Regelkonform, aber ohne Fingerspitzengefühl

Schon wieder eine Niederlage für den TSV Landsberg

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Martin Hennebach musste beim Spiel gegen Ingolstadt die Torwarthandschuhe anziehen, nachdem Keeper Patrick Rösch die Rote Karte bekommen hatte.

Landsberg – Am 19. Spieltag der Bayernliga Süd musste der TSV Landsberg vor 75 Zuschauern eine 1:5-Schlappe beim FC Ingolstadt II hinnehmen. Wieder einmal stand das Schiedsrichtergespann im Mittelpunkt und nahm erheblichen Einfluss auf den Ausgang der Partie. In der Tabelle rutscht Landsberg auf den 11. Rang ab.

Seit drei Spielen ist die Elf von Sven Kresin nun sieglos. Zwar starteten die Lechstädter bei den Schanzern ordentlich, kamen aber schon nach knapp einer Viertelstunde auf die Verliererstraße, von der es auch keine Abzweigung mehr gab.

Keeper Patrick Rösch erzählt: „Der Platz war relativ lang und deshalb stand ich meist weit vor meinem Tor. Nach einem weiten Ball, dem ich entgegengehe, kommt es zu einem Pressschlag mit einem Ingolstädter Spieler. Leider landet die Kugel danach beim Gegner und der zieht sofort ab. Ich gehe dann vor dem Strafraum reflexartig zum Ball und berühre ihn auch mit der Hand. Ich war aber weder letzter Mann, noch habe ich ein Tor verhindert, denn hinter mir stand noch Sebastian Bonfert, der den Ball zur Ecke klären konnte.“

Schiedsrichterin Davina Haupt stand nah am Geschehen und ließ weiterlaufen. Bevor sie allerdings die Ecke ausführen ließ, wurde sie vom Assistenten angesprochen und entschied urplötzlich nicht nur auf Freistoß wegen Handspiels, sondern zeigte Rösch die Rote Karte.

„Die Situation ist nicht unbedingt glücklich gelaufen, aber die Schiedsrichterin hat sich regelkonform verhalten“, sagt Landeslehrwart Manfred Kranzfelder auf Nachfrage des KREISBOTEN. „Weil die Ecke noch nicht ausgeführt war, konnte sie ihre Entscheidung revidieren.“

„Es mag ja sein, dass die Regeln so auszulegen sind, aber Rösch war nicht letzter Mann und da hätte es eine Gelbe Karte auch getan“, wirft Coach Kresin ein. „Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl darf es manchmal sein.“

Den TSV traf das Schicksal doppelt hart, denn es stand kein Ersatztorhüter zur Verfügung. Leon Veliu fällt schon seit Wochen mit einer Knöchelverletzung aus und der andere etatmäßige Ersatzmann Nicolas Schestak musste bei der 2. Mannschaft aushelfen. Martin Hennebach zog sich die Handschuhe an und begab sich in das für ihn ungewohnte Habitat zwischen den Pfosten. „Ich habe mich mal beim Warmmachen ins Tor gestellt und ein paar Bälle gehalten. Da hat man anscheinend meine Veranlagung erkannt und deshalb fiel die Wahl auf mich. Ich brauche das aber nicht nochmal“, beschreibt Hennebach seinen Einsatz.

„Für die Mannschaft hat es mir wirklich leid getan“, schildert Rösch die Situation. „Wir hatten uns gerade an den Kunstrasen gewöhnt und kamen gut zurecht – und dann das. Für mich war es in elf Jahren Fußball die erste Rote Karte. Danach war die Partie natürlich gelaufen.“

Den Freistoß konnte Aushilfskeeper Hennebach noch abwehren, doch den Nachschuss brachte Paul Polauke zum 1:0 über die Linie (14.). „Diese Situation war meiner Meinung nach nicht in Ordnung, denn Hennebach hatte die Hand auf dem Ball“, schimpft Trainer Kresin und hadert mit den Schiedsrichtern, die dem TSV in den letzten drei Partien übel mitgespielt hätten. „Ich wünsche mir endlich mal wieder ein Spiel, wo nicht dauernd gegen uns entschieden wird.“

Danach machten es die Schanzer geschickt. Sie ließen Ball und Gegner laufen und es war nur eine Frage der Zeit, bis der Ball wieder im Netz zappeln würde. Fabio Moreno Fell sorgte schließlich für den 2:0-Pausenstand (25.).

Natürlich ging es in der zweiten Halbzeit nur darum, eine ergebnistechnische Katastrophe zu verhindern. „Henne hat seine Sache wirklich gut gemacht und ein paar Dinger rausgeholt“, ist Rösch voll des Lobes für seinen unfreiwilligen Vertreter. Aber es sei nur darum gegangen, das Schlimmste zu verhindern.

Die Gegentreffer fielen trotzdem mit unschöner Regelmäßigkeit. Philipp Herrmann schraubte das Ergebnis mit zwei Treffern (53./56.) auf 4:0, ehe Philip Siegwart nach 81 Minuten der Ehrentreffer für den TSV Landsberg gelang. Auch das 5:1 durch Dominik N‘gatie (83.) konnte nicht verhindern, dass die Gäste moralisch gestärkt vom Platz gingen.

Die Frage ist nun, wie hoch die Strafe für Patrick Rösch ausfallen wird. Bei Redaktionsschluss lag die Entscheidung des Verbands noch nicht vor. Es darf aber als sicher gelten, dass der TSV auch beim nächsten Heimspiel gegen den FC Deisenhofen (Samstag, 14 Uhr), ohne seinen Stammkeeper auskommen muss.

„Jetzt müssen wir in den letzten drei Spielen vor der Winterpause am besten noch neun Punkte holen, dann sieht die Lage wieder entspannter aus“, strahlt Rösch Hoffnung aus. Ein Spaziergang wird das nicht, denn der FC Deisenhofen ist so etwas wie die Mannschaft der Stunde. Er steht mit 35 Punkten sieben Plätze vor Landsberg, und hat seit dem zehnten Spieltag keine Partie mehr verloren.
Dietrich Limper

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