»Ich bin sehr enttäuscht«

Torhüter Patrick Rösch über seinen Abschied vom TSV 1882 Landsberg

Patrick Rösch im gelben Trikot des TSV Landsberg.
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Patrick Rösch wird das gelbe Trikot des TSV Landsberg in Zukunft nicht mehr tragen.
  • Dietrich Limper
    vonDietrich Limper
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Landsberg – Vergangene Woche meldete der KREISBOTE, dass Keeper Patrick Rösch durch die Verpflichtung von Daniel Witetschek Konkurrenz zwischen den Pfosten bekommen würde. Dem ist nicht so: Der TSV 1882 Landsberg am Lech hat sich mit dem Torwart auf keinen neuen Vertrag einigen können. 

Mit Patrick Rösch verliert der Verein einen engagierten und stets hochmotivierten Spieler, der auf und neben dem Platz kein Blatt vor den Mund nimmt. Der 32-jährige gebürtige Mindelheimer kam 2018 zum TSV Landsberg und bestritt 38 Punktspiele in der Bayernliga Süd. Vorher stand Patrick Rösch für den FV Illertissen bei 159 Partien auf der Linie, bevor er über den SV Lichtenberg 47 in die Lechstadt kam. Im Gespräch mit dem KREISBOTEN zeigt er sich über die Entscheidung der Vereinsführung enttäuscht.

Patrick, wie ist es zur Trennung vom TSV gekommen?

„Ich wäre gerne auch über meine aktive Karriere hinaus beim TSV geblieben und es gab auch schon Gespräche in die Richtung, wie ich mich danach einbringen könnte. Aber zwei, drei Jahre wollte ich noch auf dem Platz stehen. Dann hat mir der Verein vor ein paar Wochen ein Angebot gemacht, das weit unter den Bezügen lag, die ich vorher erhalten habe. Ich dachte aber, dass die Situation für den TSV durch Corona schwierig ist und habe das Angebot akzeptiert. Geld war mir gar nicht so wichtig, ich wollte helfen. Mir wurde auch am Telefon immer wieder gesagt, dass das Budget sehr knapp sei, aber da wusste ich schon, dass hochkarätige Spieler verpflichtet werden sollten. Das kam mir widersprüchlich vor.“

Warum konntet ihr euch auf diese Art nicht einigen?

„Muriz Salemovic war auf einmal nicht mehr sportlicher Leiter, sondern ich musste mit Jürgen Meissner sprechen. Von seiner Seite wurde das Angebot dann nochmals reduziert und das alte Wort galt nichts mehr. Es hat auch nie ein persönliches Gespräch stattgefunden, alles lief am Telefon ab. Das fand ich schon sehr verwunderlich. Allerdings war das Angebot am Ende ohnehin so schlecht, dass ich es nicht annehmen konnte. Dafür würden andere Spieler, die ich kenne, nicht einmal den Zündschlüssel umdrehen, um zum Training zu fahren.“

Wie hast du die Verhandlungen mit den Verantwortlichen beim TSV empfunden?

„Ich denke, der Verein war überrascht, dass ich das erste schlechte Angebot überhaupt angenommen habe. Dann wechselten meine Ansprechpartner dauernd und niemand hatte die Eier in der Hose, mir mal die Wahrheit zu sagen: Nämlich, dass sie nicht mehr mit mir planen. So etwas habe ich in 13 Jahren Fußball noch nicht erlebt. Anstatt, dass man mir das klipp und klar kommuniziert, wird ein so lächerliches Angebot gemacht. Aber anscheinend wird das Geld für die Neuverpflichtungen gebraucht.“

Klare Strukturen nötig

Was denkst du über die vielen Neuzugänge?

„Erst einmal bin ich wirklich enttäuscht, wie hier mit verdienten Spielern umgegangen wird. Und der Verein lebt doch auch von Spielern, die aus der Region kommen und mit denen sich die Zuschauer identifizieren können. Mit der jetzigen Vereinspolitik wird man vielleicht kurzfristig Erfolg haben, aber auf lange Sicht kann das nicht funktionieren.“

Wie meinst du das?

„Der TSV braucht endlich mal klare Strukturen und eine langfristige Planung. In den letzten Monaten änderten sich dauernd die Ansprechpartner und es sind einfach zu viele unerfahrene, junge Leute am Werk. Ich wusste manchmal gar nicht mehr, mit wem ich eigentlich reden sollte. Meiner Meinung nach wandelt der TSV auf einem sehr schmalen Grat. Es herrscht generell schlechte Stimmung bei den älteren Spielern. Sie vermissen den Respekt, den man ihnen entgegenbringen sollte. Niemand kennt Herrn Meissner wirklich und dann finden die Verhandlungen telefonisch statt. Diese Vorgänge verstehen Teile der Mannschaft nicht.“

Wie geht es nun für dich weiter?

„Es gab schon einige Gespräche mit anderen Vereinen, aber spruchreif ist noch nichts. Ich bin allerdings topfit und heiß darauf, wieder zu spielen. Sehr gerne hätte ich das für den TSV Landsberg getan, aber das Thema hat sich leider erledigt.“

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen alles Gute für die Zukunft.

Am Montag gab der TSV Landsberg bekannt, dass neben Rösch auch Julian Birkner, Martin Hennebach und Philipp Siegwart den Verein verlassen müssen. Die Verträge mit Andreas Fülla, Maximilian Holdenrieder, Branko Nikolic und Fabian Lutz hingegen wurden um ein Jahr verlängert.

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