Schraubstock-Training fürs Triple

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Fingerhakeln-Sparring im Pflugdorfer Vereinsheim: Lorenz Grabmeier (links) wird Vorstand Stephan Harrer gleich über den Tisch ziehen.

Vilgertshofen-Pflugdorf – Während der FC Bayern für das erstrebte Triple noch viele Punkte holen muss, ist für den stärksten Mann des Landkreises das Triple im wahrsten Sinne des Wortes zum Greifen nah: Der Fingerhakler Lorenz Grabmeier aus Pflugdorf hat sich in diesem Jahr bereits die Titel alpenländischer und deutscher Meister in der Königsklasse gesichert. Und wenn er sich am 6. September im unterfränkischen Frohnhofen noch den bayerischen Meistertitel holt, hat er das Triple und ist damit Deutschlands erfolgreichster Fingerhakler in der Schwergewichtsklasse.

Bereits um 5 Uhr früh, vor seinem Arbeitsbeginn als Hausmeister in der Schule am Luisenhof in Landsberg, startet Lorenz Grabmeier mit dem Training. Erst stemmt er zum Auf- wärmen ein paar dutzendmal zwei Eisengewichte á 24 Kilogramm, dann „kämpft“ er gegen einen Schraubstock mit Expander, an dessen Ende der Lederriemen für den Mittelfin-ger befestigt ist. Neben dem Solotraining ist jeden Mittwoch Sparring mit den Sportsfreunden im Vereinsheim des Fingerhaklervereins Pflugdorf-Stadl angesagt. Hier treffen sich nicht nur „g’standene und g’wichtige Mannsbilder“ zum Training, es gibt auch Junioren, Leicht-, Mittel- und Halbschwergewichtler, die diesem traditionellen alpenländischen Kraftsport frönen.

Bärenstark mit dem Mittelfinger

Bei allem sportlichen Ehrgeiz sieht Lorenz Grabmeier seine Fingerhakelei auch als eine Art Geselligkeitssport ohne Konkurrenzdenken. Das zeigt sich bei den auswärtigen Wettkämpfen, zu denen meist der ganze Verein mit Weib, Kind und Kegel mitreist. So wie bei der Deutschen, wo natürlich auch Ehefrau Rosi und die Töchter Karina (13) und Lisa (16) im Bus saßen und dann ihren Lorenz kräftig anfeuerten. Der 120 Kilogramm schwere Athlet brauchte in der Rimbacher Festhalle viel Magnesium, um seine Hände bei den tropischen Temperaturen trocken zu halten. Als er seinen Kontrahenten Michael Kölbl in einem packenden Finale endgültig „über den Tisch zog“, kannte der Jubel der Pflugdorfer Fans kein Ende.

Erfolgreich bei der Deutschen war übrigens nicht nur Lorenz Grabmeier mit seinem Titelgewinn, auch weitere Hakler aus Pflugdorf-Stadl schafften es aufs Siegertreppchen. So wurde Alexander Arnold deutscher Vizemeister der Junioren und Gerhard Sturm in der Seniorenklasse bis 85 Kilogramm Dritter. Wolfgang Arnold erreichte im Leichtgewicht den 4. Platz und die Harrer-Brüder Stephan (Mittelgewicht) und Markus (Halbschwergewicht) jeweils den 6. Platz.

DM in zwei Jahren

Vereinsvorsitzender Stephan Harrer ist stolz auf seine erfolgreichen Hakler, hätte aber auch gerne mehr Nachwuchs im Verein. Wer also interessiert ist an diesem traditionellen Männer-Kraftsport, kann sich per E-Mail melden (stephan-harrer@t-online.de) oder einfach am Mittwoch ins Vereinsheim kommen (alte Schule Pflugdorf).

Am 14. Februar 2016 richtet der 1971 gegründete Pflugdorfer Verein die Meisterschaft vom Gau Ammergau im Bürgerzentrum aus und im Jahr 2017 sogar die deutsche Meisterschaft, wofür extra ein Festzelt mit großem Unterhaltungsprogramm aufgebaut wird.

Das Fingerhakeln, mit dem schon im 17. Jahrhundert im Alpenland ganz offiziell Streitigkeiten ausgetragen wurden, wird heute nach einem strengen Reglement ausgetragen. Tisch, Hocker und Lederriemen sind genormt. Schiedsrichter, Beisitzer und „Auffänger“ kontrollieren genau, wer wen mit Schnellkraft und Technik „über den Tisch zieht“. An Meisterschaften dürfen nur Mitglieder des Landesverbandes Bayerischer Fingerhakler teilnehmen.

Viel Nützliches

Für Lorenz Grabmeier, dem Mann mit dem stärksten Mittelfinger Deutschlands, ist das Fingerhakeln zur „schönsten Ne- bensache der Welt“ geworden, wie seine umfangreiche Pokalsammlung beweist. Viel lieber als Pokale bringt der Parade-Bayer aber Sachpreise mit nach Hause zu seiner Familie – von der Kaffeemaschine bis zum Rad hat er schon viel Nützliches „hergezogen“…

Dieter Roettig

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