Stockschützen starten in der 1. Bundesliga Süd

Dauben-Jagd im Partyzelt?

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Michael Wurmser (vorne) und die Penzinger Stockschützen bereiten sich derzeit auf die Bundesliga Süd vor. Start ist am 7. April gegen die DJK Aigen – dann voraussichtlich im Penzinger Partyzelt. Auch (hinten v. links) Stephan Ruile, Stefan Willig und Matthias Peischer sind dann Teil des Penzinger Bundesliga-Kaders. Foto: FCP

Penzing – Auf dem Eis sind sie schon seit Jahren ganz vorne mit dabei – jetzt wollen sie auch auf weniger rutschigem Untergrund die deutsche Stocksport-Elite ärgern: Ab Samstag, 7. April, starten Penzings Stockschützen erstmals in der 1. Bundesliga Süd und finden dort gleich einen rundum erneuerten Spielmodus vor. Um den heimischen Fans eine erstligareife Heimspielstätte zu bieten, planen die FCP-Verantwortlichen ein provisorisches Stadion: ein Partyzelt, das über zweieinhalb Monate in der Gemeinde aufgebaut sein soll.

Dem April fiebern die sechs Bundesligaspieler des FC Penzing bereits jetzt entgegen. Dann starten sie die Jagd auf die sogenannte Daube, die das Ziel ihrer Eisstöcke sein wird. Diese liegt zu Beginn eines Spiels auf dem Mittelkreuz; die Spieler zweier Teams versuchen dann, ihre Stöcke möglichst nah an die Gummischeibe heranzuschießen. Die Mannschaft, deren Stock am Nächsten zur Daube liegt, hat einen Vorteil – die andere ist nämlich solange am Zug, bis sie einen ihrer Stöcke näher an die Daube bringt. Schießt ein Team und schafft sich keinen Vorteil, spricht Penzings Bundesligaspieler Stephan ­Ruile von einem Fehler. Und dieser passiere in einem gesamten Spiel in Deutschlands Elite-Klasse gerade mal zwei bis vier Mal pro Partie. Durchaus beeindruckend, denn ein rund zweieinhalbstündiges Spiel setzt sich aus etlichen Schüssen zusammen: Zunächst spielen die vier beteiligten Akteure jedes Teams ihren Stock; der Sieger des Durchgangs, auch Kehre genannt, sammelt Punkte. Nach sechs gespielten Kehren werden die Punkte addiert und ein Sieger des Durchgangs gekürt. Von diesen Durchgängen werden wiederum fünf gespielt, ehe über den Gesamtsieger der Partie entschieden ist. Auch ein Remis ist möglich.

Sich in der Bundesliga zu behaupten, dürfte für die Penzinger eine spannende Herausforderung werden. Als „krassen Außenseiter“ sieht Ruile sein Team aber nicht, denn der Spielmodus sei heuer für alle Teams neu. Gespielt wird wie etwa in der Fußball Champions League in vier Vierergruppen: Während die ersten beiden Teams der Gruppenphase ins Viertelfinale vorrücken, ist die Saison für den Dritten bereits beendet. Das Vorrunden-Schlusslicht muss den Gang in die 2. Bundesliga antreten.

Damit es für die Penzinger nicht gleich wieder eine Liga tiefer sondern vielleicht sogar ins Viertelfinale geht, hat der Bundesliga-Neuling einige Asse im Ärmel. Eines davon: die Mannschaft selbst. Die sechs Kaderspieler kennen sich seit langer Zeit, stammen alle aus dem eigenen Nachwuchs. „Das macht uns natürlich besonders stolz“, sagt Ruile. Dass niemand „von außerhalb“ ins Team rutsche, sei „in der Spitze eine Ausnahme“. Mit Matthias Peischer (26), Michael Wurmser (33), Florian Lechle (22), Stefan Willig (30), Bernd Huttner (33) und Ruile selbst (31) hätte der FCP auch eines der jüngsten Teams im Klassement. Das Durchschnittsalter, das für eine Fußballmannschaft eher alt aussähe, sei in der Stockschützen-Bundesliga als „ungewöhnlich jung“ einzuordnen. Schließlich könne man seine Sportart auch in der Spitze noch bis etwa 50 Jahre ­problemlos betreiben, meint Ruile. Ausschlaggebend seien weniger die Kondition sondern vielmehr Technik, Erfahrung und Routine.

Und Letzteres kann das Penzinger Sextett durchaus vorweisen: Seit etlichen Jahren ein eingespieltes Team, waren die Jungs bis dato vor allem mit dem Eisstock erfolgreich. Neben sechs Jahren in Deutschlands höchster Eisstock-Spielklasse nahm der FCP auch zweimal am Winter-Europacup teil und sammelte Gold- und Silbermedaillen im deutschen Pokal. Aber: „Den Sommer haben wir bislang vernachlässigt“, sagt Ruile, der das ab April ändern will.

Dafür will sein Team in den nächsten Wochen noch ranklotzen, um bestmöglich aufs Debüt vorbereitet zu sein. Trainings dauern rund zwei Stunden, in denen jeder Spieler rund 100 Stöcke über den Asphalt schiebt. Das brauche es, um später im Wettkampf die Konzentration über die gesamte Spieldauer aufrechterhalten zu können, erklärt Ruile.

Zelt-Partys geplant

Die größte Baustelle sei aber ohnehin die Infrastruktur: Der Verband fordert für Bundesliga-Heimspiele eine Halle, Penzing verfügt aber lediglich über eine Freiluftanlage mit drei Bahnen. Um trotzdem unter Deutschlands Besten starten zu dürfen, haben sich die Vereinsverantwortlichen eine mobile Lösung überlegt: Ein Partyzelt, das für zweieinhalb Monate in der Gemeinde Platz finden soll. Bis zu 6.000 Euro, für die der Verein noch Sponsoren sucht, wird die temporäre Arena voraussichtlich kosten, rechnet ­Ruile. Der Vorteil des Zeltes: „Wir wollen die Fanbase bei uns im Ort halten und nicht auf einen anderen Standort ausweichen müssen“, so der FCP-Allrounder.

Dafür solle sich der Aufwand, der den 30 Stockschützen-Mitgliedern und zahlreichen Helfern blüht, auch bezahlt machen. ­Ruile schweben Party-Samstage mit „Bierzelt-Stimmung“ vor. Wie viele Zuschauer tatsächlich kommen, davon will sich der 31-Jährige im April überraschen lassen. Jedenfalls sollen die Gäste nicht nur hochklassigen Stocksport sondern auch einiges an Unterhaltung geboten bekommen – womöglich sogar mit Zelt-Party nach Spielende.

Und eines liegt Ruile besonders am Herzen: Mit seinem Team wolle er Sportfans aus dem Landkreis zeigen, dass seine Leidenschaft mehr sei als ein „Altherrensport.“ 

Marco Tobisch

Penzinger Bundesliga-Spielplan:

Samstag, 7. April: FC ­Penzing – DJK Aigen.

• Samstag, 14. April: TSV ­Peiting – FC Penzing.

• Samstag, 28. April: FC ­Penzing – EC Surheim.

• Samstag, 12. Mai: EC ­Surheim – FC Penzing.

• Samstag, 19. Mai: FC ­Penzing – TSV Peiting.

• Samstag, 2. Juni: DJK ­Aigen – FC Penzing.

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