Das Mittelfeld-Ass beim Bayerligisten TSV Landsberg

Steffen Krautschneider: „Habe voll Bock auf Landsberg“

Steffen Krautschneider - TSV Landsberg
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Der Auftritt von Neuzugang Steffen Krautschneider war engagiert und sehenswert.
  • Dietrich Limper
    VonDietrich Limper
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Landsberg – Der Transfer von Steffen Krautschneider, vom FC Pipinsried zum TSV Landsberg, war sogar dem renommierten Kicker eine Meldung wert. In 24 Spielen hatte der offensive Mittelfeldspieler 20 Tore und 19 Assists für sich verbuchen können. Am Aufstieg des FC Pipinsried war der 29-Jährige maßgeblich beteiligt. Die TSV-Führungsriege um Jürgen Meissner, Sebastian Gilg und Muriz Salemovic konnte sich zu diesem Coup beglückwünschen.

Bis zur D-Jugend kickte der gebürtige Würzburger vor den Toren seiner Heimatstadt beim SV Veitshöchheim. Es folgte der Wechsel zum Würzburger FV, der damals den „Kickers“ aus derselben Stadt noch ebenbürtig war. In der Saison 2010/11 stieg Steffen Krautschneider mit dem Team in die Bayernliga auf und seine Zeit schien gekommen. 2013 folgte der Wechsel in die Regionalliga zum Traditionsverein 1. FC Schweinfurt 05. Der ehrgeizige Präsident Markus Wolf strebte den Aufstieg in die 3. Liga an. Die erste Mannschaft wurde als GmbH ausgegliedert und Steffen Krautschneider spielte von seinen sechs Jahren die letzten zwei als Vollprofi für die „Schnüdel“. Er erlebte den zweimaligen Gewinn des Bayerischen Totopokals, trat im DFB-Pokal gegen den SV Sandhausen, Eintracht Frankfurt und Schalke 04 an – allein der Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse wollte nicht gelingen.

2019 erfolgte der Wechsel zum FC Pipinsried, wo eine Mannschaft zusammengestellt worden war, wie es sie in der Bayernliga noch nicht gegeben hatte. Der Aufstieg in die Regionalliga war die logische Folge, doch der Top-Scorer entschied sich für die Lechstadt. Nebenbei hatte Steffen Krautschneider nicht nur eine Ausbildung bei einer Bank absolviert, sondern anschließend Betriebswirtschaftslehre (BWL) studiert. Heute wohnt er mit seiner Gattin in Fürstenfeldbruck und arbeitet dort bei der Kriminalpolizei in der Abteilung „Wirtschaftskriminalität“. Warum er nicht mit Pipinsried in die Regionalliga gegangen ist, wie man als BWLer zur Kripo kommt und welches Spielsystem er bevorzugt, hat er dem KREISBOTEN nach der Testpartie gegen den FC Augsburg II erzählt.

Herr Krautschneider, das erste Spiel nach langer Durststrecke liegt hinter Ihnen. Wie hat es sich angefühlt wieder auf dem Platz zu stehen?

Krautschneider: „Prinzipiell war die Vorfreude sehr groß, dass wir nach der langen Zeit wieder ein Spiel machen konnten. Der Platz war gut, es war alles angerichtet, aber auf dem Feld hat es sich zunächst ungewohnt angefühlt. Wenn man acht Monate nicht gespielt hat, fühlt sich das anders an als Training. Ich habe eine komplette Halbzeit gebraucht, um wieder reinzukommen. In der zweiten Halbzeit war es dann o.k.. Wir sind natürlich noch nicht so weit, dass wir einen Gegner auseinandernehmen können, dafür trainieren wir noch nicht lange genug. Die Fitness ist auch noch nicht da, um unseren Spielstil durchzuziehen.“

Ihr wollt vorne sehr früh angreifen – das kostet viel Kraft...

Krautschneider: „In der ersten Halbzeit haben wir das zu Beginn gemacht und nach 20 Minuten dachte ich, man sollte mich besser auswechseln. Da fehlte noch die Fitness. Es soll unser Markenzeichen werden, dass wir den Gegner unter Druck setzen und im Sprint anlaufen. Aber dafür braucht es Körner, die wir uns in den nächsten Wochen holen werden.“

Haben euch die Augsburger denn gefordert?

Krautschneider: „Eine junge Mannschaft, die von der Technik her ganz o.k. war. Aber gerade im Offensivbereich haben sie viele Fehler gemacht, auch weil wir defensiv gut gestanden sind. In der zweiten Halbzeit hatten sie eigentlich gar keine Chancen mehr, deswegen geht der Sieg in Ordnung.“

Eure Aufstellung glich der Deutschen Nationalmannschaft. Hinten mit Dreier bzw. Fünferkette. Und wenn die Außenspieler in diesem System defensiv gefordert werden, hat man auf einmal gar keinen Flügelsturm mehr...

Krautschneider: „Das stimmt und da stellt sich die Frage, wie man sich in den Räumen bewegt und welches Spielermaterial man hat. Es wird sich noch zeigen, ob dieses System zu uns passt oder nicht. Ich persönlich habe es lieber, wenn ich ganz außen spielen kann und noch jemanden hinter mir habe. Denn das war ja auch bei Deutschland das Problem. Der Gosens hat sich hinten die Bälle geholt und weil er nicht der Eins-gegen-Eins-Spieler ist, war er überhaupt nicht im Spiel, weil er keine Anspielstation auf dem Flügel hatte. Aber das System ist bei uns noch nicht in Stein gemeißelt.“

Die Abwehr des TSV machte dank ihrer Erfahrung und Routine einen guten Eindruck.

