Champions-League-Finale im schwedischen Växjö 

Landsberger Referee Daniel Piechaczek durfte Finale leiten

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Daniel Piechaczek (Mitte) ist einer von drei Profi-Referees, die sich die Deutsche Eishockey Liga, die DEL, leistet. Ende Mai 2016 bekam er seine Urkunde von DEB-Präsident Franz Reindl (links) und Gerhard Lichtnecker, Schiedsrichter-Obmann des Verbands, überreicht.

Landsberg – Daniel Piechaczeks Karriere ist reich an Höhepunkten. Er war bei den Olympischen Spielen in Sotschi dabei, ebenso bei neun Weltmeisterschaften. Nun gab es für ihn ein weiteres Highlight: Er durfte am 6. Februar das Champions-League-Finale zwischen den Växjö Lakers (Schweden) und JYP Jyväskylä (Finnland) leiten – was letztlich Jyväskylä für sich entscheiden konnte: Am Ende gewann der Tabellenvierte der finnischen Liiga mit 2:0 und holte erstmals die Trophäe nach Hause. Warum sich Piechaczek ganz speziell auf diese Leitung vorbereiten musste, verrät er im Gespräch mit Patrick Staar. Ebenso gibt der Referee, der seit zehn Jahren in Landsberg lebt, Einblick in das Leben eines Profi-Schiedsrichters.

Welchen Stellenwert hat für Sie die Nominierung für das Champions-League-Finale? Piechaczeks: „Einen sehr hohen. In der Champions Hockey League spielen die Top-Mannschaften aus Europa mit. Von jeder teilnehmenden Nation sind da die besten Schiedsrichter entsandt. Deshalb ist es für mich eine große Ehre, da nominiert zu sein. Das Spiel wird auf der ganzen Welt übertragen und hat einen hohen Stellenwert im internationalen Eishockey.“ 

Kannten Sie die Kollegen, mit denen Sie das Finale geleitet haben?
Piechaczeks: “Ja, Lukas Kohlmüller kannte ich. Er ist aus Erding. Mit ihm habe ich im Liga-Alltag sehr viel zu tun. Er ist noch jung, aber sehr, sehr, sehr gut für sein Alter. Im vergangenen Jahr habe ich mit ihm WM-Spiele in Paris und Köln gepfiffen. Mark Lemelin ist in der österreichischen Liga unterwegs. Ursprünglich ist er ein US-Amerikaner, der schon 50 NHL-Spiele gepfiffen hat. Auch mit ihm habe ich schon ein paar WM-Spiele geleitet. Ich kenne ihn auch aus dem Ligen-Alltag, weil es einen kleinen Schiedsrichter-Austausch zwischen Deutschland und Österreich gibt.“

Haben Sie sich auf das Finale speziell vorbereitet?
Piechaczeks: „Ja, denn in dem Finale wurden erstmals die Schiedsrichter verkabelt. Die Schiedsrichter können zum einen untereinander kommunizieren. Zu anderem müssen wir wie bei der WM oder in der NHL Strafen ansagen. Wenn Tore annulliert werden oder wenn es zum Videobeweis kommt, muss die Ansage auch über dieses System erfolgen. Damit sind die Zuschauer im Stadion und vor den Bildschirmen informiert. Ich kenne das schon von der WM, trotzdem muss man sich speziell darauf vorbereiten, was ich zu sagen habe – alles auf Englisch. Vor allem bei kritischen Torszenen ist das für den Schiedsrichter eine Stress-Situation. Da muss man die Ruhe bewahren und die entsprechenden Worte finden.“

Empfinden Sie es als unangenehm, wenn Sie vor 10.000 Zuschauern und mehr Ansprachen halten müssen?
Piechaczeks: „Es sind ja keine Ansprachen, sondern kurze Informationen für die Zuschauer. Es ist eine positive Anspannung. Es macht auf alle Fälle Spaß.“ 

Wie haben Sie erfahren, dass Sie für das Finale nominiert sind?
Piechaczeks: „Ich war im Halbfinale in Växjö in Schweden eingeteilt. Die Verantwortlichen der Champions Hockey League schauen sich die Spiele und Schiedsrichter-Leistungen genau an. Anscheinend hat meine Leistung gepasst. Wobei ich sagen muss, dass das Spiel nicht schwer zu leiten war. Es war eine klare Sache für Växjö. Irgendwann ist allerdings bei den Gästen aus Liberec Frust aufgekommen, und diesen Frust-Level musste ich als Schiedsrichter unter Kontrolle halten. Als ich in Schweden am Frühstückstisch saß, habe ich den Anruf der Champions Hockey League erhalten, ob ich Interesse hätte, dieses Spiel zu leiten.“ 

