Ötztaler Radmarathon

"Unter 10 Stunden bleiben"

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Klettern ist seine große Leidenschaft geworden – nicht mit Seil und Haken, sondern mit dem Rennrad: Jörg Schmid. Der 46-jährige Apfeldorfer war beim Ötztaler 2014 schnellster Teilnehmer aus dem Landkreis und landete in der Bayern-Wertung auf Platz 24

Apfeldorf/Ötztal – Für die einen ist es ein Albtraum, für die anderen ein Traum: der Ötztaler Radmarathon. Er gilt zumindest in den Alpen als härtester seiner Art und zieht die Radsport-Massen an. Ein Mythos. Weit mehr als 18000 Radsportler wären in diesem Jahr gerne dabei gewesen, doch nur 4104 hatten das Privileg, sich mit Start und Ziel in Sölden auf 238 Kilometer über vier Pässe mit insgesamt 5500 Höhenmeter quälen zu dürfen. Aus dem Landkreis Landsberg nahmen sieben Rennradler die Herausforderung an, der schnellste war Jörg Schmid aus Apfeldorf. Er landete mit 8:33.23 Stunden auf Gesamtplatz 335 und auf Rang 169 seiner Alterskasse.

Solche Geschichten schreibt eben nur der Sport: Vor gut einem Jahrzehnt wagt sich der heute 46-jährige Lechrainer mit seinen Kumpels an eine Alpenüberquerung. Mit dem Mountainbike sind sie unterwegs und machen, mittlerweile „völlig platt“, Station im Wintersportort Sölden. Und dort fällt Jörg Schmid das Plakat vom Ötztaler Radmarathon auf – die 23. Auflage dürfe es gewesen sein. „Wie schafft man so etwas nur?“, fragte sich der Apfeldorfer damals, „238 Kilometer an einem Tag, Kühtai, Brenner- und Jaufenpass, Timmelsjoch.“ Schmid ahnte lange nicht, dass dies die Initialzündung für sein späteres Hobbysportler-Leben sein sollte.

Vor knapp drei Jahren wechselte der Lechrainer vom Mountainbike aufs Rennrad und exakt zehn Jahre nach seiner ersten „Ötzi-Begegnung“ stand er am Start in Sölden. Das ist nicht selbstverständlich, denn das Los entscheidet, welche der bis zu 20000 Bewerber aus 40 Nationen (in diesem Jahr) mit dabei sein dürfen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten – Familie und Beruf gilt es mit dem Sport in Einklang zu bringen – lieferte Schmid ein ordentliches Ergebnis ab. Allerdings: Die magische 10-Stunden-Marke verfehlte er bei seiner Ötzi-Premiere noch um 25 Minuten.

Rundum professionell

Wenn das Wetter passt, ist er am kommenden Wochenende auch beim "Alpen-Traum" dabei: Jörg Schmid.

Dann lernte der Radsportler aus Apfeldorf den zweifachen Ötztal-Sieger Stefan Kirchmair aus dem Inntal (Telfs) kennen. Schmid schloss sich dem Kirchmair Cycling-Team an und bereitete sich fortan unter pro­fessioneller Anleitung und Organisation auf den nächsten Start in Sölden vor: Trainings- und Ernährungsplan, Vorberei­tungs­camps auf Mallorca und Gran Canaria, zuhause morgens um 4 Uhr aufstehen und auf der Rolle im Sportkeller den ersten Trainingsreiz setzen, jeden Tag, bei Wind und Wetter, mit dem Rennrad zur Arbeit ins Klinikum Landsberg (nicht direkt, sondern über Umwege), Teilnahme am Achensee- und Tannheimer Tal-Radmarathon sowie Dreiländer- und Arlberggiro. Rund 12000 Kilometer und weit über 100000 Höhenmeter sollten als Vorbereitung ausreichen, um beim zweiten Ötztaler „locker unter die zehn Stunden“ zu kommen. Das Ziel war gesteckt, die Form gut und die äußeren Bedingungen trotz der Wettervorhersage mit hoher Regenwahrscheinlichkeit überraschend gut. Der Ötztaler führt nach dem Start in Sölden zunächst über den Kühtaisattel nach Innsbruck, dann über den Brenner- und Jaufenpass nach St. Leonhard im Passeiertal. 180 Kilometer haben die Radsportler bereits in den Beinen, wenn als ganz besondere Herausforderung, auch für die Psyche, das Timmelsjoch ansteht. Dieser „Schlussanstieg“ ist fast 30 Kilometer lang und weist knapp 1800 Höhenmeter auf. Ein letztes Mal trennt sich auf diesem Teilstück die radfahrende Spreu vom Weizen.

"Völlig überrascht"

Wie ein Uhrwerk kurbelt sich Schmid in den Serpentinen Meter um Meter nach oben, fühlt sich gut, doch ausgerechnet kurz vor der Passhöhe in 2509 Meter erwischt es ihn: Krampf. Exakt 4:37 Minuten benötigt der Apfeldorfer, um diese Last wieder loszuwerden, dann geht es in atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung Sölden – die verbleibenden 28 Kilometer hinunter zum Ziel entwickeln sich zu einem adrenalingeladenen Hochgenuss – der einsetzende Regen beeindruckt Schmid nicht im geringsten, nach 8:33:23 Stunden überquert er die Ziellinie direkt vor der Freizeitarena Sölden und ist „völlig überrascht“, wie gut seine Zeit tatsächlich ist. Fast um zwei Stunden hat er sich innerhalb eines Jahres verbessert – dank gezielter Vorbereitung. Von den 430 Finishern aus dem Freistaat nimmt der 46-Jährige Platz 23 ein.

Welches Ziel er sich für das nächste Jahr gesteckt hat, verrät Schmid noch nicht. Das kommt später. Grund: „Wenn das Wetter passt“, geht’s am Wochenende zum „Alpen-Traum“: Dieses Rennen führt von Sonthofen über Landeck nach Sulden – über 252 Kilometer und 6078 Höhenmeter.

Sieben "Ötztaler" aus dem Landkreis Landsberg

• Jörg Schmid (’68), Apfel­dorf, Kirchmair Cycling Team, 8:33.23 h, Gesamt-Platz 335, Altersklasse M1 169.

• Günter Wolf (’69), Finning, 8:49:12 h, Platz 471, AlM1 252.

• Bernhard Zander (’57), Pürgen, 8:55.23 h, Pl. 534, M2 51.

• Josef Stegherr (’60), Landsberg, 8:56:23 h, Pl. 548, M2 53.

• Alexander Iampieri (’67), Landsberg, Raceteam Radleck Mering, 9:38.53 h, Platz 1069, M1 618.

• Toni Schwaiger (’60), Landsberg, KREISBOTE, 9:45.18 h, Platz 1167, M2 249.

• Anton Schneider (’59), Landsberg, 10:32.18 h, Platz 1800, M2 270.

• Zum Vergleich: Herren-Sieger beim Ötztaler 2014 wurde Roberto Conico (ITA) in 7:05.12 Stunden, bei den Damen siegte Laila Orenos (CH) in 8:01.24 h.

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