Sportkolumne „Ganz nah dran“

Im Wirtshaus mit Armin Hary

Sprintlegende Armin Hary - Sammelalbum 1960
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Aus einem Sammelalbum von 1960: Sprintlegende Armin Hary.
  • Thomas Ernstberger
    VonThomas Ernstberger
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Fußball ist bekanntlich die „schönste Nebensache der Welt“ – oder sollte es zumindest sein. Wie der Zusammenbruch von Dänen-Star Christian Eriksen am zweiten EM-Tag mehr als deutlich gezeigt hat. Nach dem Schock von Kopenhagen war Fußball erst mal alles andere als wichtig.

Das war tags zuvor noch ganz anders. Nach dem tollen 3:0 der Italiener in Rom gegen die Türkei schwärmten alle vom Super-Fußball des neuen Geheim-Favoriten. Knapp zehn Millionen sahen das Auftaktspiel vorm Fernseher. Es war, auch ohne deutsche Beteiligung, ein Spiel in einem Stadion, in dem einst deutsche Sportgeschichte geschrieben wurde. Und damit auch ein winzig-kleines Kapitel Landkreis-Sportgeschichte.

Im „Olimpico“, dem Olympiastadion von Rom, holte die deutsche Sprintlegende Armin Hary (84/Foto aus einem Sammelalbum von 1960) bei den Olympischen Sommerspielen im September 1960 zweimal Gold – über 100 Meter und mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel.

Was die wenigsten wissen: Der Mann, der als erster die 100 Meter in 10,0 Sekunden lief und damit im Juni 1960 in Zürich einen neuen Weltrekord aufstellte, wohnte Ende der 90er Jahre im Dießener Ortsteil Dettenschwang. Dort ging ich zu dieser Zeit gerne und oft im Gasthof zur Post, „Beim Stangl“, einem uralten, bayerischen Traditions-Wirtshaus essen. Da kochte die Oma, die alte Wirtin Antonia, noch selbst, da wurden die wunderbaren Schnitzel und die Röstkartoffeln noch im „geteilten“ Teller – je ein Fach fürs Fleisch, für die Beilage und für den Salat – serviert.

Ganz hinten im Eck saß immer wieder ein netter, älterer Herr und trank sein Bier. Er grüßte stets freundlich und kein Gast, der zum ersten Mal einkehrte, hätte geglaubt, dass hier einer der größten Leichtathleten aller Zeiten sitzt. Ich erinnere mich noch genau, wie die junge Wirtin Resi einmal sichtlich stolz an unseren Tisch kam und fragte: „Kennt ihr den da hinten?“ Klar kannte ich ihn: Einen Armin Hary MUSS man als Sportjournalist kennen.

Inzwischen ist das Gasthaus zur Post leider Geschichte. Nach Antonias Tod am 30. Dezember 2017 wurde die Wirtschaft nicht weiterbetrieben. Sie steht seither leer. Auch Armin Hary wird man in Dettenschwang wohl nicht mehr treffen. Der ehemalige Sprint-Superstar lebt seit vielen Jahren in Adlhausen nahe Landshut und kümmert sich um seine Stiftung AHA.

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