Krautschneider: „An Erfahrung fehlt es auf keinen Fall, da mache ich mir keine Sorgen. Zumal auch Sebastian Schmeiser noch kurzfristig ausgefallen ist, der sich nach seiner Impfung nicht gut fühlte. Die Jungs dahinten sind ja alle Sieben-Meter-­Türme, das sieht schon gut aus (lacht).“

Wie läuft es mit dem Trainerge­spann, wenn beide mitspielen?

Krautschneider: „Ich kenne es schon aus Pipinsried, wo die Trainer auch manchmal beide auf dem Platz standen. Dann gibt es noch den Kapitän und Co-Kapitän, also machen vier Leute Ansagen. Das muss sich noch einspielen, denn ich brauche da nicht fünf Leute, die was erzählen. Es ist keine alltägliche Situation und der eine oder andere wird sich auch mal zurücknehmen müssen.“

Ihr habt eine ganze Reihe junger Spieler im Kader. Wie sehen Sie die Zusammensetzung?

Krautschneider: „Das Mischverhältnis ist optimal. Genauso wie man es sich wünscht, wenn man den Kader vor der Saison zusammenbaut.

Als Saisonziel wurde ein Platz unter den ersten Sechs ausgegeben. Sie kennen die Spielstärke der Liga. Ist das realistisch?

Krautschneider: „Ich würde dieses Ziel schon unterschreiben. Mit Pipinsried kann man nichts vergleichen, denn eine Mannschaft wie Pipinsried hat es in der Art in den letzten 20 Jahren in der Bayernliga nicht gegeben. Wir sind auf den Platz gegangen und waren uns sicher, dass wir gewinnen. Das hatte ich so noch nicht erlebt. Selbst wenn wir nur mit 80 Prozent gespielt haben, gingen wir mit einem 4:0 vom Platz. Wir waren ein Regionalligateam und trainierten ab dem zwölften Spieltag nur zweimal die Woche, weil es trotzdem gereicht hat. Aber wir haben auf dem Platz zusammengehalten und das wünsche ich mir hier in Landsberg auch. Ich bin toll aufgenommen worden und denke, dass hier was entstehen kann. Wenn wir als Mannschaft zusammenhalten, ist viel möglich. Ich fühle mich jedenfalls sehr wohl.“

Warum sind Sie denn nicht mit Pipinsried in die Regionalliga gegangen?

Krautschneider: „Da kamen mehrere Faktoren zusammen. Ich hätte mir die Regionalliga noch einmal vorstellen können, aber das Gesamtkonzept muss passen. Als ich mich entscheiden musste, gab es in Pipinsried viele Abgänge und die Mannschaft für die Regionalliga stand noch nicht. Ich habe mich dann nicht gegen Pipinsried entschieden, sondern für Landsberg. Denn die Pläne von Jürgen, Muri und Basti klangen einfach überzeugend und das Projekt schien mir sehr spannend.“

Wie groß ist denn der Unterschied zwischen Bayern- und Regionalliga?

Krautschneider: „Sehr groß. Vor allem von der Geschwindigkeit her. Mit Auge spielen ist da nicht drin, dafür hat man keine Zeit. Ich werde Pipinsried aber natürlich beobachten und hoffe, dass sie die Liga halten. Ich selbst freue mich jetzt auf die Aufgabe hier in Landsberg und habe da auch voll Bock drauf.“

Beim FC Schweinfurt haben Sie die letzten beiden Jahre als Profi gespielt. Warum haben Sie das nicht weitergemacht? Träumt davon nicht jeder Fußballspieler?

Krautschneider: „Da kam einiges zusammen. Meine Frau war in München auf Jobsuche, ich hatte mein BWL-Studium abgeschlossen und habe mich entschieden, mich auf einen ,konventionellen‘ Beruf zu konzentrieren. Und dann ergab sich die Sache mit der Polizei.“

Wie kommt man als BWLer zur Kriminalpolizei?

Krautschneider: „Während des Studiums gab es mal ein Nebenfach mit dem Namen ,Korruption in Deutschland‘. Der Dozent war von der Kripo Würzburg und hat uns erzählt, dass dort auch Quereinsteiger mit Wirtschaftshintergrund ausgebildet werden. Ich habe dann von einer offenen Stelle gehört, mich beworben und noch einmal eine einjährige Ausbildung gemacht. Seit Mai 2021 bin ich damit fertig und arbeite nun in der Abteilung Wirtschaftskriminalität. Mir macht das echt Spaß. Für die Polizeiarbeit hatte ich mich schon immer interessiert und dass sich so der Kreis schließt, ist eine geile Sache.“

Was machen Sie, wenn Sie nicht kicken, arbeiten oder mit der Gattin unterwegs sind? Sind Sie Fan einer Mannschaft?

Krautschneider: „In der Saisonvorbereitung mache ich außer Fußball nicht viel. Aber ansonsten sitze ich gerne mit Freunden zusammen und spiele eine Runde Schafkopf. Ich drücke dem FC Bayern die Daumen.“

Herr Krautschneider, wir bedanken uns für dieses Gespräch!

Übrigens: Das zweite Testspiel des TSV Landsberg ging am Samstag gegen den Regionalligisten SV Heimstetten mit 0:1 verloren.

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