Der TSV Landsberg und die Bayernliga

Sven Kresin: »Verletzen darf sich jetzt niemand mehr«

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Ordentlich strecken müssen sich die Kicker des TSV Landsberg (weiß), im zunächst einmal den Verbleib in der Bayernliga zu sichern.

Landsberg – Nur noch einmal schlafen, dann starten die Bayernliga-Fußballer des TSV Landsberg in die letzten zwölf Spiele der Rückrunde. In der Tabelle müssen die Mannen um Sven Kresin nach wie vor sorgenvoll nach unten blicken, denn die Abstiegsränge sind nur einen Punkt weit entfernt.

Die Vorbereitung nach der Winterpause lief gut. Zwar gab es zum Auftakt eine 1:3-Niederlage beim TuS Geretsried, aber danach folgten drei Siege. Beim FC Kempten (3:1), in Dachau gegen den SC Oberweikertshofen (3:1) und beim BSK Olympia Neugablonz (4:0). Der letzte Härtetest beim TSV 1874 Kottern endete 2:2. Bevor es am kommenden Samstag beim SV Pullach wieder ernsthaft zur Sache geht, führte der KREISBOTE ein ausführliches Gespräch mit TSV-Coach Sven Kresin.

Sven, Du bist nun seit sechs Wochen mit deiner Mannschaft in der Vorbereitung. Wie läuft es?

Kresin: „Die Vorbereitung läuft sauber und ordentlich. Es ziehen viele mit, aber es gibt immer mal wieder Wehwehchen und hier und da ein Zwicken und Zwacken. Julian Birkner hat sich letzte Woche ein Stück weit das Knie verdreht, aber da kommt bald die Diagnose vom Arzt. Da sind wir natürlich sehr gespannt, denn er ist ein Spieler, den ich unbedingt in der Mannschaft haben muss. Seine Präsenz im Zweikampf wird einfach gebraucht.“

Reichlich Sorgen, aber dennoch optimistisch: TSV-Coach Sven Kresin.

Wie oft trainiert ihr in der Vorbereitung pro Woche?

Kresin: „Viermal, in den ersten vier Wochen. Jetzt fahren wir langsam runter auf dreimal, um in den Rhythmus zu kommen, den wir in der Saison dann auch haben.“

Du wolltest auch viel in Sachen Athletik machen, denn da wird die Grundlage für den Rest des Jahres gelegt. Machen da alle mit oder gibt es lange Gesichter?

Kresin: „Es sind schon einige dabei, die ein bisschen am Limit sind, denn es ist heftig. Aber wir wollen hinten heraus die nötigen Körner haben. Im Mai werden wir sehen, ob es sich gelohnt hat.“

Außer einem jungen Torwart gab es keine Verpflichtungen?

Kresin: „So ist es. Maxi Stahler ist ein Torwart-Talent, das sich anschickt, eine gute Option zu werden. Er wurde auch geholt, damit wir auf dieser Position keine Probleme mehr bei der zweiten Mannschaft haben, wo er zwischen den Pfosten stehen kann.“

Welche Lehren ziehst du aus den Vorbereitungsspielen?

Kresin: „Einige Spiele habe ich so gewählt, damit wir Sicherheit in der Spieleröffnung bekommen. Das Team soll gegen tiefstehende Mannschaften spielerische Optionen finden und sich daraus Torchancen erarbeiten. Deshalb kamen einige Gegner aus der Bezirksliga. Die stehen mit zehn Mann in der eigenen Hälfte und lauern nur auf Konter.“

Ging der Plan auf?

Kresin: „Bis auf das Spiel gegen Oberweikertshofen hat das sehr gut geklappt, aber da waren wir zu Beginn sehr müde. Ich habe den Jungs dann gesagt, dass spielerische Mittel her müssen und in der zweiten Halbzeit haben sie das umgesetzt. Die Ergebnisse sprechen nun für eine gute Vorbereitung, aber ich stelle die verbesserungswürdigen Dinge in den Vordergrund.“

Hat sich jemand besonders aufgedrängt bei den Testspielen oder hast du zu viel rotiert?

Kresin: „Ich habe schon viel rotiert, aber Ali Mulas entwickelt wirklich seinen Torriecher. Er hat in einem Spiel dreimal getroffen und insgesamt eine gute Ausbeute. Ansonsten wird sich vieles um Bonfert, Tugbay, Fülla, Siegwart und Mayer drehen. Wir müssen das Spiel aus einem soliden Defensivverbund gut nach vorne tragen.“

Hast du am Spielsystem etwas verändert? In der Hinrunde habt ihr gegen tiefstehende Mannschaften öfter mal Probleme gehabt, Chancen zu kreieren.

Kresin: „Am System schraube ich immer mal wieder. Ich habe es auch mit einer Dreierkette probiert. Und mit einer Viererkette, zwei offensiven Mittelfeldspielern und nur einem defensiven. Wir versuchen, viel Druck über die ballstarken Spieler, wie Tugbay und Fülla, auszuüben. Zum Beispiel hatten wir beim 4:0 gegen Neugablonz schon vor der Halbzeit viele Torchancen, die wir liegengelassen haben. Da müssen wir zulegen und kaltschnäuziger werden.“

Wie machst du es denn generell? Hast du ein System im Kopf und lässt die Spieler so spielen? Oder schaust du dir an, welche Spieler du hast und suchst danach das System aus?

