Vom Fußballer zum Triathleten

Der Landsberger Michael Jähnig tritt beim Triathlon in erster Linie gegen sich selbst an

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Anspruchsvolles Training und harte Wettkämpfe – für den Landsberg Michael Jähnig ist der Triathlon zu einer Leidenschaft geworden.

Landsberg – Während die meisten Menschen schon zufrieden sind, wenn sie sich ein oder zweimal die Woche zu einer Stunde Fitnessstudio aufraffen können, trainiert der Landsberger Michael Jähnig pro Woche im Durchschnitt zwölf Stunden. Kein Wunder also, dass der 38-Jährige Triathleten als extreme Menschen bezeichnet. Extrem auch sein Erfolg bei der jüngsten „Challenge Roth“, die er in 9:17:12 Stunden meisterte und auf Platz 76 landete.

Eigentlich war er mal Fußballer bei der FT Jahn Landsberg. Aber dann ereilte ihn das gleiche Schicksal wie viele seiner kickenden Sportsfreunde: Die Knie machten nicht mehr mit. Jähnig wollte aber weiterhin aktiv bleiben und machte sich deshalb auf die Suche nach einer Alternative, die, wie er es mit einem Augenzwinkern bezeichnet, etwas „gemütlicher“ ist. Und wer denkt da nicht sofort an Triathlon.

Allerdings war es dann doch mehr Zufall. 2010 fand in Penzing noch er beliebte Cross-Triathlon statt, an dem Jähnig teilnahm und auf Anhieb gewann. „Da habe ich mich infiziert.“ Jähnig fand Gefallen an dieser besonderen Herausforderung und schloss sich der Triathlon-Abteilung des VfL Kaufering an. Seitdem versucht er sich stetig zu steigern. Wobei das Ziel nicht zwangsläufig das Treppchen ist. „Man tritt eigentlich gegen sich selbst an – gegen die eigene Zeit“, erklärt der Landsberger. Es ginge nicht so sehr darum, andere zu besiegen. Er stecke sich Ziele, die er dann beim nächsten Triathlon versuche zu erreichen.

Am liebsten sind ihm die Langdistanzen. „Aus Altersgründen“, wie er sagt. Bei den Kurzdistanzen wären die 20-Jährigen klar im Vorteil. Langstrecke heißt beim Triathlon: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und 42,1 Kilometer Laufen. Ironman eben. Bei diesen extremen Distanzen ist es nicht weiter verwunderlich, wenn man zwischenzeitlich auch mal Durchhänger hat. „In der Regel sind es die letzten zehn Kilometer“, gibt Jähnig zu. „Da fragt man sich dann schon mal: Warum mache ich das eigentlich?“

Bei zwei Wettkämpfen kam es auch schon vor, dass es mental gar nicht mehr ging. „Ich war viel zu schnell mit dem Rad unterwegs und bin hinterher beim Laufen eingebrochen.“ Solche Rückschläge helfen aber auch, aus seinen Fehlern zu lernen. Bei seinem jüngsten Wettkampf, der „Challenge Roth“, dem weltweit größten Langdistanz-Triathlon, habe er diese Erlebnisse immer im Kopf gehabt. „Es ist eine rein mentale Sache. Wenn der Kopf sagt, es geht nicht mehr, kann man sich das auch wieder wegreden.“ Und dieses Wegreden scheint tatsächlich geholfen zu haben. Der Landsberger schaffte es mit einer Gesamtzeit von 9:17:12 Stunden auf Platz 76 von insgesamt 3.400 Teilnehmern. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 40 km/h kurbelte er die 180 Kilometer-Radstrecke runter und machte dabei extrem Boden gut. In seiner Spezialdisziplin verpasste er die Top 20 nur um Haaresbreite.

Motivation waren ihm nicht zuletzt die Zuschauer. Bei einem Großevent wie in Roth stehen dann etwa 250.000 neben der Strecke und feuern die Sportler an. „Ich war voll mit Adrenalin“, lässt Jähnig den Tag Revue passieren. Das würde von der Anstrengung ablenken und motivieren. Aber auch seine Freundin und der Freundeskreis spielen eine große Rolle. Seine Lebensgefährtin ist bei jedem Wettkampf mit dabei. Für den Triathlon in Roth hat er eine eigene Whats App-Gruppe gegründet. Als seine Freundin ihm dann während des Events gesagt hat, dass innerhalb von einer Stunde über 100 Nachrichten eingegangen seien, in denen die Leute ihn anfeuerten, sei das eine unglaubliche Motivation gewesen. „Da legt sich dann ein Schalter um und man gibt nochmal alles.“

Bei der Frage nach der Lieb­lings­disziplin kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Radfahren.“ Das könne er einfach richtig gut und ist immer recht schnell. Das Schwimmen hingegen ist nicht sein Favorit. „Wenn 250 Mann gleichzeitig ins Wasser springen, dann ist das schon ein Hauen, Stechen und Drücken.“ Da bekomme man durchaus auch mal einen Ellbogen ab. Außerdem sei es die anspruchsvollste Disziplin. „Radfahren und laufen kann jeder, aber richtig kraulen ist schon deutlich schwieriger.“

Gut nur, dass er dafür mehrere Möglichkeiten hat, zu trainieren. Neben dem Schwimmbad oder einem Baggersee, kann Jähnig auch das Becken in der Lechfeld­kaserne benutzen. Er ist bei der Bundeswehr nämlich Sportaus­bilder und sein Arbeitgeber unterstützt ihn bei seiner Leidenschaft. Der nächste Wettkampf steht am 25. August in Hoyerswerda an. Bis dahin muss natürlich fleißig trainiert werden. Und wenn er an einem Tag wegen des Umzuges der Freundin keine Zeit hat, wird halt einfach am Tag davor eine doppelte Trainingseinheit absolviert. Der 38-Jährige hat also vollkommen recht: Triathleten sind tatsächlich extreme Menschen.

Stephanie Novy

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