1.088 Kilometer in 24 Stunden geradelt

Nicola Walde aus Weil: neuer Weltrekord im Velomobil 

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Nicola Walde aus Weil fuhr auf der Opel-Teststrecke in Dudenhofen mit ihrem Velomobil in 24 Stunden 1088 Kilometer - neuer Weltrekord!
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Nicola Walde aus Weil fuhr auf der Opel-Teststrecke in Dudenhofen mit ihrem Velomobil in 24 Stunden 1088 Kilometer - neuer Weltrekord!
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Nicola Walde aus Weil fuhr auf der Opel-Teststrecke in Dudenhofen mit ihrem Velomobil in 24 Stunden 1088 Kilometer - neuer Weltrekord!
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Nicola Walde aus Weil fuhr auf der Opel-Teststrecke in Dudenhofen mit ihrem Velomobil in 24 Stunden 1088 Kilometer - neuer Weltrekord!
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Nicola Walde aus Weil fuhr auf der Opel-Teststrecke in Dudenhofen mit ihrem Velomobil in 24 Stunden 1088 Kilometer - neuer Weltrekord!
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Nicola Walde aus Weil fuhr auf der Opel-Teststrecke in Dudenhofen mit ihrem Velomobil in 24 Stunden 1088 Kilometer - neuer Weltrekord!
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Nicola Walde aus Weil fuhr auf der Opel-Teststrecke in Dudenhofen mit ihrem Velomobil in 24 Stunden 1088 Kilometer - neuer Weltrekord!

Weil/Dudenhofen – Vom 30. Juli auf den 1. August hat es Nicola Walde ganz offiziell geschafft: Sie hat als erste Frau der Welt 1.088 Kilometer mittels eigener Muskelkraft innerhalb von 24 Stunden zurückgelegt. Ihr Fahrzeug: ein Velomobil, ein in Carbon und Nylon verpacktes dreirädriges Liegerad. Der Weltrekord fand auf der Teststrecke von Opel in Dudenhofen statt. Für die Weilerin hieß es also Runden fahren. Insgesamt waren es 227, eben 1.088 Kilometer. Das ist die Strecke von Flensburg bis zum Brennerpass. Wie man das aushält? „Man muss schon ein bisschen bekloppt sein“, lacht Walde.

Inzwischen ist sie wieder fit. „Nur die Füße noch. Und die Psyche.“ Sie sei doch ein bisschen enttäuscht, dass es mit dem Super-Weltrekord nicht geklappt habe, erzählt Walde in Hochgeschwindigkeit. Hamburgerin eben. So hat die 44-Jährige „nur“ drei Weltrekorde eingefahren: Neben dem im 24-Stunden-Fahren bei den Frauen hat sie auch noch ihren eigenen Zwölf-Stunden-Weltrekord übertroffen und dazu eine neue Weltrekordzeit über 1.000 Kilometer erradelt. Nur mit dem Weltrekord über 24 Stunden der Männer hat es nicht geklappt. Schuld war vor allem das Wetter: Regen. Bei dem haben die Reifen mehr Reibung, Walde fährt also ein bisschen langsamer. Dass noch ein Infekt dazukam, hätte wirklich nicht sein müssen, sagt sie.

Am Samstag um halb elf startet die gebürtige Hamburgerin. Essen und Trinken sind mit an Bord. Wasser, Energieriegel, Kartoffelsalat, ein paar Semmeln mit Nutella. Nur ein kleiner Sehschlitz verbindet sie mit dem Draußen. Ab jetzt heißt es durchhalten. „Das ist natürlich eine Extremsituation, die man so nicht trainieren kann“, sagt Walde. Das Geheimnis dabei sei, sich selbst richtig einzuschätzen. Man müsse flexibel sein „und – so komisch das klingen mag – nicht auf seinen Kopf hören, sondern auf den Körper. Denn der wird irgendwann sagen, dass ich müde bin und schlafen soll. Und genau über diesen Punkt muss ich dann hinwegkommen.“ Und was denkt man in 24 Stunden Kreisfahren? „Nichts. Der Kopf ist absolut leer.“ Die ersten Stunden könne man sich noch mit Rechenaufgaben unterhalten. Aber 24 Stunden seien endlos. „Da zählt nur noch der Moment.“

Die ersten sechs Stunden läuft alles wie geschmiert. Und Walde legt eine Geschwindigkeit von gut 53 Stundenkilometer im Durchschnitt hin. Aber wie der Teufel es will, ist nicht die Hitze ihr Problem, sondern der starke Regen, der einsetzt und sie wegen mangelnder Sicht zu einer halbstündigen Pause zwingt. „Das war sintflutartig“, sagt sie im Nachhinein. Dafür sei die Haube des Velomobils nicht vorgesehen gewesen: „Ich hab keine Scheibenwischer.“ Zwei Runden lang sei sie nur mit 10 km/h gefahren.

