Verein ohne Vorstand

DJK-Misere: Steht Landsbergs Basketball vor dem Untergang?

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Die DJK Landsberg mit ihrem einstigen Aushängschild HSB Landsberg steckt in einer tiefen Krise: Acht Positionen im Vorstand sind neu zu besetzen.

Landsberg – Die Jahreshauptversammlung des DJK Landsberg stand unter keinem guten Stern. Wie schon im Vorfeld im KREISBOTEN berichtet, waren viele Posten im Vorstand neu zu besetzen – für die Vorsitzenden über den Zeugwart bis hin zum Pressewart heißt es: Kandidaten gesucht! Doch die Versammlung in der vergangenen Woche war nur der erste Showdown. Der nächste folgt in vier bis sechs Wochen.

Vorsitzender Klaus-Peter Brakel begrüßte im Sportzentrum gerade mal 22 abstimmungsberechtigte Mitglieder. Eine gewisse Spannung lag im Raum, denn immerhin ging es um nicht weniger als die Zukunft des Vereins. Gleich für acht Positionen mussten neue ehrenamtliche Mitarbeiter gefunden werden. Um es vorwegzunehmen: Es meldete sich niemand.

Die ersten Tagesordnungspunkte wurden zügig und ohne große Diskussionen abgearbeitet. Vorstand und Kassenprüfer wurden entlastet. Eine dringend benötigte Beitragserhöhung um rund zehn Prozent fand Zustimmung, denn der Hauptsponsor kürzt die Zuschüsse, während die Aufwendungen für Hallenmiete und Schiedsrichter steigen. In der Kasse befinden sich noch 27.000 Euro, während der Gesamtverlust im vergangenen Jahr 21.000 Euro betrug. Brakel richtete zum Schluss seines Berichts noch mahnende Worte an die Mitglieder, die er aber auch gleich wieder relativierte: „Kritik trifft in dieser Runde natürlich die falschen, denn hier sitzen die Menschen, die sich für den Verein engagieren.“

Bis zur Liquidation

Er übergab an Florian Kappes, DJK-Mitglied und Jurist, der zum Wahlleiter bestellt wurde. Und der schilderte auch umgehend sehr deutlich die Konsequenzen, die sich aus dem Mangel an Freiwilligen ergeben: „In vier bis sechs Wochen sitzen wir wieder hier und dann werden die Leute ihre Ämter niederlegen, die sie nun noch kommissarisch weiterführen. Der Verein wird dann ‚handlungsunfähig‘ und irgendein Anwalt wird die Abwicklung übernehmen. Schließlich wird der Verein liquidiert und das war’s dann.“

Haben die DJK Landsberg noch nicht abgeschrieben (von links): Jürgen Siegwardt, Klaus-Peter Brakel, Anja Kolping und Christian Fiebich.

Doch selbst diese drastische Zukunftsvision konnte nieman­den der Anwesenden aus der Deckung locken. So werden folgende Posten bis zur nächsten Versammlung kommissarisch geführt: 1. und 2. Vorsitzen­der, Schriftführer, Zeugwart, Schiedsrichterwart und Presse­wart. Kassenwartin Simone Schütz und der Beisitzende Christian Wappler legten ihre Ämter mit sofortiger Wirkung nieder. Und die letzten Hiobsbotschaften waren dann, dass die PLLAY-Redaktion neu besetzt werden muss und Stadionsprecher Stefan Kraus auf eigenen Wunsch ausscheidet. Im Prinzip muss der ganze Verein neu aufgestellt werden.

Bewegung gab es nur auf wenigen Posten. In Abwesenheit wurde Michael Teichner als Jugendleiter abgewählt und Christian Fiebich bei einer Gegenstimme auf diese Position bestellt. Neuer juristischer Beirat wird Felix Bredschneijder, der auch Kassenprüfer bleibt. Sara Geiger übernimmt als Beisitzende die Social Media-Aktivi­täten. Alle anderen Beisitzer, außer Wappler, machen weiter.

Neben dem geistlichen Beirat, Stadtpfarrer Zeitler, sind die Sportwartin Anja Kolping und der neue Jugendleiter Christian Fiebich, die einzigen Mitglieder der Vorstandschaft, die dem Verein über die nächste Versammlung hinaus erhalten bleiben werden. Die meisten Verantwortlichen hatten mit diesem Ausgang gerechnet und waren nicht sonderlich überrascht, zeigten sich aber dennoch enttäuscht über die Gesamtsituation im Verein. Es stellt sich natürlich die Frage, warum sich niemand für eine ehrenamtliche Tätigkeit meldet.

Erklärungs-Versuch

Anja Kolping versucht eine Erklärung zu finden: „Ich habe den Eindruck, dass die Menschen mittlerweile Nutznießer sind. Sie kommen, bringen ihre Kinder, wollen aber im Endeffekt nichts mehr dafür tun, dass die Kinder betreut werden. Die verschiedenen Bereiche haben eigentlich ganz, ganz wenig Aufwand. Es ist aber anscheinend niemand dazu bereit, beispielsweise vier Stunden im Monat als Kassenwart zu opfern. Es fehlt einfach das Interesse. Nicht mal die Rundbriefe, die ich verschicke, werden gelesen. Ich glaube aber schon, dass sich bei der nächsten Versammlung noch ein paar Leute melden. Spannend bleibt es auf jeden Fall.“

Das letzte Kapitel in der Geschichte des traditionsreichen Vereins DJK Landsberg ist also noch nicht geschrieben. Es bleibt zu hoffen, dass an dieser Stelle in einigen Wochen kein Nachruf veröffentlicht werden muss. Kaus-Peter Brakel meinte dazu: „Die Hoffnung gebe ich nie auf.“
Dietrich Limper

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