Spitzenspiel

Bayernliga vom Feinsten

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Machte in der 90. Minute mit seinem Kopfballtor den Landsberger 3:2-Sieg gegen Bayernliga-Tabellenführer Heimstetten klar: Philipp Siegwart.

Landsberg – In einem Punkt waren sich die Verantwortlichen auf beiden Seiten nach dem 3:2 des TSV Landsberg gegen Tabellenführer Heimstetten nach der Partie einig: dass sie ein Bayernligaspiel der besten Sorte gesehen hatten. Die Gäste zeigten sauberen Kombinationsfußball, der TSV viel Zweikampfstärke, gute Organisation und Dynamik. Unter dem Strich lässt der Blick auf den Chancen-Zettel die Gastgeber als verdiente Gewinner dastehen.

Alleine nach einer knappen Stunde hätte es binnen 50 Sekunden viermal im Heimstettener Gehäuse einschlagen kön- nen. Siegwart, Salemovic, Storhas und Detmar feuerten aus allen Lagen, trafen aber nur den Pfosten oder fanden im ausgezeichneten Gästetorhüter Markus Aigner ihren Meister. Nur eine Minute vorher wiederum hatten Aigners Vorderleute die große Chance vergeben, das Spiel zu ihren Gunsten vorzuentscheiden – Orhan Akkurt vergab beim Stand von 1:2 einen Hand-Elfmeter gegen Tobias Heiland im Landsberger Tor.

Dass der SVH überhaupt in Führung lag, hatten sich die Landsberger durch zwei ihrer seltenen Aussetzer selbst zuzuschreiben. Heiland rette zunächst noch mit einer sehenswerten Fußabwehr gegen Goalgetter Akkurt (13.), sprang dann aber unter einem weiten Ball durch; seine Mitspieler blockierten das Spielgerät anschließend regelwidrig und Schmitt jagte die Kugel nach dem indirekten Freistoß von der Fünf-Meter-Linie trocken ins rechte Eck zum 0:1 (30.).

Im Liegen

Salemovic hätte kurz danach den Ausgleich besorgen können, setzte nach seinem Solo den Lupfer aber nur an den rechten Pfosten. Beim 1:1 (44.) hatten die Landsberger dann allerdings Glück. Nach Hereingabe von Wochnik und einem Pressschlag legte Salemovic den Ball unabsichtlich mit der Hand vor. Der Unparteiische sah es nicht, Strohhofer schob im Liegen zum Ausgleich ein.

Dennoch gingen die Gäste mit einer überraschenden Führung in die Kabine. Eine Hereingabe in der Nachspielzeit konnte Heiland nicht festhalten, erneut Akkurt staubte zum 1:2 ab; Heilands Reklamationen, er sei behindert worden, blieben ungehört.

Wie sich der TSV dann in der zweiten Halbzeit mit Macht gegen die Niederlage stemmte, war sehenswert. Bei gegnerischem Ballbesitz ließ man sich mit zwei Viererketten tief fallen, Heimstetten (bis dahin 14:1 Tore) agierte dagegen zwar ebenfalls gut organisiert, aber einigermaßen ratlos. Lediglich über die stark besetzten Außenpositionen konnte der Tabellenführer gelegentlich Gefahr ausstrahlen.

Immer wieder eroberten sich vor allem Storhas und Spannenberger den Ball dann schon vor der Abwehr und leiteten überfallartige Kontern ein. Einen platzierten Flachschuss von Fülla konnte Aigner noch parieren (66.), doch nach 70 Minuten war er chancenlos, als Sieg- wart eine Ablage von Salemovic mit der Hacke zum 2:2 ins Tor bugsierte.

Auch die Schlussphase gehörte den jetzt wie aufgezogen agierenden Gastgebern. Drei weitere Chancen vergab man, bevor man sich in der 90. Minute doch noch für den Aufwand belohnte. Nach einem Einwurf narrte Salemovic mit einer Körpertäuschung zwei Gegenspieler, flankte an den linken Pfosten, wo Philipp Siegwart zum 3:2 einnickte.

Ansteckungsgefahr

Dass es dennoch spannend blieb und Heimstetten fast noch zum erneuten Ausgleich kam, war auch dem Referee zu verdanken, der statt der angezeigten drei Minuten fast doppelt so lange nachspielen ließ. Bereits zuvor hatten mehrere kuriose Abseitsentscheidungen seiner Assistenten für lautstarken Unmut im Hacker-Sportpark geführt. „Ich würde sagen, der Schiedsrichter hat eigentlich lange gut gepfiffen und sich dann aber irgendwie von der Leistung seiner Linienrichter anstecken lassen“, mutmaßte Toni Yildirim, Sportlicher Leiter beim TSV Landsberg.

Negativer Höhepunkt in der Schlussphase: Nachdem ein Heimstettener den Ball nach einem Foul bis auf den Nebenplatz schlug, wollten die Unparteiischen nichts gesehen haben. Für das gleiche Vergehen sah Sekunden später dann Salemovic auf Landsberger Seite Gelb-Rot. Äußern wollte sich das Trio, das auch noch TSV-Coach Sven Kresin des Feldes verwies, nach der Partie zu den umstrittenen Szenen nicht; man verzichtete auf das übliche Essen und reiste sofort ab.

Angesichts des unerwarteten Erfolges wird man das auf Landsberger Seite locker verschmerzen können. Nur dank der besseren Tordifferenz bleibt Heimstetten in der Bayernliga-Tabelle vorne, der TSV Landsberg belegt mit 16 Zählern einen überragenden 2. Platz.

Die nächsten Aufgaben haben es allerdings auch schon wieder in sich. Am morgigen Dienstag (18.15 Uhr) kommt es vor heimischer Kulisse zum Pokalknaller gegen Drittliga-Absteiger Unterhaching, am Samstag muss man nach Pullach. Mit den Münchner Vorstädtern hat man aus der vergangenen Saison noch eine Rechnung offen, 0:3 und 0:4 lauteten damals die Ergebnisse.

Christoph Kruse

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