Wichtige Wochen im Amateurfußball

Bayernligist Landsberg: Wenn sich der Abteilungsleiter selbst verpflichtet

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Transferhammer: Abteilungsleiter Sebastian Gilg verpfiichtet sich selbst.
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Gegen Pipinsried (gelb) geriet der TSV Landsberg am Wochenende mit 2:4 unter die Räder.
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Gegen Pipinsried (gelb) geriet der TSV Landsberg am Wochenende mit 2:4 unter die Räder.
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Gegen Pipinsried (gelb) geriet der TSV Landsberg am Wochenende mit 2:4 unter die Räder.
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Gegen Pipinsried (gelb) geriet der TSV Landsberg am Wochenende mit 2:4 unter die Räder.
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Gegen Pipinsried (gelb) geriet der TSV Landsberg am Wochenende mit 2:4 unter die Räder.
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Gegen Pipinsried (gelb) geriet der TSV Landsberg am Wochenende mit 2:4 unter die Räder.
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Gegen Pipinsried (gelb) geriet der TSV Landsberg am Wochenende mit 2:4 unter die Räder.

Landsberg – Dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) reißt langsam der Geduldsfaden. Da eine Entscheidung der Politik über den Fortgang der Saison in den Amateurklassen immer noch aussteht, waren nun die Mitglieder aufgerufen, darüber abzustimmen, ob juristische Mittel zum Einsatz kommen sollen. Zwei Drittel stimmten, ebenso wie die Verantwortlichen bei den Fußballern vom TSV 1882 Landsberg, dafür. Die Begegnung gegen den FC Pipinsried hingegen endete nicht nur mit einer deftigen Niederlage, sondern bescherte auch eine faustdicke personelle Überraschung.

Die Verpflichtung von Branco Nikolic ging in den letzten Wochen eher unter dem Radar über die Bühne. Der 28-jährige defensive Allrounder spielte bis 2018 beim FC Memmingen in der Regionalliga und soll nun nach einem Jahr Pause aus beruflichen Gründen die Lechstädter verstärken. Am vergangenen Samstag kam er beim Test gegen den FC Pipinsried im Mittelfeld zum Einsatz und Coach Eddy Weiler zeigte sich zufrieden: „Er hat noch leichte Probleme am Oberschenkel und konnte unter der Woche nur mit Halbgas trainieren. Er ist erst bei rund 70% seiner Leistungsfähigkeit, wird uns aber sicherlich verstärken.“

Die Ersatzbank des TSV war wieder nur dünn besetzt. Zwar feierte Manuel Detmar letzte Woche sein Comeback nach fast zwei Jahren verletzungsbedingter Pause, aber mit Hoffmann, Hennebach, Birkner, Siegwart und Wolf ist das Lazarett noch gut gefüllt. Rösch (Hochzeit) und Baum (Geburtstag) fehlten aus privaten Gründen.

Vom Schreibtisch auf den Platz. Dafür lief aber mit der Nummer 7 ein Spieler auf, mit dem niemand rechnen konnte: Abteilungsleiter Sebastian Gilg höchstpersönlich hatte die Schuhe geschnürt und beackerte die rechte Seite. Fast genau 18 Monate nach seiner schweren Verletzung trainierte er unter der Woche dreimal und stellte sich Trainer und Team zur Verfügung. Die Luft reichte für knappe 70 Minuten und die Leistung war in Ordnung, wie Sebastian Gilg sichtlich begeistert erzählt: „Es war einfach ein geiles Gefühl wieder auf dem Rasen zu sein. Während meines dreiwöchigen Urlaubs auf Sizilien habe ich jeden Tag viel Sport getrieben und war mit dem sportlichen Leiter Salemovic in ständigem Kontakt. Wir waren uns einig, dass es doch cool wäre, noch einmal gemeinsam zu kicken. Wegen der vielen Ausfälle haben wir am Montag entschieden, dass ich ins Training einsteige. Ich bin nun als Spieler gemeldet und stehe zur Verfügung.“

Die deftige 2:5-Niederlage gegen den fordernden Gegner aus Pipinsried konnte Gilg zwar nicht verhindern, allerdings war Teamkollege Muriz Salemovic angetan: „Dafür, dass er nur dreimal trainiert hat, war die Leistung durchaus ansprechend und er ist eine Option für die Zukunft. Er gehörte sicherlich nicht zu den schlechtesten Spielern heute.“

