Marcel Schrötter im Interview:

Höhen und Tiefen in der Moto2-WM

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Mit der Nummer 23 startete Marcel Schrötter heuer für das spanische Team SAG Zelos, in der kommenden Saison möchte Schrötter mit seinem neuen Rennstall Tech 3 weiter nach vorne kommen und in der Top-Ten abschließen.

Pflugdorf – Die Saison in der Moto2-Weltmeisterschaft hat für den Pflugdorfer Marcel Schrötter gut begonnen. Zum Ende hin hatte er allerdings immer wieder mit Problemen unterschiedlichster Art zu kämpfen. Im nächsten Jahr wartet bereits eine neue Herausforderung, denn der 20-Jährige startet für einen anderen Rennstall. 

Herr Schrötter, die Saison 2013 ist vorbei – was nehmen Sie mit?

Marcel Schrötter: „Es war eine sehr lange Saison und ich habe viel gelernt, auch wenn die zweite Hälfte nicht ganz unseren Vorstellungen entsprach. Teilweise haben wir gute Ergebnisse gehabt, aber es ist schwierig zu sagen, was ich mitnehme. Auf jeden Fall möchte ich das, was ich gelernt habe, im nächsten Jahr umsetzen, denn ich habe ein neues Team und möchte meine ganzen Erfahrungen einbringen.“

Für Sie war die Saison sehr durchwachsen. An welche Höhepunkte können Sie sich noch besonders gut erinnern?

Schrötter: „Ganz klar war das gleich das erste Rennen. Da hab ich mich auf Platz 6 oder 7 vor gekämpft, das war ein gutes Gefühl. Auch die Trainings in Mugello waren super. Dort haben wir uns Training um Training verbessert und waren gut dabei. Im Qualifying war ich sogar in der ersten Startreihe. Das sind Dinge, die einem sehr gut tun, wenn man daran denkt. Das sagt mir, dass ich es kann.“

Gab es auch Tiefen?

Schrötter: „Ein richtig schlimmer Moment war so etwas wie in Brünn. Mehr Pech kann man gar nicht haben. Zuerst hatte ich keine schlechte Position, aber dann bin ich überhastet oder eigentlich ohne jeden Grund mit einem Teamkollegen zusammengekommen. Da musste ich geradeaus durch das Kiesbett und bin dann erst als Vorletzter oder Letzter auf die Strecke gekommen. Trotzdem habe ich mich wieder auf Platz 15 vor gekämpft. Dann ist aber wieder vor mir jemand gestürzt und ich daraufhin auch. Da haben wir wirklich viel Pech gehabt in dem Rennen – das war ein ganz schönes Down. Generell gab es in der zweiten Saisonhälfte viele Momente, in denen man ein bisschen ratlos war.“

Oft hatten Sie auch Probleme mit Ihrer Maschine oder der Reifenwahl – Was war der Grund? Haben Sie aus den technischen Schwierigkeiten gelernt?

Durchwachsen war die Bilanz für den 20-jährigen Pflugdorfer Marcel Schrötter.

Schrötter: „Der Grund ist ganz einfach: Man hat am Rennwochenende nicht besonders viel Zeit und auch im Winter war keine Zeit alle der insgesamt neun Testtage zu nutzen, um schon eine Grundeinstellung für die Reifen zu finden. Bei uns ging das dann von Rennen zu Rennen. Auch auf unterschiedlichen Strecken verändert sich das Verhalten der Reifen. Manchmal lag es vielleicht auch an den Wetterverhältnissen. Es war teilweise schon schwierig für mich, weil es ja auch die erste Saison auf dem Motorrad war. Das sind halt Dinge, die man durch ein oder zwei Jahre mehr Erfahrung anders einschätzen oder angehen kann.“

Haben Sie – als ehrgeiziger Sportler – Ihr persönliches Ziel in diesem Jahr erreicht?

Schrötter: „Nein. Ich bin ganz zufrieden, wie die Saison anfing und bis zur zweiten Hälfte lief. Mein Ziel war es, noch öfter in die Top-Ten zu kommen. Aber das haben wir leider nicht geschafft. Zum Schluss war Platz 15 in der WM-Wertung das Ziel. Das haben wir auch nicht erreicht – wir sind 17. geworden. Deswegen bin ich nicht ganz zufrieden.“

Was hätten Sie rückblickend in diesem Jahr vielleicht anders gemacht?

Schrötter: „Das ist schwierig, da hab ich noch gar nicht richtig drüber nachgedacht. Nach dem Rennwochenende sagt man sich öfters mal, dies oder das hätte ich anders gemacht.“

Nächstes Jahr starten Sie mit einem neuen Rennstall in die Moto2-WM. Freuen Sie sich? Haben Sie schon das Team kennengelernt?

Schrötter: „Da freue ich mich auf jeden Fall drauf. Es ist einfach ein super Team und ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Schon in den wenigen Tagen macht es richtig Spaß und man kann zusammen eine große Zukunft haben. Ich versuche einfach meinen Job so gut wie möglich zu machen, dass wir gemeinsam Erfolg haben. Das kann etwas richtig Gutes werden.“

Wie sieht denn die Arbeit mit dem neuen Team in den nächsten Monaten aus?

Schrötter: „Wir werden in diesem Jahr nur noch einen Test haben in Amerika. Da werden wir Tag für Tag nach unserem Plan arbeiten, um das Setup durchzugehen, und uns verbessern und wohlfühlen auf dem Motorrad.“

Besuchen Sie im Winter auch die Teambasis?

Schrötter: „Bestimmt, ich würde gerne mal den Workshop vom Team sehen, das wäre auf jeden Fall interessant.“

Was ist Ihr Vorsatz für die kommende Saison?

Schrötter: „Klar, ich will mich steigern. Ich will zeigen, dass ich in der Klasse mitfahren kann. Das Ziel ist es, so oft wie möglich in den Top-Ten zu sein. Ich glaube das wäre ein erster, guter Schritt, um weiter nach vorne zu arbeiten. Ich weiß, es ist ein schwieriger Weg und wir müssen alles dafür geben und uns gegenseitig helfen, dass wir das schaffen.“

Mit 20 sind Sie schon fast ein „alter Hase“ in der Moto2 – wie geht es für Sie weiter?

Schrötter: „Alter Hase würde ich jetzt nicht sagen. Egal ob 20 oder 25 – wichtig ist, dass wir nächstes Jahr eine gute Arbeit leisten, vielleicht das Jahr danach genauso. Und dann schauen wir mal, wohin der Weg führt.“

Und was macht ein Rennfahrer in der Winterpause?

Schrötter: „Jetzt noch ein bisschen trainieren, aber eher auch zum Spaß. Es kommt noch ein wichtiger Test und dann kommen wieder solche Sachen wie Motocross, das mache ich sehr gerne. Ich will einfach noch Spaß haben und die Zeit genießen, wir sind ja gerade in Spanien. Ab Anfang Dezember werde ich zuhause sein bis Weihnachten oder Neujahr. Und Anfang Januar geht es dann schon wieder mit den Vorbereitungen los.“

Janina Bauch

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