Vor der Nationalmannschaft im KREISBOTEN-Interview: Marco Tobisch, Kauferinger Floorballer

"Vor 7.000 Zuschauern, das wäre ein Traum"

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Marco Tobisch (rot, hier gegen den TV Schriesheim) ist nach vier Jahren wieder für die Nationalmannschaft nominiert. Diesmal will der 25-Jährige seine Chance nutzen.

Kaufering – Wenn am Freitag vier Spieler der Red Hocks Kaufering in Richtung Chemnitz aufbrechen, wird auch ­Marco Tobisch unter ihnen sein. Mit seinen Vereinskollegen ­Maximilian Falkenberger, Tobias Hutter und Julian Rüger fährt der 25-Jährige zu einem Lehrgang der Deutschen Floorball-Nationalmannschaft, die drei Tage lang ihren Auftakt für die neue WM-Kam­pagne abhält. In der 1. Bundesliga zählt ­Tobisch schon seit einigen Jahren zu den punktbesten Verteidigern, nun will der KREISBOTEN-Volontär auch im schwarz-rot-goldenen Trikot auflaufen. In unserem aktuellen Interview spricht der Landsberger über seine Ziele und die Rolle, die ihn kommende Saison erwartet.

2013 warst du kurz nach Eurem Bundesligaaufstieg schon einmal fürs Nationalteam berufen. Warum war das damals eine einmalige Geschichte?

Tobisch: „Schwer zu sagen, das waren damals schlichtweg noch andere Zeiten. Ich war als Nachrücker bei einem Trainingslager in Prag dabei und habe danach noch eine weitere Einladung bekommen. Für ein Länderspiel hat es damals aber leider noch nicht gereicht. Ich würde sagen, die Konkurrenz-Situa­tion war zu dieser Zeit noch eine andere.“

Und heute?

Tobisch: „Inzwischen hat sich vieles verändert. Seit diesem Jahr ist Remo Hubacher Natio­nalcoach und hat sich einen größeren Kader nach Chemnitz eingeladen. Neben einigen Neulingen stehen auch viele gestandene Nationalspieler im Aufgebot aber ich denke, dass die Karten trotzdem für alle Eingeladenen neu gemischt werden.“

Mit welchen Stärken willst du dort überzeugen? Und wo hast du noch Potenzial?

Tobisch: „Meine Vorteile, vor allem als Verteidiger, sehe ich in Antritt und Zweikampfstärke. Es macht mir schon immer Spaß, gegnerischen Stürmern den Ball zu klauen. Offensiv habe ich einen ganz ordentlichen Schuss und Spielübersicht. Verbessern sollte ich mich, denke ich, noch im Körperspiel. Und geht es nach meinen Kauferinger Trainern, muss ich noch öfter den Abschluss suchen.“

Was denkst du: Wie stehen deine Chancen, dass du dich im Nationalkader hältst?

Tobisch: „Ob es am Ende reicht, entscheiden die Trainer. Aber natürlich fahre ich nicht unter dem Motto ‚Dabei sein ist alles‘ nach Chemnitz, sondern möchte mich beweisen und festspielen. Meine Hausaufgaben dafür habe ich denke ich gemacht.“

Wie sahen die aus?

Tobisch: „Seit Mitte Juni bin ich mit den Red Hocks wieder in der Saisonvorbereitung. Die ersten eineinhalb Monate haben wir fast ausschließlich auf Kraft und Ausdauer Wert gelegt. Seit August trainieren wir wieder dreimal wöchentlich in der Halle Technik und Taktik, zusätzlich schiebe ich etwa zwei bis drei Krafttrainings pro Woche. Die sind wichtig, weil wir zu Beginn des Trainingslagers gleich einen umfangreichen Physis-Test absolvieren müssen, wo z.B. Sprints, Ausdauer oder verschiedene Kraftübungen bewertet werden.“

Klingt anstrengend. Wofür die viele Schinderei?

Tobisch: „Wie gesagt, zunächst mal, um dabei zu bleiben. Im Februar findet dann die WM-Qualifikation in der Slowakei statt. Dort im National­trikot gegen Weltmeister Schweden oder zum Beispiel Frankreich und die Slowakei zu spielen, wäre ein riesengroßer Traum. Genauso wie die WM im Dezember 2018 in Prag, sofern die Qualifikation erfolgreich ist.“

Was kommt auf Spieler und Zuschauer bei einer Floorball-WM zu?

Tobisch: „Das ist schon ein echtes Groß-Event. Allein in Prag gibt es rund 80 Floorball-Vereine, dort werden die Hallen bei den WM-Spielen gut gefüllt sein. Zum Vergleich: In Schweden, wo unsere Sportart einen ähnlichen Stellenwert hat wie in Tschechien, waren 2014 bei einem deutschen Vorrundenspiel über 7.000 Zuschauer in der Halle.“

Wie viele Teams nehmen insgesamt am Turnier teil?

Tobisch: „Gespielt wird in vier Vierergruppen im Modus Jeder-gegen-jeden. Danach geht´s in die K.o.-Spiele.“

Ist 2018 deine letzte Chance auf eine WM-Teilnahme?

Tobisch: „Nicht zwangsläufig, aber zumindest die wohl beste. Tatsächlich zähle ich aber schon fast zu den alten Hasen im Floorball. Unter den 30 Nominierten für Chemnitz bin ich sogar schon unter den fünf Ältesten. Aber aus Kaufering kenne ich das ja...

Dort bist du seit diesem Jahr wieder Vize-Kapitän. Willst du auch in der Nationalmannschaft eine Führungsrolle einnehmen?

Tobisch: „Da gibt es genug andere, die seit Jahren dabei sind und diese Rollen besetzen werden. In der Hierarchie ordne ich mich als Neuling natürlich erst mal hinten ein.“

Wie sieht das in Kaufering aus?

Tobisch: „Da habe ich inzwischen die zweitmeisten Spiele aller Herren auf dem Buckel. Selbstverständlich wird dann auch von einem verlangt, jüngere Spieler an die Hand zu nehmen und auf dem Feld erfahren und konstant aufzutreten. Die Verantwortung auf andere abzuwälzen, ist da keine ­Option mehr.“

Nimmst du diese Rolle gerne an?

Tobisch: „Definitiv. Die Nachwuchsspieler, die ins Bundesligateam aufrücken, machen einen guten Eindruck und hängen sich in den Trainings rein. Auf dem Feld verstehen wir uns, auch wenn vor allem die Jungs zwischen 16 und 18 zum Teil einen nicht nachvollziehbaren Musikgeschmack haben und sich oft in einer Jugendsprache unterhalten, von der wir Älteren nur wenige Fetzen verstehen. Aber das werden wir schon in den Griff kriegen.“ (lacht)

Und zuletzt: Wo soll´s dieses Jahr mit den Red Hocks sportlich hingehen?

Tobisch: „Im Prinzip haben wir dieselbe Zielvorgabe wie jedes Jahr: Zunächst den Klassenerhalt möglichst früh sichern und dann schauen, was noch geht. Insgesamt schätze ich unseren Kader ein bisschen stärker ein als im vergangenen Jahr. Wir hatten zwar ein paar Abgänge, die uns wehgetan haben. Aber besonders durch den Sprung, den viele jüngere Spieler hinter sich haben, sind wir in der Breite besser aufgestellt.“ 

Astrid Neumann

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