Corona vs. Olympische Spiele

Olympia-Absage: auch keine Medaillen für Rotter Schützin Monika Karsch 

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Eigentlich wollte die Schützin Monika Karsch (hier mit Mann Thomas) aus Rott heuer eine Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio holen. Aber das muss erst einmal warten.

Rott – Eine Medaille hat sich die Rotterin Monika Karsch für die Olympischen Spiele in Tokio vorgenommen. Doch das Coronavirus machte der Schützin, die mit der Sportpistole und der Luftpistole international startet, einen Strich durch die Rechnung Die restlichen Wettkämpfe wurden abgesagt, die olympischen Spiele ins Jahr 2021 verschoben – und alle Pläne von Karsch, die als Berufssoldatin arbeitet, über den Haufen geworfen.

Im Interview erzählt die 37-Jährige, die mit ihren beiden Kindern (9 und 7 Jahre alt) und ihrem Mann in Regensburg lebt, wie sie die Entscheidung findet, wie ihr Alltag in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen aussieht – und welcher aufregende Termin auch verschoben werden musste.

Hallo Frau Karsch, eigentlich wäre jetzt die heiße Phase vor den Olympischen Spielen gewesen. Doch die Wettkämpfe in Tokio wurden auf 2021 verschoben. Wie geht’s Ihnen damit?

Monika Karsch: „Der Entschluss war die einzig richtige und logische Entscheidung. Ich hatte damit gerechnet. Aber zugegeben, als es dann feststand, hat es sich komisch angefühlt. Und ich war auch traurig.“

Sie trainieren sonst sechs Mal die Woche bis zu sechs Stunden. Wie muss man sich jetzt ihren Alltag vorstellen?

Karsch: „Ich mache erst einmal Pause, gewinne Abstand. Ich genieße die Familienzeit und tue Dinge, für die ich sonst keine Zeit habe. Ich bin jetzt Lehrerin, Näherin und Hausfrau. Wir kochen jetzt zwei Mal täglich, backen, spielen, lesen. Unser Garten ist so gut in Form wie noch nie, unser Haus auch.

Wir entschleunigen und bleiben zuhause. Ich finde, da muss man auch solidarisch sein. Denn es gibt viele Menschen und Firmen, die gerade sehr große Verluste machen. Und wir halten uns an alle Regeln, damit diese Krise so schnell wie möglich überwunden ist.“

Dafür haben Sie sogar Gesichtsmasken genäht.

Karsch: „Ja, das stimmt. Das war anfangs eigentlich als lustige Beschäftigung am Nachmittag gedacht. Da habe ich das mit den Kindern mal ausprobiert. Aber dann fand ich die Idee gut. Denn jeder, der einen Mundschutz auf der Straße trägt, bringt seinem Gegenüber Respekt entgegen – weil er ihn schützt. Deshalb habe ich weiter genäht und auch Freunden und Verwandten zu Ostern Masken geschickt.“

Tragen Sie die auch selbst, wenn Sie rausgehen?

Karsch: „Ja, heute war ich zum Beispiel beim Arzt. Es ist komisch, wenn man der einzige ist, der einen Mundschutz trägt. Aber ich möchte auch ein Vorbild sein. Und lieber ist man ein bisschen zu vorsichtig.“

Bedeutet „Pause“ für Sie, dass Sie jetzt gar keinen Sport treiben?

Karsch: „Nein, ganz runterfahren kann man natürlich nicht. Ich mache jeden Tag mein Athletiktraining. Mein Ziel ist es, körperlich fit zu bleiben. Aber Schießen ist jetzt nicht möglich. Das macht es natürlich auch schwierig. Ich bin kein Verwalter. Ich will immer wachsen, optimieren und etwas Neues schaffen. Einfach nur meinen Fitnessstand zu halten, ist nichts für mich. Ich feile immer an mir, auch an der Ernährung und der Regeneration.“

Sie haben jetzt bis zu den olympischen Spielen nochmal ein Jahr mehr Zeit zum Feilen. Finden Sie das gut oder ist das ein Nachteil?

Karsch: „Für viele andere Sportler ist das eine Chance. Wer sich jetzt quält, arbeitet und ausprobiert, kann sich sehr stark steigern. Ich hatte heuer mit der Sportpistole schon wahnsinnig gute Ergebnisse. Für mich ist das deshalb nicht unbedingt ein Vorteil. Aber ich versuche, etwas Positives aus der Situation herauszuholen. Deshalb mache ich jetzt noch mehr Krafttraining, um an Muskulatur zuzulegen. Und sobald es wieder geht, möchte ich auch der Luftpistole ein bisschen mehr Zeit widmen und meine Leistung dort hochschrauben. Das werden nächstes Jahr gute Spiele für mich. Da bin ich ganz sicher.“

Nachdem sie bei den Spielen in Rio de Janeiro Silber mit der Sportpistole geholt hatten, wurde eine Straße in Ihrer Heimat Rott „Monika-Karsch-Ring“ genannt. Wie fühlt sich das an?

Karsch: „Das ist toll. Immer, wenn ich heimkomme, sehe ich das Straßenschild. Ich bin schon auch öfter mal dort, weil meine Schwester in Rott baut. Das ist schon phänomenal, seinen Namen dann zu lesen. Es macht mich auch sehr stolz. Ende März wäre die feierliche Einweihung mit Anliegern, Nachbarn und Politikern gewesen. Aber die musste natürlich auch verschoben werden.“
Katrin Kleinschmidt

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