Der Dirigent der Hallen-Löwen

Martin Maier spielt Futsal beim TSV 1860 München

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Martin Maier hat Futsal für sich entdeckt.

Landsberg – Wenn die Fußballer aus dem Landkreis in der Winterpause vom Rasen aufs Parkett wechseln, haben sie bis vor wenigen Jahren Hallenfußball gespielt. In diesen Wochen messen sich die Kicker meist im Futsal, was nicht etwa nur ein Modebegriff ist sondern eine eigene offizielle Sportart mit anderen Regeln darstellt. Einer, der diese Form des Fußballs nicht nur bei eisigen Temperaturen sondern auch langfristig für sich entdeckt hat, ist Martin Maier. Mit dem TSV 1860 München hat er sich vor zwei Jahren sogar einem renommierten Verein angeschlossen.

Dass Löwen-Investor Hasan Ismaik aber auch für die Futsal-Jungs seine Geldschatulle öffnet und man allein vom Engagement bei den Sechz‘gern leben kann, das sei höchstens ein Traum, meint Maier. Bei den Blauen steht der Landsberger zwar in der Regionalliga Süd und damit der aktuell höchstmöglichen Spielklasse zwischen den Pfosten, die Topteams dort heißen aber nicht etwa FC Bayern München oder FC Augsburg sondern FC Weilimdorf oder FC Deisenhofen. „Futsal ist einfach noch nicht so populär“, sagt Maier. Deshalb fahren die Spieler auch mit Privatautos zu den Auswärtsspielen, bei denen die weiteste Strecke immerhin bis nach Stuttgart führt. Sponsoren, um zumindest die Reisekosten zu decken, suchen die Trainer selbst.

„Von 1860 bekommen wir eigentlich nur den Namen“, räumt der 24-Jährige ein. Wo immer die Löwen aber ihre Zelte aufschlagen, sei genau das ein Vorteil. „Der Name ist natürlich groß, deshalb ist auf jeden Fall Respekt da und man wird anders betrachtet.“ Namhafte Fußballer oder Ex-Profis gibt es trotzdem keine, viele Spieler im Kader hätten aber zumindest schon in der Landes- oder Bayernliga gekickt. Deshalb fiel es natürlich auf, als sich vor zwei Jahren zwei 16-jährige Talente aus dem 1860-Nachwuchs im Futsal probierten. „Die haben uns richtig hergespielt“, grinst der Torhüter, dem damals wohl auch die Bälle um die Ohren flogen.

Dabei ist die Aufgabe, die Maier als Futsal-Torhüter hat, eine noch wesentlich verantwortungsvollere als die auf dem Rasen bei Elf gegen Elf. Beim Futsal klebt der Schlussmann nämlich nicht etwa auf der Torlinie und geduldet sich bis zum nächsten Hechtsprung sondern nimmt quasi als fünfter Feldspieler ständig aktiv am Spiel teil. „Technisch gibt es kaum Unterschiede im Vergleich zum Fußball, taktisch aber schon“, meint der Landsberger. Ihm selbst kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, denn er muss ständig von hinten dirigieren und Kommandos geben, welcher Spielzug umgesetzt werden soll. Auch die Futsal-Regeln an sich erfordern schon viel Köpfchen: „Alles ist darauf ausgelegt, dass das Spiel schnell gemacht wird“, so Maier. In den zweimal 20 Minuten Spielzeit wird zwar die Zeit gestoppt, wenn der Ball ins Aus geht oder ein Freistoß gepfiffen wird. Bei all diesen Unterbrechungen hat die Mannschaft aber maximal vier Sekunden Zeit, ihre Aktion auszuführen – Spielvarianten müssen also gut einstudiert sein.

Mittlerweile bekommt Maier, sofern er nicht gerade durch Arbeit oder Verletzungen ausgebremst wird, unter den drei Löwen-Keepern die meiste Spielzeit. Nebenzu fängt Maier zwar auch noch für die FT Jahn Landsberg die Bälle beim Fußball, Futsal habe aber inzwischen leichten Vorrang. „Halle ist einfach anstrengender und man hat mehr Aktionen.“ Und den buchstäblich größten Vorteil, den der Schlussmann ausgemacht hat: „Da bin auch ich mit meinen 1,71 Meter groß genug fürs Tor, draußen wird´s manchmal eng.“

Eng wurde es für ihn auch im Juni 2014: Bei einem Relegationsspiel gegen Gernlinden war eine Flanke von rechts in den Strafraum gesegelt, Maier kam aus seinem Tor heraus und wollte klären. Der anrauschende Stürmer traf den heute 24-Jährigen am Bauch, sodass er erstmal zu Boden sackte. „Ein unglücklicher Zusammenprall“, kommentiert Maier heute – aber auch einer, der ihn fast das Leben gekostet hätte. Denn die Schmerzen, die er nach dem Crash bei seiner Auswechslung verspürte, wusste nur einer richtig einzuordnen: „Der einzige Zuschauer, der realisiert hat, dass es eine innere Verletzung sein könnte, war mein Vater. Er war meine Lebensrettung“, ist Maier dankbar.

Mit Milzriss im Krankenhaus, verbrachte der Torhüter sogar sechs Tage auf der Intensivstation und wollte seine Karriere schon beenden. Drei Tage später ging´s zurück auf die normale Station. „Da habe ich dann als erstes den Arzt gefragt, wann ich wieder kicken kann.“ Der Weg zurück ins Jahn-Tor und auch der spätere zum Futsal war also geebnet. Auch von einem Fingerbruch nur vier Monate nach seinem Klinikaufenthalt ließ sich der Landsberger nicht aus der Bahn werfen. „Als Torhüter muss du oft viel riskieren, da muss man einen an der Waffel haben“, lächelt Maier. „Das Wichtigste ist, nach einer Verletzung gleich wieder auf den Platz zurückzukehren, dann ist das aus dem Kopf raus.“

Während andere womöglich mit dem Sport aufgehört hätten, versucht Maier inzwischen sogar, Fußball und Futsal zusammen unter einen Hut zu bringen – zweimal pro Woche im Training bei Jahn, zweimal in München, wo der 24-Jährige immerhin eine Stunde Fahrtzeit für den Weg in die Landeshauptstadt einplanen muss. Dass er an den Wochenenden auch mal das ein oder andere Jahn-Spiel sausen lassen muss, dafür hätten die meisten Mitspieler Verständnis. Schließlich profitieren auch sie durch das dazugewonnene, taktische Wissen von ihrem Schlussmann: Besonders bei Freistößen oder Ecken könne er bei Jahns Hallenturnieren immer mal wieder ein paar Tricks beisteuern, meint Maier.

Und zu guter Letzt will auch der Job noch unter den Hut. Seit sechseinhalb Jahren ist der Landsberger bei der Polizei, inzwischen auf der Dienststelle in Dießen. Wenngleich sich natürlich nicht jedes der vier Trainings zwischen die Schichten schieben lasse, sei bei den Kollegen glücklicherweise „viel Verständnis für Fußball da“. Sie würden Maier und seine Löwen stets unterstützen und „sogar die Bayernfans drücken uns die Daumen“.

Marco Tobisch

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