Premiere am Samstag

Jüngster Cheftrainer aller Zeiten

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Mit 28 Jahren als Cheftrainer schon mitten drin im ganz großen Fußballzirkus: Julian Nagelsmann aus Issing feiert am Samstag sein Debüt gegen Werder Bremen.

Sinsheim/Issing– Planmäßig hätte Julian Nagelsmann aus Issing „erst“ ab kommender Saison auf dem Cheftrainersessel des Fußballbundesligisten TSG 1899 Hoffenheim Platz nehmen sollen. In Anbetracht des jungen Alters des 28-Jährigen wäre schon das eine echte Besonderheit gewesen. Doch nach dem Rücktritt seines Vorgängers Huub Stevens ging alles etwas schneller und Nagelsmann übernimmt ab sofort.

In einem Alter, in dem sich Profifußballspieler oft erst auf dem Zenit ihrer aktiven Laufbahn befinden, hält Nagelsmann nun als Cheftrainer das Zepter an der Seitenlinie in der Hand. Dass er nicht mehr selbst gegen den Ball tritt, „verdankt“ er seiner Verletzungshistorie, die den einstmals ambitionierten Nachwuchsspieler früh plagte und einer Spielerkarriere die Blutgrätsche verpasste.

 Über die Stationen FC Issing und FC Augsburg war Nagelsmann zur U17 und U19 der Münchner Löwen gekommen, wo er als Führungsspieler zu gefallen wusste und den Sprung in die Reserve packen sollte. Doch daraus wurde nichts, der Körper spielte nicht mit. Zurück bei der zweiten Mannschaft des FCA streikte das Knie dann komplett. Nach einer Operation am Meniskus folgte ein Knorperlschaden und das Karriereende mit erst 20 Jahren.

Kurz überwog die Enttäuschung, dann spannte Thomas Tuchel, heute gefeierter Trainer der Dortmunder Borussia und damals in Diensten des Augsburger Nachwuchs, Nagelsmann zur Gegnerbeobachtung und als Co-Trainer ein. Zurück bei den Löwen folgten weitere Meriten bei deren U17 und schließlich der Wechsel über die bayerischen Grenzen hinaus zur TSG 1899 Hoffenheim. Bei dem Club von Mäzen Dietmar Hopp, der den Verein in der badischen Provinz als einen der Leuchttürme der deutschen Nachwuchsarbeit etablierte, arbeitete sich Nagelsmann über den Posten als Co-Trainer der U17 und anschließend der Bundesligamannschaft auf den Chefsessel der U19 hoch.

Überzeugende Arbeit

 Als jüngster Trainer der Geschichte – ein Prädikat, das dem Vater eines kleinen Sohnes noch öfter verliehen werden sollte – gelang der Gewinn der deutschen Meisterschaft mit der A-Jugend. Seinem Team wurde damals überfallartiges vertikales Spiel und Überladungen nach vorne bescheinigt. Dazu kontrolliertes Chaos mit der Erzeugung aggressiver Überzahlsituationen in der Arbeit gegen den Ball. Eine Philosophie also, mit der sich die Hoffenheimer gut anfreunden können. Dass seine jungen Spieler auch im oft ungeliebten Rückwärtsgang Automatismen nahe der Perfektion erkennen ließen, steigerte Nagelsmanns Renommee weiter.

Über seine Zeit als blutjunger Co-Trainer in der Bundesliga von 2012 bis 2013 unter Frank Kramer, Marco Kurz und Markus Gisdol sagte Nagelsmann gegenüber dem Online-Sportportal Spox einmal, dass die Spieler es als angenehm empfänden, „nicht immer dasselbe von einem Ex-Profi zu hören, der schon seit 30 Jahren Trainer ist“. Vielmehr reagierten sie aufgeschlossen auf frischen Input.

Diesen vermittelt er nun früher als geplant als erster Mann an der Seitenlinie der TSG. Die Zuhörer werden also ab sofort Sebastian Rudy, Kevin Volland und Kevin Kuranyi heißen. Bereits im Herbst war Nagelsmann, der erst im März seinen Schein als Fußballlehrer erwerben wird, als designierter Cheftrainer für die kommende Saison verkündet worden. Die Kohlen im Abstiegskampf sollte bis dahin Huub Stevens als erfahrener „Feuerwehrmann“ aus der Glut holen. Dessen in der letzten Woche publik gemachten Herzprobleme beförderten Nagelsmann nun aber im Eiltempo in die Rolle als Entscheider auf der Bank eines Bundesligisten.

Premiere am Samstag gegen Bremen

Seine Premiere feiert das mittlere von drei Geschwistern am Samstag bei Werder Bremen. Ein Duell zweier Tabellennachbarn am unteren Ende des Klassements, von dem viel für den weiteren Saisonverlauf abhängen wird. Nagelsmann weiß eigenen Aussagen zufolge „um die große Herausforderung, die durch die aktuelle Tabellensituation natürlich noch einmal schwerer wird“.

Sein Vorgesetzter, Sportdirektor Alexander Rosen, äußert in einer Pressemitteilung hohe Erwartungen: „Julian, der die Verantwortung nicht nur tragen will, sondern auch kann, wird dem Team noch einmal ganz neue Impulse geben“. Seine bisherige Arbeit im Nachwuchs stufe man als „herausragend“ ein.

Auf sein großes Vorbild Pep Guardiola, den Nagelsmann vor allem aufgrund seines Auftretens bewundert, wird er indes auch bei einem erfolgreichen Nichtabstieg so schnell nicht mehr in einem Bundesligaspiel treffen. Der Spanier wandert im Sommer bekanntermaßen nach Manchester ab, Ende Januar hatten die Hoffenheimer bereits mit 2:0 die Segel in der Allianz Arena gestrichen.

Rasso Schorer

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