Sportkolumne „Ganz nah dran“

Als Schalke für vier Minuten Meister war

Stadionsturm auf Schalke - 2001
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Stadionsturm auf Schalke: KREISBOTE-Kolumnist Thomas Ernstberger war 2001 mittendrin.
  • Thomas Ernstberger
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Schalke 04 ist zurück in der Fußball-Bundesliga. Was weder der HSV noch Nürnberg oder 1860 München schafften, glückte den „Knappen“ am Samstag mit dem 3:2 auf St. Pauli: Der sofortige Wiederaufstieg ins deutsche Oberhaus. Beim Stichwort Schalke fällt mir immer wieder ein unvergesslicher Reporter-Tag ein. Ein genauso ereignis- wie tränenreicher Samstag vor ziemlich genau 21 Jahren im Ruhrpott.

Es war der 19. Mai 2001. Sowohl der letzte Spieltag der Saison 2000/2001 als auch das letzte Bundesligaspiel im Gelsenkirchener Parkstadion vor dem Umzug in die neue „Arena auf Schalke“. Und, wie sich später herausstellen sollte: Auch das 68. und (bislang) letzte Bundesligaspiel in der Vereinsgeschichte der SpVgg Unterhaching. Das Stadion war mit 65.000 Zuschauern ausverkauft, auf dem Rasen standen sich zwei Mannschaften gegenüber, die gewinnen MUSSTEN. Schalke, um im Fall eines Ausrutschers der Bayern noch Meistern zu werden und Haching, um den Abstieg zu verhindern.

Dramatik pur schon während der 90 Minuten. Die SpVgg führte 2:0 und 3:2, beim Schlusspfiff stand’s 5:3 für Schalke. Haching war damit abgestiegen. Und der Titel? Es sah so aus, als sollte er in den Westen gehen, denn Bayern lag gegen den HSV 0:1 zurück. Dann verkündete „premiere“-­Reporter „Rollo“ Fuhrman: „Das Spiel in Hamburg ist aus.“

Da gab’s kein Halten mehr. Auf der Pressetribüne heulten altgediente Schalke-Reporter vor Freude und auf dem Platz die Hachinger vor Enttäuschung. Dann stürmten die Fans den Rasen, auf dem wir Reporter schon standen und „Stimmen“ der Spieler einfangen wollten, feierten die (vemeintliche) Meisterschaft der Mannschaft von Trainer Huub Stevens. Tollhaus Parkstadion – aber nur exakt vier Minuten. Denn das Spiel der Bayern war doch noch nicht aus. Auf der Video-Wand (die wurde später in Aue wieder aufgebaut) gab’s plötzlich eine Live-Schaltung nach Hamburg, wo die Bayern in der Nachspielzeit durch Patrik Anderssons Freistoß ausglichen und sich doch noch den Titel sicherten.

Von einer Sekunde auf die andere herrschte Totenstille im Stadion – diesen Stimmungsumschwung werde ich nie vergessen. Und aus Freudentränen wurden Tränen der Trauer und Fassungslosigkeit. „Von heute an glaube ich nicht mehr an den Fußball-Gott“, sagte der 2019 verstorbene Schalke-Manager Rudi Assauer. Auch er mit Tränen in den Augen.

So mischten sich im letzten Spiel im Parkstadion die Tränen der Schalker mit den Tränen der Hachinger. Das sind Momente, die man nie vergisst, wenn man mittendrin und live dabei war. Momente, die auch einem Reporter nahegegangen sind…

Glückauf!

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