1. kreisbote-de
  2. Sport
  3. Lokalsport
  4. Landsberg

„Roter Teufel“ macht Landsbergs TSV-Nachwuchs froh

Erstellt:

Von: Thomas Ernstberger

Kommentare

Patrick Wittich - 1. FC Kaiserslautern
Im Dress des 1. FC Kaiserslautern hatte Patrick Wittich nur einen Einsatz, dann beendete eine schwere Verletzung all seine Bundesliga-Träume. © 1. FC Kaiserslautern

Landsberg – Sein sportlich größter Tag war jener 24. April 2004. Da wurde der 21-jährige Patrick Wittich im Berliner Olympiastadion vor 45.300 Zuschauern von Trainer Kurt Jara in der 84. Minute für Mika Nurmela eingewechselt. „Natürlich mein Highlight. Aber auch der Heimspiel­sieg eine Woche zuvor gegen Rostock auf dem Betzenberg, als ich zum ersten Mal im Kader stand, war ein tolles Erlebnis. Das war überwältigend“, erinnert sich der erfolgreiche U15-Trainer des TSV Landsberg.

Es war sein erster, aber auch einziger Bundesliga-Einsatz im Dress des 1. FC Kaiserslautern. Schwere Fuß- und Knieverletzungen (die erste gleich am Tag nach dem Bundesliga-Debüt bei den FCK-Amateuren), die zahlreiche Operationen zur Folge hatten, beendeten schon früh den Profi-Traum des „Betze-­Buben“, der ab der E-Jugend das Trikot des Pfälzer Traditions­vereins trug. Er spielte mit Stars wie Tim Wiese, Miro Klose, Ciriaco Sforza, Carsten Jan­cker, Christian Nerlinger oder Marin Hristov zusammen, er ist Sohn des legendären, langjährigen FCK-Zeugwarts Wolfgang Wittich und der Schwager von Ex-Nationalspieler Marco Reich.

Wittich kickte zwar später noch in der Regional- und Oberliga, aber er erkannte schnell: „Die Jugendarbeit ist mein Ding. Das macht mir Spaß.“ Er trainierte die U16 von Fortuna Düsseldorf und baute bis 2019 beim SV Morlautern als Jugendkoordinator den Nachwuchsbereich (15 Mannschaften) auf.

Aber dann verschlug es den Pfälzer in den Freistaat. Grund: Ehefrau Kerstin bekam ein Job-Angebot als Außendienst-­Mitarbeiterin in Bayern für eine große Sportbekleidungsfirma. „Für mich war klar: Ich gehe mit und baue eine neue Existenz auf. Wir wollten ja schon immer nach Bayern ziehen“, erzählt Wittich, der mittlerweile in der Dispo eines Augsburger Hebebühnen-Verleihs arbeitet und in Graben lebt.

Der Umzug nach Schwaben wurde zum Glücksfall für den TSV Landsberg. Eine verrückte Geschichte: Als seine „Mädels“, Kerstin und Tochter Anne-­Cathrine, eines Tages vom Einkaufen zurückkamen, erzählten sie Patrick von einem „tollen Sportgelände“, das sie gesehen hatten und auf dem wohl der TSV Landsberg spielen würde. Wittich: „Ich hab‘ gleich mal im Internet nachgeschaut und habe da die Nummer von Jugend­leiter Stefan Drischberger gefunden. Am Telefon hatte er zwar erst Probleme mit meinem Pfälzer Dialekt. Aber als wir uns dann getroffen haben, hat vom ersten Moment an alles gepasst.“

Patrick Wittich - Nachwuchstrainer TSV Landsberg
Macht beim TSV Landsberg einen „super Job“: Nachwuchs­trainer Patrick Wittich. © TOM

Zur Rückrunde 2020 stieg der Ex-Profi beim TSV ein und übernahm die U15, also die C-Jugend (14- bis 15-Jährige). Es wurde eine Erfolgsgeschichte, die bislang einmalig beim TSV ist. Nachdem im ersten Jahr der Aufstieg als Zweiter genauso knapp verpasst wurde wie der Sieg im Pokal, sicherten sich die Jungs von Wittich, den Co-Trainern Oliver Pils und Mike Göttmann sowie Athletik-Coach Sven Kresin („eine Bereicherung für die Jungs“) in der Saison 2021/22 erst die Kreisliga-Meisterschaft, holten dann den Bau-Pokal und wurden schließlich als Aufsteiger mit 20 Punkten und 30:19 Toren auch Bezirksoberliga-Meister. „Absolut unglaublich, wie Patrick die Jungs weiterentwickelt hat“, so Drischberger nach dem Coup. Und der 40-jährige Coach lobt: „Das haben die Jungs wirklich gut gemacht.“

Drei Titel in einem Jahr – wie macht man das? „Meine Philosophie heißt: Die Disziplin ist das Wichtigste – neben und auf dem Platz. Dazu gehören zum Beispiel das Abmelden fürs Training, Pünktlichkeit und viel Konversation. Klar, dass in diesem Alter Familie und Schule vorgehen. Aber die Jungs entwickeln, ihnen auch neben dem Platz etwas beibringen – das ist genau mein Ding.“

Das kommt an: „Wenn im Schnitt 20 Kids im Training sind, macht man etwas richtig“, sagt der Coach, der immerhin dreimal in der Woche zum Training bittet. Die Vorbereitung auf die neue Saison hat bereits begonnen, das Ziel ist klar: „Die Bezirksoberliga halten.“ Das muss jetzt eine „neue“ Mannschaft schaffen: Sie besteht aus dem jüngeren, dem 2008er-Jahrgang sowie Spielern aus der C2- und D-Jugend (Jahrgang 2009). Die älteren Akteure, der Jahrgang 2007, rücken in die B-Jugend (Kreisliga) auf, werden dort vom ehemaligen Landsberger Spielertrainer und Ex-Regional- und Bayernligaspieler Muriz Salemovic (33) trainiert. „Bei ihm sind sie bestens aufgehoben“, weiß Wittich, dem seine Arbeit in der Kreisstadt „mega viel Spaß“ macht – auch, weil er „toll aufgenommen“ wurde und weil die Jugendleiter Drischberger und Markus Dech „einen super Job“ machen.

Abschlussfrage, nochmal zurück zum „großen Fußball“: Fiebert der ehemalige „Rote Teufel“ (so werden die Lauterer seit den Zeiten von Weltmeister-Kapitän Fritz Walter genannt) noch mit seinem Ex-Verein, der gerade wieder in die 2. Liga zurückgekehrt ist? Wittich verrät: „Natürlich schlägt mein Herz noch immer rot-weiß. Aber ich hege auch eine große Sympathie für die Bayern. Und ich finde es auch bemerkenswert, dass der FC Augsburg jetzt schon das zwölfte Jahr in der Bundesliga spielt. Da gehört schon einiges dazu.“

Auch interessant

Kommentare