Wo die Uhren anders ticken

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Im Arm des Weißrussischen Staatspräsidenten Alexander Lukaschenko (Mitte): HCL-Präsident Markus Haschka (2. v. links) hat von der Senioren-WM viel zu berichten.

Landsberg – Wie kommt Markus Haschka als Spieler für Deutschland zur Senioren-WM im Eishockey nach Minsk? Der 36-Jährige hat es zwar in seiner Karriere mit dem EV Landsberg einst in die zweite Liga geschafft, Einsätze in der Nationalmannschaft gab es führ ihn zuvor nicht.

Haschka selbst kann das aufklären: „Da treten ja nicht nur Ex-Weltmeister an, ich hatte sogar einige Mitspieler, die nur unterklassig aktiv waren.“ Fast noch interessanter waren aber die Gegenspieler, mit denen der HCL-Vorstand jetzt im Januar zusammentraf: Im Spiel gegen Weißrussland durften er und seine Kollegen sich auch mit dem umstrittenen Staatspräsident Alexander Lukaschenko messen. Die Einladung in den Osten erhielt Markus Haschka schon im vergangenen Jahr.

Rainer Schuster, der 2001 mit dem Landsberger in Haßfurt in der Oberliga spielte, brachte zu Haschkas Abschiedsspiel gleich das Trikot für das Turnier 2014 mit und überreichte es ihm zu fortgeschrittener Stunde persönlich. Damit machte sich Haschka jetzt auf den Weg nach Minsk, wo die „inoffizielle Senioren-WM“ bereits zum zehnten Mal stattfand. Dort tummelt sich dann regelmäßig eine bunte Truppe mit unterschiedlichem Karrierehintergrund, von der früheren NHL-Stammkraft bis hin zum deutschen Landesliga-Spieler ist alles vertreten.

Dass es sich der seit 1994 autoritär regierende Präsident Lukaschenko (59) nicht nehmen ließ, für seine gastgebende Truppe selbst mit anzutreten, vereinfachte die Sache für den Rest der Teilnehmer nicht unbedingt. „Da steht dann natürlich auch am Spielereingang Militär mit großkalibrigen Waffen, alle werden abge­- tastet und mit Metalldetektoren überprüft“, berichtet Haschka. Er bringt dennoch überwiegend positive Erfahrungen aus dem Staat zwischen Polen und Russland mit, der häufig als „letzte Diktatur Europas“ bezeichnet wird. „So weit man das als Besucher beurteilen kann, ist Minsk eine sehr moderne Metropole, die sich deutlich dem Westen angeglichen hat und in der es den Leuten an nichts fehlt. Da gibt jedes Produkt und Geschäft, das wir kennen, auch wenn die Bürger keine Reisefreiheit haben.“

Sehr angetan war Haschka auch vom Publikum: „Das sind Eishockey-Fans, die jede Mannschaft anfeuern und sich auch bei Spielen ihres Teams absolut fair verhalten.“ Auch über den Zuschauerzuspruch gab es nichts zu klagen: In den Vorrundenspielen trat die deutsche Mannschaft in der kleineren Eishalle stets vor ausverkauftem Haus an (4000 Zuschauer), beim Finale zwischen Russland und Weißrussland drängten sich in der „Minsk Arena“ gar über 15000 Fans.

Nicht nur das nötigte Markus Haschka Respekt ab. „Auch die Ex-Nationalspieler in unserer Mannschaft haben gesagt, dass die Organisation mit einer WM oder Olympischen Spielen absolut vergleichbar ist.“ Nicht nur deshalb soll der Trip gen Osten für Markus Haschka kein einmaliger bleiben. „Es war ein absolut faszinierendes Erlebnis, ich möchte im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder teilnehmen.“

Bleibt zu hoffen, dass er auch dann einem Schicksal entgeht, das Christian Geuß (damals ebenfalls in Diensten des HCL) 2013 in Minsk ereilte: Der Stürmer stürzte in einen offenen Kanaldeckel und fiel anschließend wochenlang für die Punktspiele aus. Haschka erteilt Gerüchten, es habe sich dabei um einen alkoholbedingten Unfall gehandelt, nachträglich eine Absage. „Ich wollte das fast nicht glauben, aber in Minsk wird ständig irgendwas gebaut und es wird nicht abgesperrt, da fällt wirklich immer wieder einmal einer rein.“ Also doch noch irgendwie anders, dieses Weißrussland. 

Bekannte Gesichter

Viele Spieler bei der Senioren-Eishockey-WM in Minsk kannte Markus Haschka eher aus dem Fernsehen, etliche aber auch aus persönlichen Begegnungen. Unter seinen deutschen Mitstreitern fanden sich unter anderen die Kaufbeurer Urgesteine Manfred Schuster und Dieter Medicus, dazu auch Jan Schertz und Jan Schinköthe, in Landsberg noch aus seiner Zeit in Deggendorf, Straubing und Bad Tölz bekannt. Bei den gegnerischen Teams tummelten sich neben Weißrusslands Staatspräsident Alexander Lukaschenko vor allem etliche Größen, die ihre Karriere in den osteuropäischen Ligen sowie der DEL, KHL oder NHL gemacht haben.

So liefen für die Weißrussen Oleg Mikulchik (Winnipeg Jets, Anaheim Ducks) und Sergei Shabanov (WM-Torhüter 2010) auf, für die Tschechen der fünfmalige WM-Teilnehmer Berich Scerban und für die Kanadier Mike Wilson (336 NHL-Spiele für Buffalo, Pittsburg und New York Rangers). Der Mann hinter ihm war Haschka wiederum bestens bekannt: Helmut Kößl vom VfL Denklingen lief für Deutschland als Verteidiger auf. Haschka spielte im 3. Sturm auf der Außenbahn und brachte es beim Turnier in Minsk auf ein Tor und drei Assists. 

Die bunte deutsche Truppe zog sich achtbar aus der Affäre. In den Gruppenspielen gab es ein 2:8 gegen die Slowakei, einen 12:1-Kantersieg gegen Frankreich. Beim 0:11 gegen Weißrussland war man chancenlos, hielt sich dafür aber dann mit einem 9:4 an Kanada schadlos und belegte damit zum Abschluss Platz sieben.

Christoph Kruse

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