Kresin: „Ich passe das System natürlich an, aber habe meine Philosophie. Wir wollen Druck und Pressing nach vorne ausüben und das versuche ich auf die Spieler zu stülpen. Wenn das nicht klappt, gehe ich natürlich einen Schritt zurück, denn Fußball ist ein Erfolgssport. Ich muss gewinnen und Punkte holen. Das ist wie die Arbeit an einem Puzzle. Ich muss viel schauen, viel anpassen und spüren was ein Spieler braucht. Und ich frage den Spieler, wie er denn eigentlich spielen will? Wo fühlt er sich wohl?“

Da sind dann wahrscheinlich viele Gespräche nötig?

Kresin: „Mit den Spielern, die ich für mein System brauche, auf jeden Fall. Ich rede mit allen, aber die Spieler, die auf dem Platz mein System umsetzen sollen und andere Spieler anleiten, mit denen rede ich mehr. Da gehe ich in die Tiefe. Bonfert, Fülla, Mayer und ein Stück weit auch Rösch. Das ist die Achse, die das Ganze führen muss.“

Eigentlich gibt es für dich noch einen Neuzugang, denn Janick Reitz hattest du ja vorher noch gar nicht richtig erlebt. Hat er die Vorbereitung wie geplant komplett machen können?

Kresin: „Die ersten eineinhalb Wochen war er im Training und hat gegen Geretsried auch gespielt. Das ließ sich gut an, aber seitdem hat er sich wegen der Arbeit wieder verabschieden müssen. Ebenso wie Lukas Göttle. Er kann einfach nicht rechtzeitig beim Training sein; wir spielen immerhin Bayernliga und nicht irgendeinen Mumpitz. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich auf den beiden Positionen natürlich was gemacht. Die haben mir hoch und heilig versprochen, sie seien dabei und nun stehe ich da. Wir haben nicht viele Leute im Kader, ich muss mit dem auskommen, was ich habe. Mir fehlen nun drei Leute, denn Rainer Storhas ist auch weg. Der hat seine Karriere beendet. Ich dachte, er bleibt bis Ende der Saison, aber nun haben wir einen Aderlass im defensiven Mittelfeld. Nun gut, ich muss mit dem arbeiten, was ich habe.“

Konnte man nicht noch einen Spieler holen?

Kresin: „Natürlich hätte ich gerne noch einen Kracher geholt, aber die wachsen nicht auf den Bäumen. Einen Karl-Heinz Lappe von Türkgücü München hätte ich natürlich gerne im Kader, aber wer soll den bezahlen? Das sind Spieler, die unter Profi­bedingungen spielen.“

Dann darf sich aber wirklich keiner der wichtigen Spieler verletzen.

Kresin: „Das ist richtig. Da darf nichts passieren, denn der Kader ist schon dünn.“

Die Tabelle ist nun dichtgedrängt und schon der erste Gegner Pullach möchte natürlich seine Chance nutzen, um unten rauszukommen. Einen Fehlstart könnt ihr euch nicht leisten.

Kresin: „Absolut nicht. Wir brauchen direkt Ergebnisse, um von der Abstiegszone wegzukommen. Das wird zwölf Spiele lang ein Hauen und Stechen. Das Spiel gegen Pipinsried schreibe ich mal ab, aber gegen alle anderen sind wir gefragt. Wenn wir die ersten zwei Spiele gewinnen, können wir den weiteren Verlauf der Saison selbst bestimmen.“

Kommt denn im Falle des Klassenerhalts im Sommer der große Umbruch?

Kresin: „Wir werden schon schauen, dass der Kader in Sachen Qualität und Quantität adäquat verbessert wird. Ich möchte nächstes Jahr nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Wir möchten eine sehr saubere Saison mit Blickrichtung nach oben spielen. Oft waren wir die bessere Mannschaft und haben das entscheidende Tor nicht gemacht. Diese Qualität haben Spieler bei anderen Mannschaften. Wir müssen uns also umschauen, ob wir mit Neuzugängen diese Qualität auf den Platz bringen können.“

Und da arbeitest du eng mit Abteilungsleiter Bastian Gilg zusammen?

Kresin: „Klar, Basti ist mein erster Ansprechpartner. Natürlich schauen wir, welche Spieler in unser Gefüge passen. Es nützt uns nichts, wenn wir Spieler holen, die Geld kosten, aber nicht in die Mannschaft passen. Das funktioniert nicht. Ich schaue mir die Auftritte eines Kandidaten bei Spielen an, lade ihn zum Training ein und schaue, wie er sich da verkauft und auch menschlich muss es passen.“

Du hast unter einigen namhaften Trainern gespielt. Von wem hast du am meisten gelernt? Wer hat dich am meisten beeindruckt?

Kresin: „Ich habe von jedem Trainer etwas mitgenommen. Aber was das Pädagogische und die Ausstrahlung betrifft, war es René Müller, die Torwartlegende der DDR. Von dem habe ich sehr, sehr viel gelernt, was das Menschliche angeht. Taktisch und fußballerisch habe ich mir das meiste von Peter Pacult abgeschaut. Und er hat mir gezeigt, was es heißt, Spaß am Fußball zu haben.“

Sven, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die weitere Saison!
Dietrich Limper

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