Abschied mit Tränen: Thomas Berghofer bricht auf zu neuen Ufern

Landsberger Stadionsprecher war immer mit Gummisohlen auf dem Eis

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Das Playoff-Spiel am Sonntag könnte der letzte Auftritt von Thomas Berghofer als Stadionsprecher sein.

Landsberg – Er ist ein Urgestein in der Landsberger Eishockeyszene. Er war ein Teil des EV Landsberg und war der Stadionsprecher des HC Landsberg. Jetzt zieht es den 49-jährigen Thomas Berghofer aus familiären Gründen nach Rosenheim. Sein Nachfolger steht mit Sven Schneider bereits fest.

Schon als Kind war Berghofer glühender Fan des EV Landsberg und engagierte sich im Ordnungsdienst. Nach dem Niedergang des EVL, setzte er seine Arbeit bei den Riverkings fort und war maßgeblich an der Entwicklung des Off-Ice-Teams des Vereins beteiligt. Aber er war als Stadionsprecher nicht nur die Stimme des HCL auf dem Eis, sondern kümmerte sich unter anderem um den Live Ticker, die Website und mit „Riverkings TV“ brachte er bewegte Bilder an den Start. Aus familiären Gründen verlegt Berghofer nun seinen Lebensmittelpunkt nach Rosenheim und wird, neben seiner Tätigkeit als IT-Administrator, auch für den Oberligisten Star Bulls arbeiten. Im Gespräch mit dem KREISBOTEN blickt er zurück und nach vorne.

Thomas, nahezu zehn Jahre warst du als Stadionsprecher vor und während der Spiele auf dem Eis unterwegs. Die wichtigste Frage vorab: Was für Schuhe muss man tragen, um einen sicheren Stand zu haben?

Berghofer: (lacht) „Auf keinen Fall Winterschuhe! Ganz normale Schuhe mit Gummisohlen. Je mehr Profil die Schuhe haben, umso schlimmer wird es. Ich habe mir mal so Anti-Rutsch-Dinger gekauft, die man vom Eisstockschießen her kennt, aber die helfen auch nicht.“

Angefangen hast du im Ordnungsdienst beim EVL. Wie kam es damals dazu?

Berghofer: „Das war in den Neunzigern. Ich war erst einmal Fan und habe mir irgendwann gedacht: Mensch, rumstehen kann ich auch als Ordner und spare mir einen Haufen Geld. Ich habe die Sitzplatztribünen betreut und musste nicht vor der Türe bleiben. Es gab natürlich auch harte Vorfälle, zum Beispiel flogen beim Spiel gegen Deggendorf die Abfalleimer durch die Gegend. Pfefferspray kam zum Einsatz und das war dann nicht so lustig.“

Von 2006 bis 2010 warst du gar nicht in Landsberg. Wie war es denn, als du wieder zurückgekommen bist?

Berghofer: „Da war ich erst einmal wieder ein Jahr Ordner beim EVL und es ging los mit den Streitigkeiten im Vorstand. Einer nach dem anderen hat abgedankt und dann war der Laden dicht. Der komplette Nachwuchsbereich wechselte zum HCL, aber keiner vom EVL wollte dort arbeiten. Und der Nachwuchs spielte Bundesliga, es gab also hohe Anforderungen und das konnte beim HCL niemand. Ich habe dann ein Off-Ice-Team aufgebaut, die Spiele geleitet und war Stadionsprecher bei der Jugend.“

Wie wurdest du schließlich Stadionsprecher bei der ersten Mannschaft?

Berghofer: „Irgendwann kam der Mobby auf mich zu und meinte, dass die Homepage mal auf Vordermann gebracht werde müsse. Es hat dann Jahre gedauert, bis sie auf dem heutigen Stand war. Und der damalige Stadionsprecher kam nach dem Aufstieg auf mich zu und wollte nicht mehr. Dann habe ich das auch noch übernommen. Irgendwann war ich Punkterichter, DJ und Stadionsprecher - (lacht) irgendjemand musste es ja machen. Ich hätte mir ein Bett ins Stadion stellen können.“

Hattest du als Sprecher irgendein Vorbild? Wie hast du deinen eigenen Stil entwickelt?

Berghofer: „Der ist gewachsen. Mein erstes Spiel habe ich vollkommen vergeigt. Da habe ich die Heimmannschaft als Gäste vorgelesen und umgekehrt. Ich kannte ja die Nachwuchsspieler nicht, deshalb ist mir das gar nicht aufgefallen. Bis dann irgendwann ein Betreuer zu mir kam und mich darauf hingewiesen hat. Mein Torschrei ist durch eine Wette entstanden. Die Frage war, wie lange ich den Ton ziehen und halten kann. So habe ich meinen eigenen Stil gefunden. Und das rate ich auch meinem Nachfolger. Er muss sein eigenes Ding machen.“

Trinkst du vorher Milch mit Honig? Lutscht Hustenbonbons?

Berghofer: „Nein, ich esse vorher aber Zitronen, damit ich möglichst wenig Speichel im Mund habe.“

Musst du die Spielernamen der Gäste vor der Partie üben?

