Trainingszeiten halbiert

Landkreis gräbt Schwimmern des VfL Kaufering das Wasser ab

VfL Kaufering - Schwimmtraining - Lechtalbad
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Zwei Bahnen nur für die Schwimmer und Triathleten des VfL Kaufering wird es im Lechtalbad weiterhin geben, allerdings nicht mehr im bisherigen Umfang.

Kaufering – Schock beim VfL Kaufering: Der Landkreis hat der Abteilung Schwimmen und Triathlon die Nutzungszeiten im Lechtalbad drastisch gekürzt. Statt gut 54 Stunden in der Woche darf der Verein ab kommendem Jahr nur noch für knapp 20 Stunden in der Woche das kreiseigene Hallenbad nutzen. 

Das Vereinsschwimmen im Lechtalbad gibt es schon so lange wie die Abteilung existiert, erzählt deren Leiter Udo Franke – nämlich seit 1974. Die Zusammenarbeit habe immer gut funktioniert. Der jetzige Nutzungsvertrag läuft seit 2009. Er erlaubt es dem Verein, zu unterschiedlichen Zeiten von Dienstag bis Sonntag jeweils zwei der fünf Bahnen des Schwimmerbeckens fürs Training zu nutzen. Aktuell zahlt der Verein dafür laut Franke 17.000 Euro im Jahr.

Rund 120 Kinder und Jugendliche sowie 50 Erwachsene gehören der Schwimmabteilung des VfL an. Die Jüngsten haben gerade ihr Seepferdchen gemacht, die ältesten sind über 60. Auch Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung schwimmen im Rahmen des Vereinssports im Lechtalbad. Der VfL erfülle hier durchaus eine gesellschaftliche Aufgabe, betonen die Verantwortlichen. Stolz ist der Verein auch auf seine erfolgreichen Masterschwimmer und Triathleten.

Franke erklärt, dass der Trainingsbetrieb kaum mit den besucherstärksten Zeiten des Bades kollidiert. Die Vereins­schwimmzeiten finden unter anderem spätnachmittags und abends sowie am Samstag Vormittag statt.

»Todesurteil«

Nun steht eine drastische Kürzung der Bahnzeiten bevor. Zum 31. Dezember hat der Landkreis den Nutzungsvertrag mit 54,25 Stunden in der Woche gekündigt. Ab dem 1. Januar hätte der Verein dann nur noch Bahnzeiten von 19,75 Stunden in der Woche zur Verfügung. Den Schwimmbetrieb darin unterzubringen – „das geht nicht“, sagt Franke. In einer Pressemitteilung spricht die Abteilung von einem „Todesurteil“ und der „Einstellung des Vereinssports“.

Die Abteilungsleitung vermutet, dass der Landkreis künftig kommerziellen Schwimmschulanbietern mehr Wasserzeiten einräumen möchte, „um möglicherweise eine höhere Wirtschaftlichkeit des Bades zu erreichen“. Vor diesem Hintergrund sei man verwundert, dass mit dem Verein nie Verhandlungen über eine höhere Nutzungsgebühr geführt worden seien.

Neuverteilung

Beim Landratsamt heißt es, die Schwimmzeiten hätten insgesamt neu verteilt werden müssen. Neben den zahlenden Besuchern gebe es viel Nachfrage – und für den Landkreis eine klare Rangfolge der Prioritäten. An erster Stelle stehen die Schulen, an zweiter Stelle die Wasser­wacht, an dritter die Vereine. „Wir versuchen, dem allen gerecht zu werden“, sagt Landratsamtssprecherin Anna Diem. „Aber die Zeiten sind nicht beliebig erweiterbar.“ Für die Neuverteilung seien alle bestehenden Nutzungsverträge gekündigt und die aktuellen Bedarfe abgefragt worden. Dabei kam heraus: „Fast alle wollten noch mehr Zeiten“, so Diem. Das sei aber nicht machbar.

Wegen Corona ist die Zahl der Besucher im Lechtalbad der­zeit begrenzt. Maximal 180 Badegäste dürfen sich gleichzeitig dort aufhalten. Wenn die Corona­pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen vorbei sind, könne man „eventuell neu nachdenken“.

Den Vorwurf, kommerzielle Anbieter von Schwimmunterricht bevorzugen zu wollen, weist das Landratsamt entschieden zurück. Es gebe aktuell niemanden, der Bahnen gemietet habe.

Franke hofft unterdessen, dass in Sachen Nutzungsvertrag das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Ein Gespräch mit der Bäderleitung ist geplant. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, so der VfL-Abteilungsleiter. Der Schritt an die Öffentlichkeit sei „ein Hilferuf, in der Hoffnung, dass wir noch etwas ändern können“.
Ulrike Osman

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