Ende einer Feindschaft

Landsberg und Kaufering Hand in Hand für den Fußball-Nachwuchs

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Sebastian Gilg, Sven Krauter, Stefan Drischberger und Bernhard Haller (von links) freuen sich über den neuen Frieden zwischen Landsberg und Kaufering.

Landsberg/Kaufering – Geschichtsträchtig: Die Fußball­abteilungen des TSV 1882 Landsberg und VfL Kaufering haben eine tiefgreifende Kooperation vereinbart. Und bei ihren gemeinsamen Bemühungen bereits einen großen Erfolg erzielt: Ab 1. August gibt es das DFB-Nachwuchsausbildungszentrum Landsberg/Kaufering.

Schon im vergangenen Winter hatte TSV-Abteilungsleiter Sebastian Gilg gegenüber dem KREISBOTEN gesagt, dass er das Verhältnis zu den Nachbarvereinen grundlegend verändern wolle. Kriegsbeile sollten begraben werden, das Wohl der Spieler stünde im Vordergrund. Als man diese Botschaft beim VfL Kaufering vernahm, wurde man hellhörig. Zu oft waren in der Vergangenheit hoffnungsvolle Talente, wie beispielsweise Felix Mailänder, dem Ruf der Bayernliga gefolgt, und zum Nachbarn TSV gewechselt. Und ebenso oft bekamen sie dort nur wenig Spielzeit und ihre Entwicklung stagnierte.

VfL-Abteilungsleiter Bernhard Haller schildert die neue Vorgehensweise: „Es soll ab sofort ein faires Geben und Nehmen zwischen den Vereinen herrschen. In der Vergangenheit hat der TSV eher genommen, aber in Zukunft werden wir uns absprechen und gemeinsam abklären, welcher Weg für welchen Spieler der richtige ist. Auch Ablösesummen wird es bei Transfers zwischen dem VfL und TSV nicht mehr geben.“ Die Landsberger ließen den Worten Taten folgen; Mailänder wechselt nun ablösefrei zurück nach Kaufering.

Stefan Drischberger vom TSV Landsberg stellt noch einmal klar, dass beide Vereine selbständig bleiben und auch so handeln würden. Am Spielbetrieb wird sich nichts ändern. Man würde sich aber bei Wechselwünschen in Zukunft absprechen. Die Anfänge seien nun gemacht. Bernhard Haller ergänzt: „Wir sind sehr glücklich, dass diese Gespräche zwischen dem TSV und VfL zustande gekommen sind. Mit der alten Führung des TSV Landsberg hat es das ja so nie gegeben. Beide Vereine haben eher gegeneinander als miteinander gearbeitet.“

DFB-Standort

Unabhängig voneinander arbeiteten beide Vereine ab Herbst 2019 an einer Bewerbung, um beim DFB als Standort für ein Nachwuchsausbildungszentrum ausgewählt zu werden. Die Unterlagen gingen beim Verband ein. Da beide Vereine dank einer hervorragenden Infrastruktur beste Vorraussetzungen mitbrachten, deutete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen an, das die Konkurrenzsituation zu verschärfen drohte. „Beim DFB wurde mir gesagt, dass eigentlich beide Bewerbungen für sich Bundesliga-Niveau hätten. Wenn man könnte, würde man in beide Kommunen ein Ausbildungszentrum vergeben“, erzählt Drischberger. Wenig später vernahm man allerdings Gilgs „Friedensangebot“ in Kaufering und dann kam die Corona-Pandemie, wodurch die Entscheidung beim DFB verzögert wurde. Glück im Unglück.

Denn nun hatte man also hüben wie drüben Zeit, die Sachlage zu überdenken. Mit dem Ergebnis, dass sich alle Parteien an einen Tisch setzten und überraschend beschlossen, eine gemeinsame Bewerbung für den Standort Landsberg/Kaufering beim DFB einzureichen. Sebastian Gilg erzählt: „Es waren von Anfang an sehr gute Gespräche und wir waren schnell davon überzeugt, dass wir es gemeinsam schaffen möchten, für die gesamte Region ein Ausbildungszentrum für die U13 und U15 aufzubauen. Zusammen sind wir einfach unglaublich stark und können nun etwas Großes auf die Beine stellen.“

Es folgte ein Treffen beim DFB, wo sie ihren neuen Plan gemeinsam präsentierten. Dann wurde es spannend. Am vergangenen Montag präsentierten die Abteilungsleiter Sebastian Gilg (TSV) und Bernhard Haller (VfL) sowie die Jugendleiter Stefan Drischberger (TSV) und Sven Krauter (VfL) stolz das Ergebnis ihrer Bemühungen: Die Bewerbung war erfolgreich. Ab August 2020 wird es das DFB-Nachwuchsausbildungszentrum Landsberg/Kaufering geben. „Man hat uns beim DFB gesagt, dass es eine solch überzeugende und professionelle Bewerbung seit 20 Jahren nicht gegeben hätte“, sagt Haller und strahlt.

Sven Krauter erzählt aus Sicht der Kauferinger: „Beide Vereine verfolgen seit Jahren eine erfolgreiche Jugendarbeit. Wir haben sehr gute Jahrgänge und so haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir unsere Stärken zusammenbringen könnten. Wir streben nun an, den Standort Landsberg/Kaufering und die Region als attraktives Umfeld für Talente zu gestalten.“

Doch der Mehrwert solle sich nicht auf Landsberg und Kaufering beschränken, sondern auch andere Vereine aus dem Landkreis würden davon profitieren. Alle Trainer aus dem Umland sollen die Möglichkeit bekommen, im Ausbildungszentrum zu hospitieren und am Training teilzunehmen. „Wir wollen die Strukturen gemeinsam und für alle verbessern“, schildert Krauter die langfristigen Ziele.

Unterstützung bekamen sie bei ihrer Bewerbung auch aus der Politik. Sowohl Kauferings Bürgermeister Thomas Salzberger als auch Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl hätten das Vorhaben jederzeit befürwortet. Haller erzählt: „Thomas Salzberger war von Beginn an in unsere Bewerbung eingebunden und hat sich auch aktiv eingebracht. Er stand uns voller Begeisterung zur Seite.“

Sondertraining

Konkret bedeutet die Entscheidung nun, dass das Training im monatlichen Wechsel mit den Ausbildern vom DFB stattfinden wird. Die beim DFB festangestellten Hermann Schöpf, Jürgen Weise und Benjamin Enthart werden die Auswahlspieler der U13 und U15 jeweils montags von 17 bis 20 Uhr auf den Platz bitten. Außerdem soll es in Zukunft Spiele gegen andere Mannschaften geben, um auch im Wettbewerb Fortschritte zu erzielen. Wie groß die Trainingsgruppen sein werden, steht im Moment noch nicht fest. Spieler aus dem Landkreis und darüber hinaus, also bis Weilheim, Peiting oder gar Murnau werden sich in Kaufering und Landsberg zum gemeinsamen Training treffen. Im Moment stellen der TSV Landsberg und der VfL Kaufering insgesamt rund 20 Spieler für die U13 und U15.

Sebastian Gilg fügt einen weiteren Aspekt hinzu: „Man darf auch nicht übersehen, dass die Verkehrsanbindung für Kaufering und Landsberg hervorragend ist. Zudem werden viele Eltern ihre Zeit während des Trainings in den jeweiligen Städten verbringen und dadurch entsteht für alle eine Win-Win-Situation.“
Dietrich Limper

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