Was ist in diesem Moment genau in Ihnen vorgegangen?
Piechaczeks: „Für mich war es eine Riesenfreude. In jedem Land gibt es eine Handvoll Schiedsrichter, die dieses Finale auch ohne Weiteres pfeifen könnten. Wenn man aus diesem Pool von Schiedsrichtern auserwählt wird, erfüllt einen das schon mit Stolz.“ 

Sie waren bei den Olympischen Spielen in Sotschi dabei, bei neun Weltmeisterschaften. Nun waren Sie schon zum zweiten Mal für das Champions-League-Finale nominiert. Gibt es da noch Ziele?
Piechaczeks: „Mein Ziel ist, im Ligen-Alltag in der DEL kontinuierlich meine Leistung zu bringen. Außerdem will ich das Niveau, auf dem ich seit zehn Jahren unterwegs bin, noch ein paar Jahre halten. Wenn ich ein paar Schritte weiter denke: Dieses Jahr ist die A-Weltmeisterschaft in Dänemark. Da bin ich mit Lukas Kohlmüller und zwei weiteren Schiedsrichtern aus Deutschland auf der Vorschlagsliste. Wenn ich nominiert werden sollte – das wäre ein Riesenerfolg und zugleich meine zehnte Weltmeisterschaft. Es wäre ein Traum, da noch mal dabei zu sein.“ 

Wie viele Zeit pro Woche müssen Sie als Profi-Schiedsrichter für den Eishockeysport investieren?
Piechaczeks: „Wenn ich eine der vergangenen Wochen betrachte, kommt da schon viel zusammen: Da war ich am Dienstag in Iserlohn, am Mittwoch in Mannheim, am Freitag in Bremerhaven und Sonntag wieder in Mannheim. Ich hatte also vier Spiele in einer Woche. Da wird schon viel von uns verlangt. Nicht nur auf dem Eis. Es geht auch um die Reisen, die damit verbunden sind. Das alles nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Man muss rechtzeitig anreisen und ausgeruht zu den Spielen kommen. Außerdem muss ich mir die Zeit nehmen für die Spiel-Nachbearbeitung. Ich musste zum Beispiel kürzlich für ein Spiel nach Köln. Da habe ich mir im Nachhinein gewisse Szenen angeschaut. Es ist wichtig, sich mit gewissen Situationen auseinanderzusetzen und aus Fehlern zu lernen.“ 

Werden Sie manchmal wahnsinnig, wenn Sie Ihre Entscheidung sehen?
Piechaczeks: „Absolut! Im Köln-Spiel gab es eine Szene, da habe ich mich selbst verflucht und mich gefragt, wieso ich da nicht anders entschieden habe. Es soll keine Ausrede sein, aber in dieser Geschwindigkeit, in der sich die Szenen abspielen, interpretiert man manches anders als es tatsächlich war. Der Schiedsrichter sitzt nicht wie die Zuschauer draußen und kann sich in Ruhe das Spiel anschauen. Ein Schiedsrichter muss immer aufpassen, dass er den Spielern nicht im Weg steht und die Scheibe aufhält. Er muss für jede Situation die bestmögliche Position finden. Das ist nicht nur körperlich, sondern auch mental anstrengend. Gerade wenn die Spieler oder die Fans Druck ausüben. Es ist teilweise nicht einfach, da standhaft zu bleiben. Aber es ist auch das Schöne an diesem Job, mit den ganzen Emotionen umzugehen und das Spiel in die richtigen Bahnen zu leiten.“ 

Bei so vielen Einsätzen: Hängt Ihnen Eishockey nicht manchmal zum Hals raus?
Piechaczeks: „Nein, absolut nicht. Ich freue mich schon auf das nächste und übernächste Spiel, obwohl mir das letzte Spiel noch in den Knochen steckt. Es macht einfach Spaß, mit den Top-Spielern in der DEL auf dem Eis zu stehen und jeden zweiten Tag gutes Eishockey zu sehen. Die positiven Eindrücke überwiegen definitiv.“

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