Landsberger Segelflieger im Aufwind

Mit der Sonne um die Erde

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Die Piloten vom Landsberger Segelflugverein Geratshof waren auch in den Alpen unterwegs. Sepp Holzapfel etwa flog von Viertausender zu Viertausender.

Geratshof – Die Segelflieger vom Geratshof haben es mit ihrem neuen Streckenrekord von 83 166 Kilometern auf Platz 80 der Weltrangliste geschafft. Dieses hervorragende Ergebnis ist unter anderem einigen bis zu 1 000 Kilometer langen Flügen zu verdanken.

An einem Frühsommerabend in den Pfingstferien des letzten Jahres ist es nach einem Tag erlebnisreicher Flüge ruhig geworden am Segelflugplatz Geratshof. Plötzlich hallt bei der Graspiste südlich von Ellighofen aus dem noch angeschalteten Funkgerät eine Meldung in die Stille: „Geratshof, die Kilo-Lima jetzt Höhe Kinsau – in fünf Minuten zur Landung.“ Vorbei ist es mit der Ruhe, rund 30 Piloten und Flugschüler springen auf und richten ihren Blick Richtung Süden an den Himmel über dem rötlich glühenden Alpenpanorama. 

Der kleine weiße Punkt dort wird schnell größer und kommt schließlich mit 250 Kilometern pro Stunde, begleitet nur von einem leisen jetähnlichen Rauschen, quer über die winkende Menge, bevor er Richtung Dornstetten zum Landeanflug abdreht und schließlich leise vor dem Hangar zu stehen kommt. Nach einem kurzen Moment der Stille öffnet Pilot Günther Siebinger mit strahlendem Gesicht das Cockpit. Applaus brandet auf und Hände werden freudig geschüttelt – Siebinger war es am vierten Tag in Folge gelungen, lautlos in den Aufwinden der Alpen eine Strecke von 1000 Kilometern mit seinem Ventus 2CM zu fliegen. Zunächst bis weit nach Österreich hinein Richtung Steiermark, dann weiter an Hohentauern und den Dolomiten vorbei bis in die Schweiz hinter Sankt Moritz hatte ihn dieser Segelflug geführt. 

Das war nur einer von vielen großen Streckensegelflügen im Jahr 2014, auf die die Geratshofer Piloten zurückblicken. Sepp Holzapfel verband bei einem Flug die höchsten Viertausender der Alpen – Piz Bernina, Matterhorn, Gran Paradiso und Mont Blanc –, und Dirk Küpper flog bei einem Dreiecksflug im Vereins-Nimbus 800 Kilometer über die großen südlichen Mittelgebirge Schwarzwald, Odenwald, Fränkische Alb und Bayerischer Wald. Richard Paul und Johannes Holzapfel gelang es im Verbandsflug, die Wasserkuppe, den höchsten Berg der Rhön, an dem das Segelfliegen seinen Ursprung hat, mit den Alpen bei Füssen zu verbinden. Diese und die weiteren Streckenflüge aller Geratshofer Piloten werden im Flug elektro- nisch per GPS protokolliert. Nach der Landung werden die Daten in die Wertung der deutschen Segelflugmeisterschaft und des weltweiten Segelflug-Online Contest hochgeladen. 

Und der spuckte am Ende des Jahres einen neuen Jahresrekord aus: 83 166 Kilometer schafften die 21 Geratshofer Streckenflugpiloten bei 221 Flügen. Das entspricht einer Strecke von mehr als zweimal um die Erde – nur von der Energie der Sonne getragen. 

In der Weltrangliste landete der „kleine Segelflugverein von der grünen Wiese bei Landsberg“ damit 2014 auf Platz 80 unter über 1500 teilnehmenden internationalen Fliegerclubs, deutschlandweit auf Platz 49 und in Bayern auf dem 8. Platz von 349 Vereinen. 

Dieses sensationelle Ergebnis, das dem Engagement der Piloten und dem guten Segelflugwetter 2014 zu verdanken war, feierten die Landsberger Segelflieger vom Geratshof ausgiebig bei ihrem Jahresrückblick am Flugplatz. Alle Mitglieder mit besonderen Leistungen wurden gewürdigt, wobei es noch einen ganz besonders erwähnenswerten Preis gab: die erst 14-jährige Flugschülerin Julia Steinle wurde für die meisten Starts des Jahres geehrt – 120 mal ging es 2014 für die junge Landsbergerin in die Luft.

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