Butter vom Brot genommen

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In allerletzter Sekunde kassierte der TSV Landsberg (rotes Trikot) ein Ausgleichstor zum 1:1 in Mering.

Landsberg – Es war ein Nackenschlag, der offensichtlich saß: Die Spieler des TSV Landsberg sanken auf den Meringer Rasen und konnten nicht fassen, was ihnen widerfahren war. Gerade hatte ihnen Amir Hajdarevic mit seinem Treffer zum 1:1 nach 91 Minuten und 55 Sekunden den Sieg entrissen.

Schiedsrichter Andreas Hummel hatte die Pfeife zuvor bereits im Mund gehabt und beendete die Partie dann auch sofort mit dem Treffer. „Ich habe meine Mannschaft selten so geknickt gesehen“, meinte Trainer Sven Kresin. „Aber ich kann ihr keinen Vorwurf machen, wir haben über 90 Minuten alles richtig gemacht. Es ist natürlich schade, wenn man sich dann noch die Butter vom Brot nehmen lässt.“

Dass es für den TSV noch einmal brenzlig werden könnte, hatte sich in den Sekunden zuvor aber schon angedeutet. Obwohl es für den SV Mering in der Tabelle um nichts mehr ging, warfen die Gastgeber in der Nachspielzeit noch einmal alles nach vorne. Die Landsberger brachten keine Ruhe mehr ins Spiel. Statt den Ball in der gegnerischen Hälfte zu halten, verzettelte man sich einige Male im Mittelfeld, auch dem Gegentreffer waren gleich mehrere Fehler vorausgegangen. „Wenn ich den Ball schon an der Mittellinie dem Gegner in die Füße spiele, muss wenigstens der Mitspieler dann sofort ein taktisches Foul machen, auch wenn er dafür in der 92. Minute vielleicht Gelb-Rot sieht“, so Kresin.

Auch den Querpass im Strafraum konnte man nicht unterbinden, so dass Hajdarevic letztlich blank vor Heiland stand. Der späte Treffer trübte die ansonsten gute Leistung der Landsberger. In einer von der Taktik geprägten, aber auf gutem Niveau stehenden Begegnung hatte man zwar zu Beginn Schwierigkeiten mit den Gastgebern. Schon nach sechs Minuten setzte Merings Kapitän Michel Fiorentino einen Freistoß aus 20 Metern an den rechten Pfosten, der ansonsten ausgezeichnet haltende Heiland wäre hier chancenlos gewesen.

Zwei weitere Gelegenheiten gestand man dem SV Mering in der ersten Viertelstunde noch zu, danach vergab der TSV seine beste Chance nach 30 Minuten – Stefan Strohhofer setzte einen Drehschuss aus acht Metern weit links am Gehäuse vorbei. Heiland durfte noch einmal glänzen, als er am rechten Pfosten übergreifen musste, um einen satten Schuss von Gocevic noch um die Stange zu drehen.

In der zweiten Hälfte bekamen die TSV-Akteure Merings schnelle Außenspieler zusehends besser in den Griff und erhöhten selbst den Druck. Salemovic vergab zunächst noch aus sechs Metern nach einem weiten Ball aus dem Mittelfeld, Fülla machte es dann nach dem selben Muster, nur besser: Die glänzend geschlagene Vorlage von Strohhofer legte sich der Angreifer mit dem Kopf selbst noch einmal vor, ließ mit seiner Schnelligkeit zwei Verteidigern keine Chance und setzte die Kugel mit einem strammen Schuss zum 0:1 ins Netz (66.).

Die nächsten Minuten gehörten klar Landsberg, doch Wolf im SVM-Tor parierte sowohl einen Kopfball aus aussichtsreicher Position durch Strohhofer (73.), einen Freistoß Richtung linken Winkel von Salemovic (76.); zudem scheiterten Storhas (zweimal) und der eingewechselte Hauke mit weiteren gute Möglichkeiten – was sich dann rächen sollte. Auch wenn der TSV-Trainer das Wort vom Relegationsplatz ohnehin nicht mehr in den Mund nehmen wollte, ist auch Sven Kresin klar, dass die Landsberger mit den zwei verschenkten Punkten zumindest vorläufig eine große Chance vergeben haben.

Kresin selbst stellt aber auch die positiven Aspekte heraus: „Wir waren ja praktisch schon im Niemandsland der Tabelle versunken und haben jetzt eine Serie hingelegt, bei der wir seit sechs Spielen weiter ungeschlagen sind“, betont der 36-Jährige, der sich auch über die Leistung in Mering nicht beklagen wollte. Nicht nur die auffälligen Nuscheler und Fülla beeindruckten den Trainer dort, er fand auch Lob für die gesamte Mannschaftsleistung. „Das war ein sehr ordentliches Spiel auf gutem Landesliga-Niveau zwischen zwei Mannschaften auf Augenhöhe“, so Kresin, der seiner Mannschaft in der Pause sagte, dass er sich auf die zweite Halbzeit freue, „es hat Spaß gemacht, zuzuschauen.“

Für was es für den TSV in der Schlussphase der Saison noch reicht, will aber auch der Coach nicht prognostizieren. Zwar sind sechs Punkte Rückstand auf Rang zwei nicht wenig. Andererseits hat man noch ein Spiel mehr als Gundelfingen und Pipinsried und das vermeintlich leichteste Restprogramm. „Wir sind auf Schützenhilfe angewiesen“, weiß Kresin, „aber die Mannschaften da oben spielen noch gegeneinander, da freue ich mich auch schon auf die Ergebnisse. Wir selbst können noch maximal zwölf Punkte holen, jetzt spielen wir einfach noch viermal und dann sehen wir schon, wo wir stehen.“

Dabei soll am Samstag (14 Uhr) im Heimspiel der FC Königsbrunn nicht zum Stolperstein werden, auch wenn der Trainer vor dem Tabellenletzten warnt: „Die sind schon abgestiegen, gerade deswegen werden die ekelhaft zu spielen sein. Mit Halbgas gewinnst du auch da nix.“

Christoph Kruse

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