Berghofer: „Ich habe schon Spielernamen vorgelesen, wo ich mir gedacht habe, da hätte ich vorher lieber mal nachfragen sollen, wie man die ausspricht. Gerade wenn es zum Beispiel gegen Höchstadt geht, wo viele Tschechen und Slowaken spielen, da sind schon ein paar Zungenbrecher dabei. Mittlerweile gehe ich wirklich zu den Betreuern hin und frage, wie man den Namen ausspricht und dann schreibe ich mir den in Lautschrift auf meinen Zettel.“

Du bist während des Spiels ganz nah dran und bist ein emotionaler Mensch. Läuft da immer alles reibungslos?

Berghofer: „Ich habe schon mit Schiedsrichtern und Beobachtern Ärger gehabt und musste Geldstrafen bezahlen. In einem Playoff-Spiel gegen Memmingen hat man mir vorgeworfen, ich würde die Uhr heimmannschaftfreundlich bedienen. Da bin ich dann ausgerastet und habe das A-Wort benutzt. Das hat mich 50 Euro gekostet. Es gibt Schiedsrichter die pfeifen sehr unfreundlich für die Heimmannschaft. Die kamen schon mal zu mir und sagten, ich solle meine Ansagen etwas neutraler gestalten. Oder wenn ich noch einmal mit dem Kopf schütteln würde, wenn ein Spieler des HCL eine Strafe bekommt, könne ich mir das Spiel von draußen anschauen. Solche Geschichten sind auch passiert.“

Probleme mit Spielern oder Trainern?

Berghofer: „Ich musste mal einem Trainer erklären, wie lange eine zehn-plus-zwei Strafe dauert. Manche Trainer haben das Regelwerk nicht so drauf. Bei den Spielern bekommt man dann schon mal mit, wenn sie sich auf der Strafbank ‚unterhalten‘, aber da mischt man sich besser nicht ein.“

Und wie war über die Jahre dein Verhältnis zu den Fans?

Berghofer: „Sehr komisch. Die EVL-Fans kommen ja jetzt erst so nach und nach wieder zurück. Und mit manchen in Block D war ich nicht immer grün. Die Ostkurve macht immer mit, aber der Block D hat sich auch schon einmal weggedreht oder was anderes gerufen, als es meine Ansage war. Der neue Sprecher Sven kommt nun aus der Szene und wird vielleicht einen besseren Draht zu denen haben. Ich würde mir wünschen, dass diese EVL- und HCL-Geschichte in der Fankultur endlich aufhört. Es muss zusammenwachsen, was zusammengehört. Der Verein hat es verdient, dass das Stadion voll ist und auch bei schlechten Spielen die Unterstützung da ist.“

Jetzt fängt in Rosenheim noch einmal ein neuer Lebensabschnitt an. Warum Rosenheim?

Berghofer: „Meine Frau arbeitet in Rosenheim und fährt jeden Tag knapp vier Stunden hin und zurück. Das geht einfach nicht mehr. Ich kann meinen Job überall ausüben, also haben wir uns schweren Herzens dafür entschieden, umzuziehen. Ich gehe also nicht wegen der Star Bulls aus Landsberg weg, sondern aus rein familiären Gründen. Ich mache ganz normal meine IT-Tätigkeit und helfe bei den Star Bulls ein bisschen mit.“

Wie kam das zustande? Was wirst du dort machen?

Der neue Stadionsprecher des HCL ist Sven Schneider.Berghofer: „Ich kenne den Stadionsprecher Stefan „Pfeff“ Dubski schon seit vielen Jahren. Den habe ich mal angeschrieben und ihm geschildert, was ich alles bei einem Verein machen könnte. Und dann kam schon bald die Antwort vom Technikleiter der Star Bulls, dass sie mich auf alle Fälle brauchen. Und schon war ich wieder verhaftet. Ich mache jetzt beim Nachwuchs die Uhr und habe vier Spiele als Co-Kommentator beim Fernsehsender „Sprade TV“ hinter mir. Die Arbeit beim Fernsehen ist anstrengender, als ich mir vorgestellt hatte. Die Vorbereitung ist viel intensiver, denn ich muss mir viele Hintergrundinformationen besorgen. Ich kann aber versichern, dass ich niemals als Stadionsprecher bei Rosenheim arbeiten werde. Das könnte ich auch vom Herzen her nicht.“

Der neue Stadionsprecher des HCL ist Sven Schneider.

Wie hat sich der HCL in den letzten Jahren entwickelt? Wohin geht die Zukunft?

Berghofer: „Der Verein ist nun an einem Punkt, wo er sich entscheiden muss. Möchte man weiterhin Bayernliga spielen oder wagt man den Schritt in die Oberliga. Natürlich müssten die Sponsoren mitspielen, man bräuchte mehr ehrenamtliches Personal und „Sprade TV“ müsste an Bord geholt werden. Man müsste sich etwas professioneller aufstellen.“

Wie schaust du im großen und ganzen zurück?

Berghofer: „Ich möchte keine Sekunde missen. Klar, es ist Vereinsmeierei. Du hast immer mal Ärger. Es gibt so viele Leute, mit denen man zusammenarbeiten muss und man kann nicht mit jedem. Ich möchte mich aber beim Verein und besonders beim Off-Ice-Team bedanken. Ich konnte mich immer auf die Jungs und Mädels verlassen. Dem Vorstand wünsche ich alles Gute und hoffe, wir sehen uns vielleicht in der Oberliga wieder. Und meinem Nachfolger Sven Schneider wünsche ich gutes Gelingen und viel Spaß.“

Thomas, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen dir und deiner Familie alles Gute.

Dietrich Limper

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