Reif für die WM?

Kandidaten für die WM gesucht – außerdem Zuwachs für die Red Hocks

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Wollen für Deutschland bei der WM auflaufen: Die Red Hocks-Spieler Maxi Falkenberger (links) und Marco Tobisch.

Kaufering – Bald hat die floorballfreie Zeit ein Ende: Nur noch etwa zwei Wochen, dann starten die Red Hocks endlich wieder in der Bundesliga durch. Diesmal mit einem Neuzugang aus dem Ausland. Juraj Gallo wird ab sofort die Red Hocks auf dem Feld unterstützen. Bevor es soweit ist, hat am kommenden Wochenende von Freitag bis Sonntag die Nationalmannschaft noch einen Sichtungslehrgang. In Lilienthal bei Bremen wird es auch für einen Kauferinger darum gehen, sich für den WM-Kader zu empfehlen, den Bundestrainer Remo Hubacher in den nächsten Monaten zusammenstellen wird.

Julian Rüger, der noch in der vergangenen Saison ins Trikot der Red Hocks schlüpfte, nun aber in die Schweizer NLB wechselte, ist ebenso eingeladen, wie Tino von Pritzbuer. Der gebürtige Landsberger, der in Kaufering das Floorball-Einmaleins erlernte, ist inzwischen in der Schweizer Top-Liga aktiv. Aus dem aktuellen Bundesligakader der Red Hocks wird lediglich Verteidiger Marco Tobisch teilnehmen. Er muss sich unter insgesamt zwölf Defensivmännern beweisen, um erstmals zu einer Weltmeisterschaft zu fahren. „Maximal acht Verteidiger sind bei der WM dabei“, schätzt Tobisch. Und wie stehen seine Chancen? „Freilich wird es hart, sich dort hinein zu arbeiten. Aber ich habe in den letzten Monaten gut Gas gegeben, um mich an das Niveau heranzukämpfen.“ Maxi Falkenberger musste seine Fahrt nach Lilienthal derweil wegen einer Schulterverletzung absagen, rechnet sich aber weiter WM-Chancen aus.

Inhaltlich dürfte das Trainingslager vor allem körperlich einiges abverlangen. Neben einem Physis-Test, in dem verschiedene Disziplinen zu absolvieren sind, möchten die Trainer sicherlich die Tauglichkeit für extreme Belastungen prüfen: Schließlich ist bei einer Weltmeisterschaft fast täglich ein intensives Spiel zu bestreiten. WM-Start ist fürs deutsche Team am 1. Dezember in Prag gegen Gastgeber Tschechien, weitere Vorrundengegner werden die Schweiz und Lettland sein.

Verstärkung ist da

Mit einem verhaltenen „Servus“ hatte Juraj Gallo bei seiner Vorstellung schnell die Sympathien von Mitspielern und Verantwortlichen auf seiner Seite. Aber nicht nur menschlich sondern auch auf dem Spielfeld beeindruckte der junge Slowakei auf Anhieb. „Sein Schlagschuss ist überragend, so einen Bums können wir gut gebrauchen“, meint Spielertrainer Tobias Hutter. Dass der Allrounder, der sowohl in der Verteidigung wie auch als Flügel spielen kann, noch ein paar Baustellen beackern muss, ist aber auch klar: Der 20-Jährige hat nämlich eine echte Seuchensaison bei seinem früheren slowakischen Verein FBC Trenín hinter sich. Nachdem er sich 2017 durchs Sommertraining gequält hatte, verletzte er sich gleich im ersten Ligaspiel am Knie. Und das so schwer, dass er es vergangene Saison für den Erstligisten Trenín gerade mal auf fünf Einsätze insgesamt brachte.

Dort, in seiner Heimat und gleichzeitig seiner einzigen bisherigen Floorball-Station, feierte Gallo schon diverse Erfolge. Unter anderem wurde er slowakischer Landesmeister mit der U17 und der U19, ehe er den Sprung in die 1. Mannschaft schaffte.

Nun der große Schritt mit dem Wechsel nach Deutschland: Der Antrieb dafür war eigentlich gar nicht der Floorball, wie der großgewachsene, junge Mann einräumt. Sein Vater führt seit einiger Zeit einen Betrieb in Buchloe, mit dem er von Garten- über Malerarbeiten bis hin zu Umzugshilfen ein breites Spektrum an Hilfsarbeiten anbietet. Sohn Juraj wolle seinem Vater künftig zur Hand gehen, wie er sagt. In der Heimat könne er nur einen kleinen Bruchteil dessen auf die Seite schaffen - der Traum vom eigenen Haus wäre dann noch in weiter Ferne, wie er sagt. „Ich möchte etwa fünf Jahre in Deutschland bleiben und Geld verdienen, weil das Leben in der Slowakei sehr hart ist.“

Dass er in Bayern aber auch Floorball spielen will, weiß er schon lange. „Vor zwei Jahren habe ich die Red Hocks im Internet gefunden. Seither verfolge ich das Geschehen auf Facebook und Instagram und plane, hierher zu kommen“, sagt Gallo. Sein erster Eindruck vom neuen Team ist ein positiver: „Im Training sind Konzentration und Fokus bei allen zu spüren, das Tempo ist hoch.“ Mit den Red Hocks plant Gallo, die erste Meisterschaft oder den ersten Pokalsieg nach Bayern zu holen. Und persönlich: Wie steht es um Ambitionen in der Nationalmannschaft? „Ins slowakische Trikot zu schlüpfen, ist unglaublich schwer“, lässt der 20-Jährige diese Frage offen. Über die Red Hocks ins slowakische Nationalteam zu kommen, hat vor Gallo übrigens schon einmal jemand geschafft: 2014/15 lief Martin Jošcák mit dem Löwen auf der Brust auf, spielte seinerzeit seine erste Weltmeisterschaft für sein Heimatland. Zuletzt durfte er die Slowakei sogar als Kapitän anführen. „Ebenfalls so einen Weg zu gehen, wäre ein Traum aber da muss ich auch Realist bleiben“, meint Gallo bescheiden. „Aber man weiß nie, was noch kommt.“

Marco Tobisch

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