"So etwas habe ich noch nie gehört"

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Trainer Sven Kresin sah seine Mannschaft nach dem Spiel gegen Bogen Benachteiligungen ausgesetzt.

Landsberg/Bogen – Der Schiedsrichter sollte bei einem Fußballspiel nicht im Mittelpunkt des Gesprächs bei beiden Trainern stehen – tut er es doch, ist meistens auf dem Platz einiges schiefgelaufen. Genau das dürfte bei der 1:3-Niederlage des TSV Landsberg in Bogen der Fall gewesen sein. „So kann man in der Bayernliga ein Spiel nicht leiten“, war Trainer Sven Kresin nach der Partie erzürnt, „so eine schwache Leistung habe ich überhaupt noch nicht erlebt.“

Seiner Mannschaft wollte er nach der Niederlage keinen Vorwurf machen, sie habe gut gespielt, den Gegner über weite Strecken klar im Griff gehabt und lediglich beim 1:3 einen vermeidbaren individuellen Fehler gemacht. „Aber zu diesem Spielstand darf es ja nie kommen“, sagt der 38-Jährige. Neben zahlreichen Fouls an Muriz Salemovic, der nach der Partie mehrere Stollenabdrücke an den Knöcheln aus Niederbayern mit nach Hause nahm, erregten sich die Gemüter beim TSV vor allem an mehreren Szenen in der zweiten Halbzeit, etwa als Bogens Meyer den eingewechselten Siegwart auf der Strafraumlinie als letzter Mann von den Beinen holte. 

„Glasklare Rote Karte und außerdem Elfmeter“, so Kresin, „aber der Schiedsrichter gibt Gelb und einen Freistoß aus 23 Metern.“ 1:1 hieß es zu diesem Zeitpunkt nach einem verwandelten Foulelfmeter von Hauke aus der 32. Minute und dem verdienten Ausgleich für Bogen durch Zollner kurz vor der Pause. Anstatt nach Meyers Notbremse in Führung zu gehen, mussten die Landsberger einen weiteren Nackenschlag hinnehmen. Bevor Sigl das 2:1 für die Gastgeber erzielte, war Sebastian Nuscheler durchgebrochen – und ebenfalls klar gefoult worden. 

Diesmal pfiff Schiedsrichter Andreas Kasenow, der weit vom Ball stand, überhaupt nicht. Kresin: „Dafür hat er aber immer noch seinen Assistenten, der mit mir zusammen zehn Meter daneben stand.“ Der Mann an der Linie habe dann gegenüber dem Trainer auch eingeräumt, dass es sich um ein Foul gehandelt habe, dies aber „Sache des Schiedsrichters“ sei. „Ich bin schon lange im Fußball, aber so etwas habe ich überhaupt noch nicht gehört“, ärgerte sich der TSV-Coach. „Dieser Schiedsrichter und seine Linienrichter haben uns zuvor noch nicht gepfiffen und ich hoffe, dass sie das auch nie wieder tun. Der Verband verlangt in dieser Liga von den Vereinen viel Geld für die Referees, da darf so eine Vorstellung nicht herauskommen.“ Kresin betont gleichzeitig auch, dass nicht nur seine Mannschaft benachteiligt wurde, „er hat auf beiden Seiten sehr viel klare Sachen nicht gesehen.“ 

Im Landsberger Lager ist man aber auch deshalb unzufrieden, weil gerade erst Peter Knechtel für eine Notbremse ungewöhnlich hart bestraft wurde. Nach einem nicht sonderlich groben Foul – ebenfalls als letzter Mann – wurde der Verteidiger vom Sportgericht für drei Spiele gesperrt; üblich sind zwei. Das will man beim TSV nicht akzeptieren und hat bereits Protest eingelegt. „Es gibt ja inzwischen von jedem Spiel Bilder beim BFV, die kann man dann ja auch auswerten.“ 

Landsbergs Sportlicher Leiter Toni Yildirim ist im Nachhinein froh, dass er in Bogen nicht dabei war („ich weiß nicht, ob ich da so ruhig geblieben wäre“) und Sven Kresin sieht's genauso. „Wenn er diese Entscheidungen ansehen hätte müssen, wäre der Toni wahrscheinlich lebenslang gesperrt worden“, so der Trainer mit einem Schmunzeln. Nach der Reise gen Osten bleibt allerdings erst einmal nur die Erkenntnis, dass man „420 Kilometer gefahren und um den verdienten Punkt gebracht worden ist“ (Kresin) und von den Gastgebern in der Tabelle überholt wurde. 

Abrutsch-Gefahr 

Im Heimspiel am kommenden Samstag (14 Uhr) muss man sich jetzt mit der DJK Vilzing auseinandersetzen, die derzeit einen kleinen Lauf hat. Nach schwachem Start holten die Oberpfälzer zuletzt sieben Punkte aus drei Spielen. „Für uns kann es trotzdem nur heißen, daheim den Dreier zu holen“, gibt Yildirim die Marschroute vor. Kresin weiß um die Gefahr, jetzt abzurutschen. „Wir haben ein Spiel mehr und am Wochenende darauf spielfrei. Wenn du da jetzt gegen Vilzing nicht punktest, kannst du plötzlich ganz schnell unten drin hängen.“

Christoph Kruse

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