Von den Besten lernen

Manuel Viehls Traum von Olympia 2028 lebt

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Laufen ist für ihn mehr als nur eine Leidenschaft: Manuel Viehl bei einem Trainingslager in Kenia, wo er bald seine neue Heimat haben wird.

Landsberg – Nicht jeder, der den Laufsport ernst nimmt, setzt sich so hohe Ziele wie Manuel Viehl. Der 19-Jährige wird seinen Lebensmittelpunkt bald ins ferne Kenia verlagern und versuchen, dort seinen Traum von Olympia 2028 zu verwirklichen. Dabei geht er strategisch vor und hat prominente Hilfe.

„Ich war schon immer sportlich aktiv. In der ersten Klasse habe ich mit Fußball beim ASV Hiltenfingen angefangen. Ich war gar nicht mal so schlecht und habe gespielt bis ich zwölf Jahre alt war. Dann entdeckte ich allerdings meine Freude für das Laufen. Und wenn die anderen beim Schulsport Fußball spielten, drehte ich einfach weiter meine Runden“, erzählt Manuel Viehl von den Anfängen seiner Leidenschaft. Und damit ging alles los.

Auch in seiner Freizeit joggte er durch Wald und Feld. Mit 17 schloss er sich der Leichtathle­tikabteilung des TSV Schwab­münchen an und trainierte fortan leistungsorientiert. Gefördert habe ihn zu Beginn niemand, sagt Viehl und bedauert: „Es gab keine Person, die mir mit zwölf oder 13 Jahren gesagt hätte, dass ich Talent habe und doch zur Leichtathletik wechseln soll. Wo würde ich heute stehen, wenn das jemand früher erkannt hätte!?“

Doch er ließ sich nicht entmu­tigen, sondern ging die Mittelstrecken an: 800, 1.500 und 5.000 Meter. Er trainierte fünfmal in der Woche und nahm, zunächst mit mäßigem Erfolg, an ersten Wettbewerben teil. Doch nach einer Weile zahlten sich Ehrgeiz und Durchhaltevermögen aus und 2019 wurde er Schwäbischer Meister über 800 Meter. Im selben Jahr außerdem Vizemeister über 1.500 und 3.000 Meter sowie Mannschaftsmeister 2018 und 2019 mit dem TSV Schwabmünchen.

Trainingslager in Kenia

Über einen Schweizer Freund hörte er von der Möglichkeit, im fernen Afrika mit den besten Läufern der Welt zu trainieren. Er mietete sich im kenianischen Städtchen Iten, das sich selbst „Home of Champions“ nennt, ein. Trainieren, essen, schlafen trainieren, essen, schlafen – mit ehemaligen und aktuellen Weltmeistern, Olympia- und Marathonsiegern. Die besten der besten. Vier Wochen lang, 2.300 Meter über dem Meeresspiegel.

„Ich wurde vom Flughafen abgeholt, und der Fahrer des Wagens war ein WM-Medaillengewinner von 2009 in Berlin. Es war einfach traumhaft. Ich bin herzlich aufgenommen worden. In meiner Trainingsgruppe waren Läufer, die den Halbmarathon in unter einer Stunde laufen. Man steht gegen 6 Uhr auf, wenn gerade die Sonne aufgeht, und sieht Hunderte von Läufern trainieren. Da war ich ganz anders motiviert“, die Begeisterung in Viehls Stimme ist nicht zu überhören.

In dieser Umgebung lernte er dann den Österreicher Thomas Potzinger kennen, der seit 2017 in Kenia lebt und trainiert. Sie funkten auf einer Wellenlänge und seit Dezember 2019 ist Potzinger Viehls persönlicher Coach. Potzinger wiederum ist Assistenztrainer bei einer wahren Legende der Laufszene: Renato Canova. Der Italiener gilt als Sport-Guru und trainiert in Kenia Weltrekordhalter, Weltmeister und olympische Medaillen­gewinner.

„Mittlerweile ist Thomas mehr als ein Trainer für mich. Wir schreiben uns wirklich jeden Tag und telefonieren mehrmals pro Woche. Er schickt mir Trainingspläne und Videos von anderen Läufern. In der Regel teile ich ihm sonntags mit, wie mein Training in der vergangenen Woche gelaufen ist. Wir werten dann die Daten gemeinsam aus und planen die nächste Trainingswoche und Ziele“, beschreibt Manuel Viehl die Zusammenarbeit.

Und nun haben sie ein sehr großes Ziel ins Auge gefasst. Im Februar 2020 beendet Viehl seine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement bei IWL in Landsberg. Anschließend wird er seine Zelte in Deutschland abbrechen und nach Kenia übersiedeln. Gemeinsam mit Potzinger hat er Grund erworben und darauf wird nun ein kleines Haus gebaut, in dem die beiden wohnen werden. Und dann wird trainiert, trainiert und nochmal trainiert. Mit dem ganz großen Ziel Olympia 2028 immer vor Augen.

"Frühsport"

Doch schon jetzt steht Manuel Viehl in aller Herrgottsfrühe auf und läuft vor dem Frühstück schon mal 16 Kilometer. Wenn er nicht läuft, steht eine halbe Stunde Krafttraining auf dem Programm. Er geht wie ein Normalsterblicher zur Arbeit, aber danach läuft er noch einmal sechs bis zwölf Kilometer, gefolgt von Sprints und Kraft­einheiten. Hat er nicht mal Moti­vationsprobleme und Durchhänger? „Natürlich, aber dann sehe ich immer wieder meinen großen Traum vor Augen und der treibt mich an. Außerdem denke ich mir, dass sich die Konkurrenz weiterentwickelt, während ich nichts tue. Also bleibe ich dran“, erzählt Manuel Viehl.

In Kenia will er gemeinsam mit Potzinger an den 5.000 und 10.000 Metern arbeiten, denn da sieht er seine Stärken. Die Schnelligkeit auf den kurzen Strecken werde er nicht mehr erreichen, da sei der Zug abgefahren. Für den Marathon sei er sowieso noch zu jung, damit könne er noch anfangen wenn er 30 wird. Diese Distanz macht in jungen Jahren keinen Sinn.

Rund 300 Euro braucht er pro Monat für sein Leben in Kenia. Er hat Ersparnisse und auch schon zwei Sponsoren, die ihn unterstützen. Weiteren Geldgebern ist er nicht abgeneigt. Er freut sich über jeden Euro, der in ihn investiert wird. Die Eltern respektieren seinen Wunsch. Zwar sind sie traurig, dass er bald weit weg sein wird, aber sie verstehen, dass Manuel Viehl wenigstens den Versuch starten muss, seinen Traum zu verwirklichen.

„Ich möchte mir nicht mit 30 vorwerfen, dass ich es nicht versucht habe. Und wenn ich nach vier oder fünf Jahren merke, dass es nicht reicht, bricht die Welt auch nicht zusammen. Dann werde ich in Kenia vielleicht als Trainer arbeiten und mein Haus für Läufer aus Deutschland öffnen. Gästezimmer sind eingeplant“, sagt Manuel Viehl und wirkt dabei sehr vernünftig.

Falls es also nichts wird mit Olympia 2028: Den Plan B hat Manuel Viehl schon in der Sporttasche.
Dietrich Limper

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