Kein Grund für Schwarzmalerei

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„Wir müssen in den Zweikämpfen wieder griffiger werden“, fordert TSV-Trainer Sven Kresin.

Landsberg – Dass die Erfolgsserie des TSV Landsberg irgendwann reißen würde, war klar – dass es ausgerechnet im weiten Wiesenland hinter Fürstenfeldbruck passiert, kam aber eher überraschend.

Dem Team aus dem Dörfchen Oberweikertshofen – zwischen Unterschweinbach und Wenigmünchen gelegen – gelang, woran zuvor acht Gegner gescheitert waren: der SCO schickte die Landsberger mit 4:1 (1:1) nach Hause.

Ganz sicher zählten die Gastgeber nicht zu den besten Teams, auf die der TSV bisher getroffen war. Die Landsberger allerdings zeigten teilweise einen Rückfall in alte Zeiten und brachten sich selbst um einen möglichen Erfolg. Dabei hatte man gewohnt gut begonnen: Als nach viel Druck zu Beginn nach einem Freistoß sowohl ein Innenverteidiger als auch der Torwart der Gastgeber unter dem Ball durchsegelten, drückte Knechtel die Kugel aus kurzer Distanz zur Führung über die Linie (6.).

Wer nun aber gedacht hatte, dass die Landsberger, wie in den Wochen zuvor, ihren Gegner dominieren würden, sah sich getäuscht. „Da haben ein paar Spieler offenbar gedacht, nach dem 1:0 schauen wir jetzt mal, was der Muriz so macht“, sagte Trainer Sven Kresin später verärgert. Der angesprochene Salemovic war an diesem Tag allerdings nicht in Bestform – was er aber einerseits nicht exklusiv hatte und was Kresin auch nicht als Ausrede gelten lässt. „Die Mannschaft kann sich nicht nur auf ihn verlassen.“ Andreas Fülla strahlte 90 Minuten viel Torgefahr aus und spulte ein riesiges Laufpensum ab und Armin Sanktjohanser agierte giftig im defensiven Mittelfeld, „alle anderen hinkten dem, was sie können, weit hinterher“, befand Kresin.

Offensiv kamen seine Spieler zwar weiterhin noch zu Gelegenheiten, obwohl man über weite Strecken der Partie nicht glänzen konnte. Noch in der ersten Hälfte waren Fülla (13.) und Salemovic (24.) am Torhüter bei Alleingängen fast schon vorbei, als sie noch zu Fall kamen, „einmal war vielleicht irgendwie der Ball noch dabei, das andere ist ein ein glasklarer Elfmeter“, fand Kresin. Der Schiedsrichter entschied auf Ecke und Abstoß, der TSV ließ währenddessen den Gegner immer mehr ins Spiel kommen. In der Defensive wurden die Zweikämpfe nicht mehr aggressiv geführt, sodass der SCO konnte teilweise fast unbedrängt zwischen defensives Mittelfeld und Viererkette passen konnte. Landsberg verlor die Herrschaft über das Spiel und agierte zunehmend behäbiger und unsicherer.

Schneller umschalten

Bereits nach 18 Minuten nutzte Matiasovits die Verwirrung im Fünfmeterraum des TSV und verwandelte einen Nachschuss zum 1:1. Salemovic per Freistoß (27.), Sanktjohanser aus spitzem Winkel (33.) und frei vor dem Torhüter (45.) verpassten die erneute Führung für den TSV, der aber froh sein musste, dass sich die Hausherren teilweise nicht gerade geschickt anstellten und beste Gelegenheiten am Tor vorbei oder drüber schoben. Symptomatisch eine Szene in der 41. Minute, die Sven Kresin heranzog: „Es kann nicht sein, dass wir einen Freistoß vorne haben, mit drei Mann ausgekontert werden und diese Chance für den Gegner dabei herauskommt; da müssen wir einfach viel schneller hinten sein.“

Auch nach der Pause kam der TSV zu guten Möglichkeiten, vergab diese aber allesamt. Oberweikertshofen nutzte dann allerdings aus, dass die Landsberger Hintermannschaft ebenfalls alles andere als sattelfest war. Hönisch durfte in der 64. Minute praktisch ungestört am Strafraum quer marschieren und zum 2:1 abschließen – besonders ärgerlich, da man bei den Landsbergern im Vorfeld sehr wohl um die Gefährlichkeit des Angreifers wusste.

In der Phase danach hatte sich Kresin von der „erfahrenen Hintermannschaft“ erwartet, das Spiel wieder in den Griff zu bekommen, „damit man dann vielleicht noch irgendwie einen Punkt mitnimmt“. Stattdessen griff man auch bei einem Freistoß nicht ein (73.), den folgenden Kopfball konnte Heiland noch an den Pfosten lenken, doch Heiß staubte zum 3:1 ab. Als Storhas zwei Minuten später im Strafraum den Fuß stehen ließ, verwandelte Schuch den Elfmeter sicher zum 4:1.

Kein Spitzenteam

Nach der ersten Niederlage der Saison behält der TSV aber weiterhin die Tabellenführung, da Gundelfingen in Durach nur zu einem 2:2 kam. Nicht nur deshalb gibt es für Kresin „keinen Grund, jetzt alles schwarz zu malen“. Schließlich sei man ohnehin keine Spitzenmannschaft, „aber vielleicht werden wir mal eine, wenn wir weiter zusammenwachsen“.

Dass man jetzt aber in ähnliche Probleme kommt wie in der vergangenen Saison, als man nach starkem Beginn regelrecht einbrach, will der Coach unbedingt verhindern. „Man hat schon gegen Kaufbeuren gesehen, dass wir nach dem 2:0 gedacht haben, wir müssten nicht mehr ganz so viel tun“, resümiert er, „das hat sich jetzt fortgesetzt. Wenn wir nicht wieder griffiger in die Zweikämpfe gehen, werden wir gegen jeden Gegner Probleme bekommen. Aber ich werde das der Mannschaft in diesem Jahr nicht durchgehen lassen, das steht fest.“

Gelegenheit, seine Spieler darauf hinzuweisen, hat Kresin allerdings in dieser Woche nur zweimal, da das nächste Heimspiel schon am Freitag (18 Uhr) im Hacker-Sportpark ansteht. Der TSV-Coach: „Da müssen die Spieler einmal weniger trainieren, aber dafür will ich im Spiel dann auch entsprechend etwas sehen.“ Gegner ist der VfB Durach – man dürfte gewarnt sein.

Kein Protest gegen Einwechslung

Der TSV Landsberg wird die 1:4-Niederlage in Oberweikertshofen nicht anfechten, obwohl der SCO einen Akteur einwechselte, der zunächst gar nicht auf dem Spielberichtsbogen stand. 56 Minuten waren gespielt, als Arton Berisha für Burghart in die Partie kam. Der 25-Jährige aus dem Kosovo war in der offiziellen Aufstellung nicht verzeichnet; ein klarer Regelverstoß.

Referee Krettek wurde darauf zwar von Landsberger Seite sofort hingewiesen, signalisierte aber, kein Interesse an dem Vorgang zu haben. Berisha wurde offensichtlich nachträglich eingetragen.

Nach der Partie will der TSV aber keinen Protest mehr einlegen, so Trainer Sven Kresin auf Nachfrage: „Wenn man unser Spiel gesehen hat, verzichte ich lieber darauf. So fair muss man schon sein.“

Christoph Kruse

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