In einer hitzig geführten Partie, mit einigen groben Fouls und Fehlentscheidungen des Schiedsrichters, lag der TSV nach 66 Minuten mit 0:4 hinten. Moritz Nebel und der eingewechselte Philip Gmell verkürzten zwar noch auf 2:4, doch Steffen Krautschneider blies zwölf Minuten vor dem Ende alle Kerzen auf der Torte aus und besorgte den fünften Treffer für die Gäste. Die fähigen Einzelspieler des TSV müssen noch zu einer Mannschaft reifen, in der es nicht nur Häuptlinge, sondern auch Arbeiter gibt. Pipinsried wirkte wesentlich abgeklärter und auch eingespielter. Besonders bei Kontern zeigte sich die Mannschaft von Eddy Weiler anfällig. Aber noch ist Zeit, um eine konkurrenzfähige Mannschaft zu formen.

Wie viel Zeit Eddy Weiler dafür genau bleibt, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Am Freitagnachmittag legte BFV-Präsident Dr. Rainer Koch in einem Webinar noch einmal ausführlich dar, um was es geht: „Der BFV möchte keinen Alleingang starten oder eine Sonderbehandlung haben, sondern mit den Kulturveranstaltungen gleichgestellt werden. Dort sind unter freiem Himmel 400 Zuschauer erlaubt. Wir wissen nicht, warum das beim Fußball nicht auch so sein könnte!?“

Der Verband wolle keine Konfrontation mit der Staatsregierung, aber spätestens am 14. September müsse im Kabinett eine Entscheidung fallen, führte Koch weiter aus. 4.355 Vereine waren aufgerufen, darüber abzustimmen, ob gegebenenfalls mit einer Klage ein Urteil vor Gericht erzwungen werden soll. 3.069 Vereine haben sich an der Abstimmung beteiligt. Die drei Fragen lauteten:

Halten Sie die Entscheidung der Staatsregierung, Wettkampfspiele im bayerischen Amateurfußball nach wie vor nicht zu erlauben und auch keine Zuschauer in begrenztem Umfang zuzulassen, für richtig?

Ja: 459 (15 Prozent)

Nein: 2610 (85 Prozent)

Wollen Sie, dass der Wettkampfspielbetrieb 2020 baldmöglichst wieder aufgenommen wird und der BFV sich dafür einsetzt?

Ja: 2466 (80 Prozent)

Nein: 603 (20 Prozent)

Soll der BFV rechtlich gegen das Verbot des Wettkampfspielbetriebs im Amateurfußball vorgehen und gegebenenfalls gerichtlich Gleichbehandlung mit Freiluft-Kulturveranstaltungen analog § 21 Abs. 2 der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung geltend machen?

Ja: 2022 (66 Prozent)

Nein: 1047 (34 Prozent)

TSV-Abteilungsleiter Sebastian Gilg sagte gegenüber dem KREISBOTEN, der Verein habe die drei Fragen mit „Nein“, „Ja“ und „Ja“ beantwortet – ein klares Votum: „Ich gehe davon aus, dass die meisten der Vereine ebenso abgestimmt haben. Die Spieler haben nun sechs Wochen Vorbereitung hinter sich und wollen endlich kicken. Niemand leugnet Corona und die Gefahren, aber 400 Zuschauer bekommen wir auf unserer Anlage mit den Auflagen locker unter.“

BFV-Präsident Rainer Koch kommentierte die Abstimmung mit den Worten: „Unsere Vereine haben mit der Abstimmung und den überaus deutlichen Ergebnissen ein ebenso starkes wie klares Signal gegeben, ein solches erhoffen wir uns jetzt auch sehr kurzfristig von der Staatsregierung, denn wir wollen Fußball spielen und nicht gegen die Regierung klagen.“ Die Umfrageergebnisse hat BFV-Präsident Rainer Koch bereits am vergangenen Montag Staatsminister Joachim Herrmann in einem Schreiben übermittelt – verbunden mit der Bitte, sich für eine Erlaubnis des Wettkampspielbetriebs mit einer begrenzten Zahl an Zuschauern analog zum Kulturbetrieb zu verwenden. Der Ball liegt nun bei der Politik.
Dietrich Limper

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