Spanien zum Krisengebiet erklärt und deshalb hielt ich das für besser. Ich konnte auch nicht arbeiten, denn wenn ich da Kollegen lahmlege, die gebraucht werden, wäre das nicht so gut. Aber am Mittwoch, 8. April, gehe ich wieder arbeiten.“

Herr Weikert, danke für das Gespräch. Bleiben Sie mit Ihrer Familie gesund.
Dietrich Limper

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