Chips und Tee

Jedes Anfahren zehrt an der Energie. Das Velomobil wiegt rund 15 Kilo, mit der nur 1,50 Meter großen Walde sind es rund 60 Kilo. Dazu kommen noch gute zehn Kilo Wasser, Saft und Nahrung. Insgesamt also knapp 70 Kilo, die in Schwung gebracht werden müssen. Das Gefährt hat ihr Freund und Trainer Daniel Fenn, selbst Liegeradler, speziell für den Rekordversuch gebaut. Es hat sechs Gänge, gelenkt wird über eine Metallstange. Den Kopf kann sie anlehnen, eigentlich ganz bequem. Aber die weitere Strecke bleibt schwierig. Es wird dunkel und die nasse Fahrbahn bremst sie aus. „Ich fahre dann im Durchschnitt fünf km/h weniger.“ Dazu kommen noch Kiefernnadeln, die sich im Radkasten verfangen. Also noch mehr Stopps.

Eigentlich will sie auch den Weltrekord der Männer brechen. Das wären mehr als 1219 Kilometer, was aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich ist. Aber den der Frauen kann sie noch knacken. Dazu muss sie „nur“ mehr als 1.012 Kilometer in die Pedale treten. Aber eine Magenverstimmung bremst sie aus. Die Nutella-Brote sind umsonst im Velomobil gelagert. Bei einem Stopp räumen sie und ihr Freund Fenn allen Proviant aus. Dafür isst Walde Chips und trinkt Tee. Und weiter geht es. Bis zum Morgen muss sie noch zweimal halten, um kurz zu schlafen. Einmal hat sie kurz davor einen gefährlichen Sekundenschlaf. „Ich dachte, ich werde bewusstlos. Das habe ich sonst nie.“ Aber ihr Körper hat es mitgemnacht. „Er ist da sehr brav“, schmunzelt Walde. In den Pausen schlummert sie nur wenige Minuten.

Endlich im Ziel

Am Sonntag um halb elf, nach 227 Runden, hat sie das Ziel erreicht. Es regnet gelbes Konfetti: Nicola Walde hält den Weltrekord der Frauen beim 24-Stunden-Radeln mit reiner Muskelkraft. Danach seien sie und ihr Freund mit dem Auto in den Wald gefahren, erzählt sie. Wo Walde fast zehn Stunden durchgeschlafen hat.

Den Velomobil-Weltrekord hatte die Sportlerin eigentlich schon 2017 ergattert. Vor nahezu exakt einem Jahr fuhr sie 1.100 Kilometer in 24 Stunden. Da sie aber angeblich den Helm nicht richtig aufhatte, wurde ihr der Rekord aberkannt. Ursprünglich Rennradfahrerin, suchte sie eine exotischere Sportart – und fand Daniel Fenn in einem Velomobilforum. Der hatte dort nach einer „Frau für 24 Stunden“ gesucht. Eben für den Weltrekord mit den von ihm konstruierten berühmten DF-Velomobilen. Das war 2015. Die beiden trafen sich und es funkte, sowohl sportlich – eine Woche später fuhr sie den Weltrekord über zwölf Stunden – als auch privat. Inzwischen nennt man sie das „Dreamteam“ in der Szene.

„Unter den Umständen muss ich es natürlich nochmal versuchen“, sagt Walde nur wenige Tage nach dem Rekord. Also ohne Infekt, bei gutem Wetter. In diesem Jahr geht das nicht mehr. „Zweimal im Jahr will ich diese Strapaze meinem Körper nicht zumuten.“ Der Schlafent-

zug sei extrem ungesund. Ihr Körper könne nur ans Limit gehen, wenn sie absolut erholt sei.

Auch die Organisation dafür sei extrem schwierig: „Es hat zwei Jahre gedauert, bis wir auf die Teststrecke von Opel konnten.“ Eine Strecke,die am Tag eigentlich 30.000 Euro kostet. Als Alternative gebe es noch eine Strecke in Frankreich, „die habe ich aber noch nicht gesehen“. Oder der Lausitzring.

Zwecks Publicity kamen die Promis André Lange, bester Bobpilot der olympischen Winterspiele, und Ruderer Karl Schulze dazu, der Walde frenetisch aus dem Begleitwagen anfeuerte. „Es war grandios“, schwärmt die Sportlerin. Das Team perfekt, Fenns Fahrzeug pannenfrei. „Und ich hatte eine grandiose Late Night Show, besser als bei den Chippendales!“ Es hat sich gelohnt: „Wir haben jetzt eine Berichterstattung bis nach China“, sagt Walde.

Im Alltag ist Walde Musikerin. Sie spielt Fagott im Polizeiorchester Bayern. Zur Arbeit fahren sie und ihr Fagott jeden Morgen von Weil mit dem Velomobil nach München. Angst zwischen den Autos im Stadtverkehr habe sie nicht. Da sei es mit dem Rennrad weitaus gefährlicher. Das Velomobil ist besser zu sehen. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkleit von 50 km/h. Gutes Training für den nächsten Weltrekord.

Susanne Greiner

Das Weltrekord-Video

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