Zum 20. Geburtstag:

Wenn ein Erfolgspferd in "Aktiv-Rente" traben darf

+
Geburtstagskind: Mit Hengst „Rammazzotti“ war die Epfacher Dressurreiterin Alexandra Maier äußerst erfolgreich. Der 20-Jährige wird künftig keine Turniere mehr bestreiten.

Epfach – Die weißblaue Schärpe lässt sich „Rammazzotti“ gern umhängen. Mit nach vorne aufgerichteten Ohren verharrt der Hengst ganz still, als Alexandra Maier den Stoff so drapiert, dass alles perfekt sitzt. Die Augen der Umstehenden sind auf ihn gerichtet – und das taugt dem Fuchs offensichtlich. „Er wollte schon immer im Mittelpunkt stehen“, sagt Mutter Manuela Maier. An diesem Donnerstag dreht sich auf der „Reitanlage Maier“ in Epfach-Neuhof tatsächlich sehr viel um „Rammazzotti“, denn das Pferd hat seinen 20. Geburtstag und wird im Rahmen einer kleinen Feier sozusagen offiziell aus dem Turnier­sport verabschiedet.

Für Alexandra Maier (28) ist der Warmblüter ein ganz spezieller Wegbegleiter. Dass sie als Dressurreiterin so erfolgreich ist und mittlerweile auch das Goldene Reitabzeichen ihr Eigen nennen kann, hängt mit „Rammazzotti“ zusammen. Mit ihm „wurde der Grundstein gelegt“, sagt die Epfacherin.

Die Hälfte der nötigen zehn Siege in der schweren Klasse holte Maier mit dem Hengst – auch den erforderlichen 1. Platz in einer Intermediaire-I-Prüfung. Dieser Triumph, errungen 2017 beim Turnier auf der heimischen Anlage, „war sehr schön und überraschend zugleich“, sagt die Epfacherin. Überhaupt lief es 2017 bestens für das Duo: Unter anderem holte Alexandra Maier den Gesamtsieg im bayerischen FAB-Championat. Am Jahresende landete „Rammazzotti“ gemäß der FN-Erfolgsdaten unter den in Bayern gezogenen Sportpferden in der Disziplin „Dressur“ auf dem 10. Platz.

Mit „Rammazzotti“ ist Alexan­dra Maier von Beginn an verbunden. Als der Hengst gerade mal drei Tage alt war, bekam sie ihn von den Eltern geschenkt. Manuela Maier hatte sich bei Züchter Armin Herb (Apfeldorf) ein Vorkaufsrecht für das Fohlen gesichert. „Rammazzottis“ Vater, „Ramiro M“, gehörte Manuela Maier, mit ihm war sie vor allem auf Springturnieren erfolgreich gewesen.

Im Alter von vier Jahren wurde der Fuchs anlongiert und an den Sattel gewöhnt. An das erste Mal Anreiten erinnert sich Manuela Maier noch genau: Die Tochter hielt die Longe, das Pferd verhielt sich zunächst wunderbar. Doch dann erschrak „Rammazzotti“ wohl vor irgendetwas und jagte los, kurz vor der Wand der Reithalle stoppte er jäh – Manuela Maier landete unsanft auf dem Boden. „Mir hat alles weh getan, aber ich bin gleich nochmal aufgestiegen. Es half ja nix“, sagt sie. Das Ergebnis war ein erneuter Sturz. Doch schon bald hatte sich „Rammazzotti“ an Sattel und Reiter gewöhnt.

Sein erstes Turnier absolvierte er sechsjährig in der Lichtenau bei Weilheim. Dort, so berichten die Maiers, wollte der Jungspund im Viereck kurz den Chef raushängen lassen, doch Alexandra Maier löste das Problem nervenstark mit einem energischen Einsatz. Das verstieß zwar gegen die Dressur-Etikette, von den Richtern gab es aber dennoch ein Lob für die aus ihrer Sicht gute Reaktion. Dass die Tochter unbedingt Dressurreiterin werden wollte, nahm vor allem der Papa skeptisch zur Kenntnis. Doch als schon bald die ersten Schleifen eintrudelten, hatte sich das erledigt. Gleich ihre erste E-Dressur gewann Alexandra Maier, damals im Sattel von „Waldfee“, erinnert sich die Mutter.

Über 300 Schleifen

Mit „Rammazzotti“ sammelte die junge Epfacherin über die Jahre Platzierungen am laufenden Band. Über 300 Schleifen dürften zusammengekommen sein, „genau gezählt haben wir sie nicht“. Von den Richtern bekamen sie des Öfteren zu hören, dass sie eine wahre Einheit bilden. Als „sehr ehrgeizig“ und „immer brav“ charakterisiert Alexandra Maier den Hengst mit einem Stockmaß von 162 Zentimetern. Turniere auf fremden Anlagen waren ganz nach seinem Geschmack: „Er ist gern verreist.“ Auswärts, 2015 in München, war „Rammazzotti“ das einzige Mal auch mit einer anderen Reiterin in Aktion. Beim Dressur-Derby mit Pferdewechsel im Rahmen der Veranstaltung „Pferd International“ trat die spätere Team-Olympiasiegerin Dorothee Schneider mit „Zottel“ (so sein Spitzname) ins Viereck – und wurde Zweite.

Zu seinem 20. Geburtstag erhielt der Fuchs einen großen Fresskorb mit Leckereien wie Karotten und Äpfeln. „Er hat immer ehrlich gearbeitet. Das hat er sich verdient“, sagt Manuela Maier. Turniere wird der Hengst keine mehr bestreiten, doch er wird noch regelmäßig geritten und fit gehalten; dabei geht’s auch ins Gelände. „Aktiv-Rente“ nennt das Alexandra Maier. „Er soll Spaß haben.“

Die Dressurreiterin hat mit „Geronnimmo“ und „Majestix W“ noch zwei erfahrene Turnier-Pferde im Stall. Obendrein ist ihr mit „Heronymus“ ein Pferd für die S-Tour zur Verfügung gestellt worden; er steht auch auf der Anlage in Epfach-­Neuhof. Darüber hinaus ist Alexandra Maier mit fünf Nachwuchspferden beschäftigt, zwei davon wurden bereits angeritten. Die Arbeit geht nicht aus – und der Weg zu weiteren Erfolgen ist beschritten.
Paul Hopp

Auch interessant

Meistgelesen

Neuer Handball-Trainer bei den TSV-Landsberg-Damen
Neuer Handball-Trainer bei den TSV-Landsberg-Damen
Red Hocks Kaufering kooperieren mit Floorballern in der Schweiz
Red Hocks Kaufering kooperieren mit Floorballern in der Schweiz
Erster Königstransfer: TSV Landsberg verpflichtet Moritz Nebel
Erster Königstransfer: TSV Landsberg verpflichtet Moritz Nebel
Auf Julian Nagelsmanns Spuren: FC Bayern kooperiert mit FC Issing
Auf Julian Nagelsmanns Spuren: FC Bayern kooperiert mit FC Issing

Kommentare