Von wegen Siegesserie:

"Spielen wir wieder Fußball?"

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Schon nach einer knappen Viertelstunde war für Stefan Strohhofer (links) die Partie gegen Schwabmünchen zuende – Verdacht auf Bänderriss. Wie lange der TSV Landsberg auf seinen Stürmer verzichten muss, ist noch ungewiss.

Landsberg – Eine Serie wollten die Bayernliga-Fußballer des TSV Landsberg nach dem unnötigen 2:4 gegen Eichstätt starten – das ging schief: Mit 0:1 (0:0) unterlag man im Derby vor über 500 Zuschauern in Schwabmünchen. Jetzt wartet Unterhaching II.

Es gab Schlüsselszenen: Eine davon war die Verletzung von Stefan Strohhofer. Der Stürmer, der in dieser Saison vermehrt hinter den Spitzen die Fäden zieht, musste schon nach einer knappen Viertelstunde mit Verdacht auf Bänderriss ausgewechselt werden. Bis dahin hatte er mit seiner Mannschaft das Heft klar in der Hand gehabt. Zweimal brannte es in den Anfangsminuten nach Eckbällen im Schwabmünchner Strafraum bereits lichterloh, Salemovic und Fülla scheiterten danach noch aussichtsreich.

Zwar war der große Schwung nach Strohhofers Ausscheiden erst einmal weg, allerdings kam Schwabmünchen trotz folgender optischer Überlegenheit auch nur zu einer guten Gelegenheit durch Raffler (29.), bei der Heiland mit den Fäusten retten musste.

Nach der Pause präsentierten sich die Landsberger zunächst wieder gefährlicher; in der 65. Minute wäre die Führung unbedingt fällig gewesen. Salemovic dribbelte sich über die rechte Seite an der Torauslinie an vier Gegenspielern vorbei und legte den Ball für Siegwart auf, der am Fünfmeter-Raum lauerte – der Stürmer brachte das Spielgerät allerdings nicht am Heimkeeper vorbei. 

Das war ein Wendepunkt im Spiel. Landsberg schlug trotz der Aufforderung des Trainerteams („Wir spielen doch jetzt wieder Fußball.“) vermehrt überhastet weite Bälle nach vorne und hielt die Positionen nicht mehr. Das brachte die Defensive in Schwierigkeiten, zumal Schwabmünchens Trainer Kandziora nach einer knappen Stunde einen echten Unruheherd eingewechselt hatte: Chaka Ngu'Ewodo. Er stellte die Landsberger mit seiner aggressiven Spielweise vor Probleme. Als er Nichelmann den Ball abgeluchst hatte, scheiterte Raffler zwar noch an Heilands Fußabwehr (69.), doch drei Minuten später schloss Ngu'Ewodo einen blitzsauberen Konter zum 1:0 ab.

Abgerutscht

Landsberg hätte mit seinem Engagement durchaus zumindest noch einen Punkt mitnehmen können, vergab allerdings noch zwei große Chancen. Siegwart und Nuschler behinderten sich bei einem Kopfball im Strafraum gegenseitig (89.), praktisch mit dem Schlusspfiff jagte Siegwart einen Schuss aus fünf Metern über das Gehäuse.

Damit ist der TSV in der Tabelle nach der ersten Auswärtsniederlage abgerutscht, sollte aber am morgigen Mittwoch drei Punkte gutmachen. Am Samstag kommt der Tabellennachbar aus Landshut in den Hacker-Sportpark (14 Uhr). Dann könnte auch schon ein Neuzugang im TSV-Kader stehen, der eher unverhofft noch verpflichtet wurde. Qendrim Beqiri (23/Kosovo) war nach zahlreichen Vereinswechseln zuletzt in Aichach aktiv.

Nur ein Reserve-Team

Nach zwei Niederlagen in Folge einen „Pflicht-Auswärtssieg“ vorauszusetzen, mag vermessen klingen. Bei Unter­- haching II wären allerdings am heutigen Mittwoch (19 Uhr) alles andere als drei Punkte für den TSV Landsberg tatsächlich eine Enttäuschung: Haching ist sein Reserve-Team scheinbar quasi durch die Hintertür losgeworden.

„Eine 2. Mannschaft bringt uns gar nichts“, hatte SpVgg-Präsident Manni Schwabl längst klargestellt. Als Drittligist sind die Unterhachinger aber verpflichtet, ein solches Team in den Spielbetrieb zu schicken. Mit dem privaten „Deutschen Fußball-Internat“ (DFI) fand man dann die scheinbar elegante Lösung: man trainiert und spielt jetzt in Bad Aibling, Unterhaching ist die Kosten los, das DFI hat seine Schnittstelle zum Profifußball.

Sportlich ging die Rechnung aber bis jetzt nicht auf. Die Hachinger stellen (aus der U19) nur noch knapp die Hälfte der Spieler, die aber nicht regelmäßig mit den Internatsfußballern trainieren. Die andere Hälfte bilden 17- und 18-jährige Nachwuchskicker, die bisher meist nur in unteren und untersten Klassen auf sich aufmerksam gemacht haben. Deren Eltern müssen sich allerdings die Internatsbeiträge leisten können: rund 25000 bis 30000 Euro pro Jahr werden in Bad Aibling im Vier- oder Zweibettzimmer aufgerufen.

Der sportliche Erfolg bleibt mit der zusammengewürfelten Truppe aus. Unterhaching II ist auch nach acht Spielen noch sieglos, zuletzt setzte es ein 2:6 gegen den SB Rosenheim und ein 0:5 gegen Pullach. Personelle Unterstützung aus dem Kader des Drittligisten gibt es kaum. Auf der Website der Hachinger ist die 2. Mannschaft gar nicht mehr existent.

„Bestenfalls Landesliga-Niveau“ habe sein Team, klagte DFI-Trainer Ingo Schlösser jetzt, „ich habe keine Lust, jede Woche Aufbauarbeit zu leisten.“ Das klingt dann doch nach einem Pflichtsieg für den TSV Landsberg. Er wird bei dieser Aufgabe heute Abend die „TTE-Arena“ im Bad Aiblinger Stadtteil Mietraching (700 Einwohner) kennenlernen.

Chistoph Kruse

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