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Das Empathie-Genie Nagelsmann

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Von: Manuel Bonke

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Erfolgsgarant und Sympathieträger: Julian Nagelmann hat in seiner ersten Halbsaison beim FC Bayern sehr vieles richtig gemacht. © via www.imago-images.de

München/Issing – Die Bilder von Nagelsmann (34) aus seiner Teeküche gingen um die Welt. Der Münchner Cheftrainer infizierte sich Ende Oktober trotz Impfung mit dem Corona-Virus. In der Zeit seiner häuslichen Isolation empfing er die Fußballwelt mehrmals wöchentlich zum Fußball-Talk in den eigenen vier Wänden. Was die wenigsten wissen: Die Idee, die virtuellen Pressekonferenzen in seiner Wohnung abzuhalten, stammte von Nagelsmann selbst – und sie beschreibt das Wesen des gebürtigen Landsbergers vortrefflich.

Der Julian, so heißt es aus dem Verein, sei nicht nur ein hochintelligenter junger Mann, sondern hätte auch keine Angst. Vor nichts und niemanden. Nicht umsonst sieht Bayern-Patron Uli Hoeneß in ihm das Potenzial zum Jahrhundert-Trainer. Diese Furchtlosigkeit ist nur eine Eigenschaft, die dem leidenschaftlichen Trail- und Downhill-Fahrer dabei geholfen hat, den FC Bayern im Sturm zu erobern. Seit Nagelsmann den Cheftrainer-Posten übernommen hat, menschelt es wieder an der Säbener Straße.

Waren zu Zeiten von Hansi Flick (56) die Spannungen mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic (44) selbst auf den Fluren der Geschäftsstelle zu spüren, hört man jetzt schallendes Gelächter, wenn Nagelsmann seinen Chef auf einen Espresso in dessen Büro besucht und der Kaffee durch die Rocket-Appartamento-Siebträgermaschine läuft. Das registrieren die Mitarbeiter des Rekordmeisters durchaus. Was ihnen ebenfalls positiv auffällt: Obwohl Nagelsmann als Cheftrainer der wichtigste Angestellte im Klub ist, begegnet er allen Angestellten auf Augenhöhe, nimmt sich Zeit für Smalltalk auf den Gängen, lässt sich beim Mitarbeiter-Volleyball blicken, zahlt die Getränke-Rechnung auf der FCB-Wiesn am Nockherberg oder stellt sein elektrisches Longboard für Probefahrten zur Verfügung. Diese Menschlichkeit schätzen natürlich auch seine Spieler.

Schlussjubel von Chef-Trainer Julian Nagelsmann (FC Bayern Muenchen), Leroy Sane 10 (FC Bayern Muenchen), FC Bayern Muen
Unter anderem Leroy Sane (10) führte Nagelsmann zurück zu alter Stärke. © kolbert-press/Christian Kolbert via www.imago-images.de

Nagelsmanns größtes Pfund: Er ist nicht nur ein Kommunikations-Monster, sondern auch ein Empathie-Genie. Das wird am Beispiel von Leroy Sané (25) besonders deutlich. Als der Flügelspieler im August diesen Jahres nach einem schwachen Auftritt von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde, stellte sich der Fußballlehrer öffentlich demonstrativ hinter seinen Spieler – und fand klare Worte in Richtung Bayern-Anhänger. In der anschließenden Länderspiel-Unterbrechung machte sich Nagelsmann intensive Gedanken, wie er Sané zu alter Stärke verhelfen könnte. Daraufhin packte er ihn als eine Art zweiter Zehner neben Thomas Müller (32).

Fortan war das Spiel des eigentlichen Flügelstürmers nicht mehr durch die Auslinie begrenzt. Sané fand mehr Räume vor, in die er mit seinen temporeichen Dribblings eindringen konnte. Kurzum: Er konnte freier aufspielen und wurde zum herausragenden Spieler der Hinserie. Die restlichen Bayern-Stars registrierten Sanés „Nagelsmann-Effekt“ genau. Spätestens ab diesem Zeitpunkt waren die letzten Zweifel beseitigt. Auch Niklas Süle (26) fand unter ihm zu alter Stärke, wie auch Serge Gnabry (26) und Kingsley Coman (25) nach seiner Herz-OP. Und darum steuern die Bayern auf die zehnte Meisterschaft in Folge zu.

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